... Ich weiss nicht, ob dies auch der Antrag des Grafen Hugo selbst ist, und offen gestanden, ich kann es kaum glauben ... Würde er seine Schwiegermutter in Wien mit einem Process auf Bigamie empfangen wollen? ...
Auf diese scharf betonte Hervorhebung aller Dunkelheiten der in Frage stehenden Situation trat eine Pause ein ...
Aber mochte sich auch Seligmann diese Pause mit noch so viel stürmischen Passagen füllen, sein musikgeübtes Ohr hörte nimmer die Accorde, die in Bonaventura's inneren auf und nieder wogten und riefen: So sprichst du, du – von der Bigamie! Du, mit dem sich vielleicht auch – meine eigene Mutter in gleicher Sünde befindet! ...
Graf Hugo, fuhr der Präsident fort, wird ja nun jetzt so reich, dass er für sein Pflegekind unmöglich bloss eine Ausstattung, unmöglich nur Geld begehren kann ... Meine junge Stiefschwester soll schön und geistig gebildet sein ... Herr von Terschka verglich sie schon lange mit jener abenteuernden Lucinde, von der Sie vielleicht schon hörten, lieber Sohn, vom Anlass zum Tod meines armen Bruders Jérôme ... Ich meine jene Dame, von der man ja sagt, dass sie plötzlich jetzt in Witoborn wieder aufgetaucht ist ...
Wieder trat auf diese gelegentliche Anmerkung eine Pause ein ... Seligmann fand schwerlich ein Tonbild der Orkane, die bei diesen Worten tausend Instrumente durch das Herz eines der Hörer stürmten ... Lucinde in Witoborn! ... Bonaventura schien auf diese Mitteilung eine auffallende Bewegung gemacht zu haben ...
Ja, sagte wenigstens Terschka wie zu einem, der daran zweifelte, das genannte fräulein war vorgestern auf Münnichhof ... Aber Sie erwähnen sie nicht zu ihrem Vorteil, Herr Präsident! ... Es ist eine Reihe von Jahren her, dass Graf Hugo und ich allerdings Ihrem Vater und diesem Mädchen, seiner damaligen Begleiterin, am Strande der Ostsee begegneten ... Wir kauften dort Pferde ein ... Mein Freund, der Graf, besprach mancherlei, was zu seinen hiesigen Erbschaftshoffnungen gehörte und worüber der damalige Vormund und Onkel der Gräfin Paula, Ihr Herr Vater, Auskunft geben konnte ... Die Rede kam auf jenes schöne Mädchen, das unter seinem Schutze reiste ... Ich verglich sie allerdings mit Angiolina ... Der Kronsyndikus geriet über meine Analyse in die grösste Verwirrung ... Die Nacht soll er eine aufgeregte Scene gehabt und nichts, als von seiner zweiten Gemahlin gesprochen haben und das wie von einem Wesen, dessen Vorhandensein sein Gewissen drückt ...
Nur irren Sie sich in einigen Punkten! fiel der Präsident mit seiner frühern Schärfe wieder ein. Sie verglichen jene Lucinde weniger mit Angiolina, als mit jener so bekannt gewordenen Olympia Maldachini in Rom ... Und darüber kam der Schrecken meines Vaters; der Name Fulvia Maldachini war der frühere Name der Herzogin von Amarillas ...
Seligmann sah jetzt grosse, wirkliche, echte, italienische Oper ... Maldachini! ... Welch ein Klang – schon – beim Hervorruf ...
Der Stand der Dinge ist der! fuhr der Präsident fort, der immer mehr sogar in eine drohende Vortragsweise kam. Mein Vater hat vor einigen Jahren, als er noch bei Geisteskräften war, eine Generalbeichte beim ehrwürdigen Pater Maurus niedergelegt. Diese war so inhaltsreich, dass sie vom Herrn Provinzial nach Rom geschickt werden musste. Dort scheint sie einflussreichen Personen bekannt geworden, Personen, die an dem Erweis einer Bigamie der Herzogin von Amarillas mehr Interesse zu haben scheinen, als die vielleicht sehr vernünftige Frau selbst, die wenigstens seit Jahren nicht die mindeste Erinnerung an Schloss Neuhof verraten hat. War ihr Gedächtniss zu schwach für zwei Kinder, die sie in Deutschland zurückliess, wie sollte es jetzt aufleben für das Bekenntniss einer Schuld, die vielleicht die römische Curie, aber nicht die bürgerliche Gesetzgebung verzeiht! Der Herzog von Amarillas war arm. Ein echter Grand von Spanien, besass er nur seinen Namen, der in seiner ganzen Vollständigkeit acht bis zehn Güter repräsentirte, die im mond liegen. Mein Vater schickte damals Summen nach Rom. In frühester Zeit wurden sie erbeten, in späterer gefordert; dann plötzlich verhallte alles, was dort für ihn drohend vorhanden lebte ... Wer aber nun jetzt es ist, der dort plötzlich wieder Sprache gewonnen hat, wer nun jetzt durch Sie redet, Herr von Terschka –
Angiolina ist so liebenswürdig, unterbrach Terschka aufs eiligste, dass ihr die Auszeichnung, mit Ihnen verwandt zu sein, wohl zu gönnen wäre ...
Wer ist Ihr Auftraggeber? drängte der Präsident ...
Ich – wich, ohne Zweifel lächelnd, Terschka aus – ich kann nur sagen, man wünscht, dass ich in aller Stille die Verhältnisse sondire, namentlich das Factum herstelle, ob die Herzogin von Amarillas wirklich Ihre rechtmässige Stiefmutter ist, Herr Präsident! Die weitern Folgerungen daraus, gesteh' ich, liegen mir ja noch gänzlich fern ...
Löb erkannte ganz seinen diplomatischen Terschka ...
Nun wohl, Herr Provinzial, wandte sich der Präsident an den Mönch, Sie sehen, es geschieht alles, um das Siegel zu brechen von jener beichte, die Sie empfingen ... Ihr Ordensgeneral hat Ihnen nicht erlaubt, den Inhalt dieser beichte zu erzählen, aber prüfen sollen Sie denselben; so ungefähr, denke' ich, schrieb man Ihnen ... So leg' ich denn in Ihrer Gegenwart, lieber