1858_Gutzkow_031_551.txt

doch noch der Mönch zurückkam ...

Alles blieb aber still und einsam ... In der Ferne sah er Häuser im Nebel schwimmen, aber in nächster Nähe befanden sich nur Felder, abgegrenzte Gärten, kleine Baumgruppen, keine Menschen ...

So erreichte er eine stattliche Allee, die zum Kloster führte, und hielt auch hier noch eine Weile ...

Da er durchaus Niemanden zurückkommen sah, fuhr er die Allee entlang dem Kloster zu und bekam immer mehr Mistrauen über all die sonderbaren Umstände, unter denen Hubertus seinen Pflegling mitgenommen ... Warum das alles so heimlich? sagte er sich ... Von jener Vorsicht, die man im Kloster wegen der ärzte zu nehmen hätte, war er anfangs entschiedener überzeugt gewesen, als jetzt ...

Inzwischen stand er dicht an der stattlichen Treppe, die zum geschlossenen Portal der Kirche führte ...

Als es noch immer still blieb, wollte er endlich weiter fahren ...

Aber sein wissbegieriger Sinn bestimmte ihn, noch einmal einen Versuch zu machen, ob er nicht etwas von den beiden Verschwundenen in der Kirche selbst entdecken sollte ... Die Pferdedecke war an sich verschmerzt, er hätte aber doch gern gewusst, wo sie geblieben ...

dicht an dem Ende der stattlichen Aufgangstreppe zur Kirche begann die Einfriedigungsmauer des Klosters ... Einige Schritte entfernt lag eine Tür, von der er durch den Besuch bei Pater Sebastus wusste, dass sie in einen kleinen Vorhof, dann zur Linken ins Kloster, zur Rechten durch einen gang in die Kirche führte ...

An diese Tür ging er und drückte, mit einiger Beklemmung über seinen Anteil an den Ursachen, die den Pater Sebastus in Haft gebracht hatten, auf die Klinke ...

Die Tür ging auf ...

Alles war still ... Vorsichtig trat er einige Schritte weiter bis an den gang zur Kirche ...

Da hörte er plötzlich einen lauten, entsetzlichen Schrei ... Gellend, markdurchdringend ertönte es ...

Der Schrei kam von der Kirche her und war wie die stimme eines Erstickenden ...

Unmittelbar darauf hörte man noch ein furchtbares Krachen, das weit in der Kirche widerhallte ...

So bang ihm jetzt zu Mute wurde und so fern ihm jede Melodie der Ermutigung ins Ohr klangetwa ein "Frischgewagt!" aus "Maurer und Schlosser" – er war mit zwei Schritten, die auf dem Steinboden ängstlich knirschend widerhallten, dennoch vollends der Tür der Kirchenoch näher getreten ...

Da hörte der Tollkühne eine leise stimme singen, hörte einen Schlüsselbund drehen, sah Jemand aus der Kirche kommen und huschte erst jetzt zurück auf den kleinen Vorplatz, von dem man in die Halle trat, wo sich die Gänge links und rechts teilten ... Bei alledem dachte er: Ei was! Du kannst ja ein Verlangen tragen, dir die Kirche anzusehen ... So blieb er stehen ... Und was kann denn auch so Entsetzliches geschehen sein, da ja ein so ruhiger Zeuge zugegen war! ...

Die Kirchtür wurde zugeschlossen ... Ein Mönch ging vorüber und sang für sich ganz ruhig und friedlich ... Wie er Löb Seligmann erblickte, rief er allerdings plötzlich: Husch! ...

Dies Husch! war eigen ...

Husch! husch! wiederholte der Mönch und wehte doch nur durch die Luft, wenn auch schon ganz dicht unter Seligmann's Nase ...

Wie ein Donnerwetter sprang Löb denn nun doch von dannen, liess die Mauertür offen, rannte an seinen Wagen, sprang auf diesen hinauf, ergriff die Peitsche und lenkte den Gaul lieber von der Treppe ein wenig abwärts ...

Niemand kam ihm nach ...

Löb musste annehmen, dass seine Aufgabe erfüllt war, und fuhr von dannen ...

Noch einmal fuhr er die ganze Länge der Kirche vorüber und seltsam! nun war es ihm, als sähe er an einem vergitterten Fenster der untersten Gewölbe einen Lichtstrahl ...

Er hielt sich indessen nicht mehr auf ...

Der entsetzliche Schrei, das furchtbare Krachen, das so gespenstisch in den Gewölben hin und her irrende Licht brachten ihn um allen Anhalt polizeigemässer Beruhigungen ...

Noch drei Stunden brauchte er, bis er Schloss Neuhof erreicht hatte ... Noch einmal musste er tränken und füttern, bis er die schönen Tannen des freiherrlich Wittekind'schen Parks sah ...

Dann liess ihm allerdings die Präsidentin im Seitenflügel ein freundliches, wohlgeheiztes Mansardenzimmer anweisen, liess ihm ein Essen vorsetzen und ihn auf morgen bescheiden ...

Vom Brand auf Westerhof war, wie er an der Bedienung sah, auch hier alles erfüllt ...

Nicht minder von Hubertus und von dem geretteten Diener ...

Löb konnte von alledem als Kenner berichten ...

Indessener hatte den Mut verloren, sich als einen Eingeweihten der Kirche zu bekennen ... Schon einmal war ihm die Begegnung mit einem Mönche übel bekommen ... Dies stille Husch! Husch! Jener Schrei, das Krachen, das Licht im untern GewölbeEs kam ihm eine Vorstellung, als setzte ihn das Schicksal vielleicht einmal selbst in Musik und verwandelte ihm sein jetzt sich so heiter anlassendes Leben in eine Oper mit tragischem Ausgang ...

Er riegelte die Tür zu und entschlief mit gespannter Erwartung auf die kommenden Entüllungen ... Er fasste den Vorsatz, durch taktvoll diplomatisches Beherrschen seines Mitteilungsdranges, der