geschmückt ... Die Malereien stellten Scenen, wie er sich ganz richtig sagte, aus dem Olymp vor ... Wie drang da der Klang des Liedes: "Vom hoh'n Olymp herab ward uns die Freude!" das manchmal die Studenten im Roland am Hüneneck sangen, in seine Seele! ... Das war nun diese "Freude" aus – "Olim's Zelten". Leider machte er diesen Schnitzer zum Staunen und zum lachen seines Neffen David Lippschütz, als er später diese Vorfallenheit in einem Briefe nach Kocher meldete – Er verwechselte "Olim's Zeit" mit der Zeit des Olymp ... Allerdings war auch hier eine Olim's Zeit! Für so verfängliche olympische Gegenstände, wie an diesen Wänden von Künstlerhand wiedergegeben waren, würde die Gegenwart nicht einmal die raschbereiten Künstlerhände aufgefunden haben ... Sie glichen den Fresken über Alexander und Roxane, die sich zu Rom von Rafael's Hand im Hinterzimmer der Galerie des Fürsten Borghese befinden.
In jetzt unverfänglicher, rein kunstkennerischer Stimmung verlor sich Löb immer weiter im Corridor und kam in einen grossen Saal, der seinerseits etwas Schauerliches hatte – durch seine riesigen Dimensionen und seine Unwohnlichkeit und Kälte ... Der Saal war rings mit Spiegeln belegt ... In ganzer Figur, von seinen etwas zu kurzen schwarzen Beinkleidern an mit den hervorstehenden Knieen bis zum Scheitel seines heute ohne zu laute Musikbegleitung frisirten Haares, sich in Lebensgrösse betrachten zu können – reizte Löb ... Er musste im ganzen Saal auf den Fusszehen die Runde machen ...
Alles war still ... Er griff an den Girandolen die Glastropfen an und liess sie hin und her baumeln ... Er erfreute sich an dem hellen Ton, den sie von sich gaben ... Dann taxirte er das Krystall, die Bronze, den Sammet, und war besonnen genug, die Kunst der Decoration höher anzuschlagen, als den massiven Wert ... Viele der Bronzirungen zeigten stark den "Zahn der Zeit", jenen Begriff, den Veilchen in ihrem Humor vorgeschlagen hatte zum Namen des Natan Seligmann'schen antiquarischen Geschäfts zu wählen ... In das Geschäft: "Zum Zahn der Zeit" gehörte bei näherer Besichtigung fast jeder dieser Plüsch- und Seidenstühle ... Und so bekam Löb auch Handelsideen zum besten seines Bruders ...
Darüber verging eine geraume Zeit ...
Als er sich dann endlich auf den Weg machte, um umzukehren, erschrak er bei einem flüchtigen blick in den Hof ... Er sah aus einem eleganten Wagen einen Mönch aussteigen ...
Bruder Hubertus das? sagte er sich und die Erinnerung an die gestrigen Erlebnisse ergriff ihn mit schreckhafter Macht ...
Hubertus war es aber nicht ... Löb besann sich, es war Pater Maurus, der Provinzial und Guardian selbst ... Kam er etwa, um sich nach ihm zu erkundigen ...
Die Diener verbeugten sich tief ... Löb beruhigte sich ... Der Klosterabt schien mit freiherrlich Wittekind'schem Wagen aus seiner Zelle abgeholt worden zu sein ...
Vor Neugier und Gewissensbissen geriet Löb bei dem Gedanken an seinen Rückzug in einen falschen Corridor ... Es liefen deren zwei in den grossen Ballsaal ab ... Einer sah dem andern so ähnlich, dass Löb nicht wusste, war er durch den linken oder durch den rechten gekommen ...
Als er seinen Irrtum erkannte, mochte er nicht den weiten Weg umkehren, sondern hoffte, eine der mehreren kleinen Türen, die er hier sah, verbände vielleicht beide Corridore ... Er drückte eine derselben auf ...
Siehe da! Das war ja ein ganz seltsames Gemach ...
Er trat einen Schritt vor, orientirte sich im Dunkeln ... da – o Himmel! – fällt die Tür hinter ihm in ein Schloss, zu dem er keinen Drücker findet ...
Im Dunkeln durchtastet der plötzlich zu allen Schrecken nun auch noch selbst Gefangene die ganze Länge der Ritzen an der Tür dahin, reisst sich an der Spitze eines hervorstehenden Nagels die Veranlassung zum schmerzhaftesten Au! ein und steht mit einem blutenden Finger ... Was jetzt tun? ... klopfen? ... Lärm machen? ... Seine Neugier selbst an die Oeffentlichkeit bringen? ...
Grossen Männern gehen ihre Schatten voraus, sagt Jean Paul, und lebhafte Phantasieen erfassen sofort die äusserste Möglichkeit ... Löb Seligmann sah sich vor Discretion, vor Scham und vor jetzt vielleicht erst kaum halb bestrafter Neugier stumm ringsum ... Er sah sich hier eines langsamen Hungertodes sterben – ganz wie Florestan in "Fidelio" ...
Das Zimmer war ohne Fenster ... Es konnte nur benutzt werden durch Erleuchtung ... Höchst prachtvoll, wenn auch gleichfalls schon für das Geschäft "Zum Zahn der Zeit" brauchbar, war auch hier die Decoration ... Hier mussten sicher einst die üppigen Schönen auf schwellenden Divans geruht haben, wenn sie auf Bällen vor der Hitze des Tanzsaals flohen ... Das sind Cabinete, dachte er, wie die, in welche Don Juan die Tausend und Eins entführte ... Und um ihn her geigte und trompetete alles ... aber im Geist rief er mit dem Schrei der Zerline: "hülfe! Rettung!" ...
Mit der linken Hand, die er der Vorsicht wegen lieber jetzt mit einem glücklicherweise in der tasche