auf Vervollständigung seiner genealogischen Kenntnisse, die in diesen hohen Kreisen immer empfehlend sind ...
Ich muss Sie, lieber Sohn, sprach der Präsident und redete damit ohne Zweifel den Domherrn von Asselyn an, ich muss Sie mit dem Gegenstand unserer Verhandlung bekannt machen, welcher Sie jetzt nicht nur in Ihrer Eigenschaft als mein Sohn und Freund, sondern auch als geistlicher Rater und zuverlässiger Zeuge beiwohnen ... Man hat von Rom aus in einem an den Herrn Provinzial gerichteten Schreiben ausdrücklich ...
Diese Worte brachen für Löb nicht ganz verständlich ab ...
Eine Pause deutete die stumm bejahende Geberde des Pater Maurus an, der demnach zu den drei Löb jetzt bekannten Personen wirklich die vierte war ...
Mein Vater, fuhr der Präsident mit Erregung fort, hat leider aus dem himmlischen Gnadenschatz alle die Spenden nötig, die er uns Sündern bietet ... Ich spreche dies mit Schmerz, aber offen aus ... Zu einer ganz besonderen Kränkung für mich müssen die lebenden Zeugen seiner Verirrungen dienen ... Doch werden diese befriedigt werden und sie sind es zum teil schon – – Nur Ein verhältnis bot und bietet noch immer Schwierigkeiten. In Rom befindet sich eine Frau, von der man behauptet, sie hätte Ansprüche, sich die zweite Gemahlin meines Vaters nennen zu dürfen. Sie soll auch in der Tat von einem frühern Pfarrer – dieser – Gegend – ich glaube – Leo_Perl –
Seligmann erbebte bei Nennung dieses Namens. Jetzt verwarf er alle Ermahnungen seines Gewissens, die ihm unausgesetzt zuflüsterten, sich ein Zimmer weiter zu setzen und sich nicht in die Geheimnisse der vornehmen Welt zu drängen ...
Nicht wahr? unterbrach sich der Präsident, als suchte er sich der Richtigkeit des Namens zu vergewissern ...
Die Herzogin von Amarillas kennt vielleicht den Namen des Geistlichen nicht mehr, der sie traute ... sagte Terschka ...
Der sie traute – haha! Das ist es! Mit meinem Vater nämlich, lieber Sohn! Es handelt sich um eine Frau, die nichtsdestoweniger, dass sie sich Frau von Wittekind-Neuhof zu nennen berechtigt sein will, doch 1813 von Kassel aus nach Paris flüchtete und dort eine neue Heirat vollzog mit einem spanischen Granden, leider einem Granden ohne Vermögen, dessen langer Titel sie lockte ... Von der schweren Sünde der Bigamie, scheint es, will die römische Curie die Herzogin von Amarillas freisprechen und sich jetzt plötzlich für die erste Ehe entscheiden ...
Herr Präsident, nein! sagte eine rauhe stimme ... Ohne Zweifel war es die des Mönches ...
Bigamie! ... Zwei Männer auf einmal! ... Löb Seligmann schauderte vor einer Situation, die ihn zum Zeugen solcher Entüllungen machte ...
Der Präsident, sich in seiner Anklage gegen Rom mässigend, fuhr fort:
Allerdings gestehe ich, Herr Provinzial, nicht völlig klar zu sehen in dem Interesse, für welches Herr von Terschka auftritt, und wieder in dem, für das Sie beauftragt sind. So viel weiss ich und will es nicht leugnen, dass diese Frau von Wittekind-Neuhof zwei Kinder von meinem Vater besitzen soll; als Herzogin von Amarillas war sie gewissenlos genug, sie beide zu opfern ... Mein Vater, von dem muss ich es leider ebenso eingestehen, machte sich keine Sorgen um die Folgen seines – Temperaments – Er überliess diese Kinder, denen ich ihr Dasein und eine gewisse Berechtigung auf meine Anerkennung als natürliche Geschwister nicht im mindesten abstreiten will, dem Zufall, der sie dann auch wirklich seinen Augen entrückte ... Jetzt soll eines dieser Kinder entdeckt sein. Von wem entdeckt? Entdeckt in einem Augenblick, wo die Herzogin von Amarillas in Wien aufzutreten gedenkt, in Wien, wo, wie überall, gesetz gegen Bigamie herrschen, falls – die Curie nicht hilft. Doch, wie gesagt, rätselhaft sind mir diese Entdecker einer Schwester – die ich haben soll. Es ist eine gewisse Angiolina – Pötzl, glaube' ich, ein Mädchen, das, wie Herr von Terschka sagt, zufällig vom Grafen Hugo vor Jahren gefunden worden – es war ja wohl mein' ich bei einer – Kunstreitergesellschaft –?
Auf dies auffallend scharf betonte Wort trat eine Pause ein ...
Terschka schien die Frage überhört zu haben ...
Graf Hugo, fuhr in immer mehr sich steigernder Schärfe der Präsident fort, hat edel an dem kind gehandelt, das von jener sogenannten Frau von Wittekind, meiner Stiefmutter – auf der Landstrasse verlassen wurde – bei jener damaligen Flucht der kasselschen Oper – Ich vergass Ihnen nämlich zu sagen, lieber Sohn, Frau von Wittekind-Neuhof war ursprünglich eine italienische Sängerin ...
Hörten für Löb Seligmann die Gewissensscrupel schon lange bei Nennung des Namens Leo_Perl auf, so fühlte er nun vollends die behaglichste Wärme, sowohl unter seinen bunten Decken und auf dem gepolsterten Sessel, wie vor Anteil an dem Vernommenen selbst ... Ein Uebergang der Entüllungen in die Sphäre der Oper ... Eine italienische Sängerin ... Er gedachte der Henriette Sontag, die eben damals eine Gräfin Rossi geworden war ...
Graf Hugo, fuhr der Präsident fort, hat sein Pflegekind lieb gewonnen, so lieb, dass er nicht abgeneigt sein soll, aus ihm seine Gemahlin zu machen ... Vortrefflich ginge das, wenn Angiolina Pötzl eine rechtmässige Freiin von Wittekind wäre ... Herr von Terschka stellt mir das Ansinnen, diese Wendung der Dinge möglich zu machen