für Löb verlor sich sein: Wie Veilchen! und der Spinozismus jetzt in drei bis fünf Jahre gefängnis ...
"Perl war des Ritus so kundig, wie oft kein – Domdechant" –
Der Provinzial musste wohl im Lesen lächeln ... Seine stimme klang heller ...
"Die vermessene, wahnwitzige Scene ging vor sich bei Lichterglanz und unter Assistenz eines Messners, den eine person spielte, die ich Ihnen nicht nennen will" ...
Eines Priesters also! sagte Terschka bedeutungsvoll, ohne den Dechanten selbst zu nennen ...
Wie es scheint! bemerkte der Präsident und setzte mit Bitterkeit hinzu: Sie suchen für Ihre Casuistik irgendeine geheime Schraube! Was das bürgerliche Recht mit dem Zuchtaus bestraft, wird bei uns das kanonische nicht zum Sakrament erheben! – Doch lesen Sie! Ich bitte! ...
"Eine katolische Trauung muss in dem Ort stattfinden, wo man lebt; dafür hatten wir die Demissorialien. Sie findet in der Regel des Morgens statt; dafür hatten wir wiederum einen Erlassschein. Das in der Waldkapelle bei Nacht verbundene Paar bestieg eine Kutsche und reiste auf Schloss Neuhof. Dort lebte es dann so, wie es der Freiherr gewünscht hatte. Einstweilen noch kehrte die Maldachini in ihre Stellung zur Bühne zurück. Sie genas später eines Knaben, der auf den Namen der Mutter getauft und von einer Dame erzogen worden ist, die ich – gleichfalls nicht nennen kann" ...
Frau von Gülpen! blitzte es in Löb auf ... Doch nahm er diesen Gedanken zurück, da er nur die grosse Anzahl "Nichten" kannte, denen Frau von Gülpen eine so liebende Tante war ...
Länger dauerte freilich der Nachklang desselben Namens – bei Bonaventura ...
"Die Kämpfe der Maldachini, sich anerkannt zu wissen, gingen mit der Zeit aufs Aeusserste. Sie wurden um so gefährlicher, als sie Verdacht schöpfte und mit Entdeckung drohte. Nur weil ihr Perl öfters in wirklicher Priestertracht entgegentreten konnte, wurde sie beruhigt. Der Kronsyndikus hatte in seinen Neigungen keinen Bestand; bald wurde er gegen sie wie gegen alle; sein Leben auf Neuhof steigerte sich ja bis ins Sinnlose" – ...
Löb füllte die Pause, die entstand, mit der Empfindung: Muss ein Sohn das von seinem Vater hören! ...
"Bald erfuhr auch diese seine vermeintliche Gattin die gewöhnliche Tücke seines Sinnes. Sie kam zum zweiten mal in die Hoffnung und bestand mitten in dem Gewühl der Flucht des westfälischen Hofes von Kassel 1813 ihre Entbindung. Der Kronsyndikus, sich an den Zusammenbruch des Königreichs Westfalen haltend, verstiess sie ... Hülflos wurde sie von den Mitgliedern ihrer Gesellschaft in den allgemeinen Strudel des Schreckens und der Flucht mit fortgerissen ... Wir verloren sie aus den Augen und das für immer. Eines tages erzählte mir Ihr Vater lachend, sie wäre in Paris eine Herzogin geworden ... Damals aber brach die Zeit an, wo über uns alle ernstere Stimmungen kamen. Unsere mannichfach neubedingten Lebensstellungen rieten uns, unsere Aufführung zu regeln und so entstand das Bedürfniss, auch über diesen Jugendstreich den Mantel der Vergessenheit zu breiten – zumal, da ich später von Leo_Perl zu meinem Schrecken erfuhr, dass er diese Ehe –"
An dieser Stelle war es plötzlich dem Horcher, als hörte er eine Bewegung, die nicht von den Männern im Nebenzimmer kommen konnte, obgleich auch drinnen die durcheinander gehenden Stimmen ein Staunen auszudrücken schienen ...
Aengstlich sprang Löb zur Seite und hielt die Dekken, die ihm entgleiten wollten ...
Alles war wieder still. Glücklicherweise ... Denn gerade die ihm wertesten Stellen der Bekenntnisse des Dechanten konnten ihm verloren gehen ...
Der Provinzial hatte inzwischen nicht weiter lesen können, denn Terschka sprach ... Terschka sprach von der Ehe und forderte Bonaventura auf, zu sagen, worin die katolische Ehe ein Sakrament wäre, ob durch den Priester oder durch die Verbundenen? ...
Die Lehre der Kirche lässt es kaum zweifelhaft! lautete die leise und mit tiefster Erschütterung gegebene Antwort des Domherrn ...
Der Präsident bat um genauere Erklärung ... Doch an dieser so hochwichtigen Stelle musste Löb Seligmann den Schrecken erleben, dass sich jenes Geräusch wiederholte ... Es schien sogar aus dem dritten der dunkeln Zimmer zu kommen ... Bebend sprang er zur Seite und fiel fast über die Franzen seines improvisirten Hohenpriestermantels ... Dann aber war wieder alles still ...
dafür aber waren die Männer nebenan im lebhaftesten Streit über die Ehe und das Sakrament ... Der katolische Glaube in allen Subtilitäten, deren Kenntniss plötzlich von Terschka mehr im Scherz als im Ernst angedeutet wurde, regte den Präsidenten so auf und veranlasste seinerseits für die Rückhaltsgedanken der Kanonisten so heftige Wortbezeichnungen, dass der Provinzial mit entschiedener stimme einfiel und rief:
Lesen wir wenigstens den Brief! ...
Dann fuhr er fort:
"Die Trauung selbst war allerdings eine Scene, die uns alle mit Schrecken überrieselte ... Die nächtliche Stille in dem mondbeschienenen wald ... Die Klänge der Orgel" ...
Löb Seligmann konnte nicht nachfolgen ...
Der Himmel strafte ihn für die Schuld seiner Väter ...
Das Geräusch nahm zu, er hörte einen leise auftretenden Fusstritt – er bekam Gesellschaft ...
Unwillkürlich musste er sich zur Erde ducken hinter einem der grösseren Sessel ...
Es kam Jemand, der gleichfalls die Vorteile der spanischen Wände des Schlosses geniessen wollte