seine geheimen Ersparnisse erbt, die Bücher ausgenommen, die ein gewisses fräulein Veilchen Igelsheimer kriegt, deren Liebe und Freundschaft ihn n i c h t betrogen haben, und die alten Kleider, die sind fürs Geschäft seines Vetters Natan Seligmann bestimmt ...
fragen Sie die jetzige Frau von Wittekind da oben! ... sagte Hubertus, von der nicht ganz im Scherz gemeinten Rede erheitert ... Ihr erster Mann war der Regierungsrat von Asselyn, der Vater des Domherrn von Asselyn ... Sie kann vielleicht –
Was kann die Frau, die ich ja heute noch sehen werde? ... sagte Löb und wandte sich auf Hubertus' Stocken um ...
Hubertus zeigte aber eben nach dem Kloster Himmelpfort, das jetzt erreicht war und nur noch allein seine Gedanken in Anspruch nahm ...
Wir sind am Ziel! sagte er, liess halten und setzte nur noch, schon im schnellen Absteigen begriffen, hinzu:
Der Regierungsrat hat bald nach dem Tod des Bischofs alle Biblioteken und Archive Witoborns zu ordnen gehabt ... Wenn er die Schrift damals noch vorfand, so liegt sie vielleicht in der Bibliotek des Königs; sie war wie in Kupfer gestochen ...
Diese Reden verhallten schon in den Zurüstungen des Aussteigens ... Die ernsteste und schwierigste Aufgabe war eben jetzt für Hubertus zu lösen, die, Bickert unbemerkt ins Kloster zu schaffen ...
Er lehnte ein Vorfahren am Kloster entschieden ab und weckte erst jetzt damit in Seligmann's Zügen einen Anflug von Staunen und Mistrauen ...
Es war dunkel geworden ... Das Wetter war ganz in Regen umgeschlagen ... Schwer senkten sich schon lange die Nebel über die nahen Höhen ... Einsam und still lag das Kloster ... Hier und da blitzte in einer Zelle ein Licht auf ... Um acht Uhr ging dort schon alles zur Ruhe ... Zwischen sechs und sieben fand der Imbiss zur Nacht statt ...
Vorzugsweise hatte Hubertus beim Erzählen immer die Kirche im Auge behalten ... Am Zifferblatt der Kirchturmuhr schien er die Minuten zu zählen, die noch übrig waren bis fünf ... Um fünf wurde meistens die Kirche geschlossen ... Zugänglich war sie überhaupt nur in einem Nebeneingang, der halb schon ins Kloster selbst führte ...
An den beiden Pappeln, wo Stephan Lengenich so lange vergebens gewartet hatte, um den Pater Sebastus in seinem Wagen mitzunehmen, hielt nun auch Seligmann und sah, wie Hubertus, den Schlag öffnend, dem jetzt ruhig folgenden, immer stiller gewordenen Kranken den Arm bot, um ihm hinunterzuhelfen ...
Schon läutete es drüben zur Vesper ... Hubertus wusste, den Strang zur Vesperglocke zog Pater Ivo ... Vor dem konnte er ruhig vorübergehen und sogar Bikkert im arme tragen, der Pater würde nicht aufgeblickt, sondern nur gesungen haben: Maria, Maienkönigin!
Hubertus wandte sich an den über das Geheimnissvolle im Benehmen des Mönches jetzt immer mehr betroffenen Seligmann mit den Worten:
Guter Mann! Ich danke Ihnen von Herzen! Aber tun Sie mir jetzt nur noch einen Gefallen! Warten Sie noch ein Viertelstündchen ... Ich muss – erst die Bewilligung – des Guardians – einholen ... Ein Viertelstündchen! Dann vielleicht – komm' ich zurück ... Wo nicht, nun dann ist alles gut, dann dank' ich Ihnen herzlich und wollen Sie mir nur noch Eines zu Liebe tun, so sprechen Sie von unsrer Reise mit Niemanden, der nicht darnach frägt oder, besser noch, zu fragen ein Recht hat! Vor Allem von der Unterkunft des Mannes hier im Kloster schon zu Niemand – Sie wissen, es ist wegen der Doctoren! Wir sollen ja im Kloster nur – die Seelen heilen! ...
Seligmann, der nicht gern auf ungesetzlichen Wegen wandelte, versprach etwas befangen, warten und schweigen zu wollen ...
Hubertus führte den Kranken langsam dem Kloster zu und verschwand mit ihm allmählich hinter Hecken und im Abenddunkel ...
Jetzt erst bekam doch der ganze Vorfall mit seinem Samaritanerherzen etwas auffallend Abenteuerliches für Löb ... Perl's lateinischer Brief an den Bischof von Witoborn ... Die geheimnissvolle Uebergabe erst nach dem richtigen Begräbniss eines katolischen Pfarrers ... Die scharfe Betonung der Rache ... Nun dieser Abschied ... Er begnügte sich noch, in allem heute zu Erfahrung Gebrachten bloss eine reiche Befruchtung der Phantasie, des Verstandes und des Herzens seiner kleinen Weisheit in der Rumpelgasse zu besitzen ... Aber das Dunkel der Nacht nahm jetzt zu ... Hier die Einsamkeit wurde gespenstisch ... Das Davonschleichen des Mönches mit dem Kranken, der, wie er erst jetzt bemerkt hatte, sogar seine Pferdedecke als Angedenken mitgenommen hatte – alles das bekam etwas Beklemmendes ...
Bei alledem verging die Viertelstunde ...
Es verging auch eine halbe ... Hubertus kam nicht zurück ...
Die bestimmte Weisung des Mönches, dass er weiter fahren konnte, wenn er nicht zurückkehrte, hatte Seligmann allerdings empfangen ... Indessen, gab er auch die Pferdedecke preis – er taxirte sie auf die Zinsen, die ihm die kleine Auslage vor Gott wieder einbringen würde – sein gefälliger Sinn bestimmte ihn noch zu bleiben oder wenigstens seinen Gaul nur langsam, und auch nur dem Kloster zu, sich in Bewegung setzen zu lassen ...
Er sah sich dabei nach rechts und links um und spähte, ob nicht