1858_Gutzkow_031_546.txt

, bei vermöglichen Leuten für Ammen sorgen zu müssen und die Lene war ein blitzäugiges schwarzes Ding, das nächstens dazu empfohlen werden konnte ...

Ja, sagte die Hebamme höhnisch, auf dem Finkenhof kommt nun bald keine mehr zu Schaden! Der Finkenhof wird ein Betsaal ...

Bruder, Bruder, fuhr inzwischen schon wieder dem Mönche zugewandt der Gensdarm fort ... Die Leiter so lange frei zu halten, das hätte keiner fertig gekriegt! ... Und schon am Morgen bei der Jagd die Not mit unserm Alten! ... Der ist denn also hin ... Guter Kerl ist er gewesen, das ist wahr, aber krank war er im Kopf schon lange; vor lauter Ambition! Wir sagten's nur keinem ... Als der Kronsyndikus begraben wurde, sagte er noch: Gebt Acht, nun weiss ich, was der arme Tropf mir vermacht hat ... Hier auf den Deetz zeigte er ... Was steht denn da draussen für ein Fuhrwerk? ...

So unterbrach schon wieder der Umsichtige sein Deuten auf den Kopf ...

Hubertus sprach ohne langes Besinnen, der Mann im Wagen draussen wolle ihm helfen den Kranken ins Spital bringen ...

Herr Seligmann? ... Das Fuhrwerk gehört Schöninghs ...

Mit diesen ruhig controlirend hingesprochenen Worten war der Scharfspähende in verhallender Rede zum Haus hinausgetreten und schon zum Hohlweg hinunter und auf Löb zu, der ihn mit herabgezogenem hut begrüsste ...

Inzwischen hatte das lachen und Zanken der Schmeling fortgedauert ...

Die Hauptrollen dabei spielten Staat, Kirche, Welt, Zeit, Sitte, Vorurteil, das Gleichniss vom Splitter und Balken, der Pfarrer zu sankt-Libori und ein junges Kätzchen, dessen Mutter man bei ihr suchte ...

Hubertus war zu beschäftigt mit seinem nächsten Vorhaben, um sich lange bei diesem Zwischenfall aufzuhalten ...

Wie geht's denn oben? fragte er, als die Magd ihm den gestern bestellten Speckkartoffelpfannkuchen brachte, dessen Fett- und Zwiebelgeruch das ganze Haus durchduftete ...

Suppe hat er und auch ein Stück Fleisch genommen! hiess es ...

Nun, dann wird er's ja aushalten können! Ich nehm' ihn jetztmit ins Spital oder ...

Hubertus murmelte während des Essens und sah sich, scheinbar ruhig, nach der vorerwähnten Lene um, die sich auch vor ihm versteckt hielt ...

Jetzt trat sie vor und stand mit kecken, funkelnden Augen vor dem Bruder und setzte dem Kopfschütteln desselben eine leichtfertige Geberde entgegen ...

So, so weit also, Lene! sagte Hubertus ... Das hätt' ich wissen sollen, als ich dir deine Briefe an den braven Wachtmeister schrieb, der dich heiraten wollte ...

Die Lene zog den Mund und liess Mutter Schmeling reden ...

Die Lene ist heilig! kicherte diese. Ja, heilig, sag' ich Ihnen! Wer bei einem Pfarrer gedient hat, der kann gar nicht sündigen ...

Hubertus liess sich auf so leichtfertige Anspielungen nicht ein ...

Inzwischen klatschte draussen Seligmann ungeduldig mit der Peitsche ... Es fing ihn an zu frieren, zu hungern unddie Zwiebeln und der Speck dufteten wohl auch anmutend zu ihm hinüber ...

Hubertus eilte nach oben und war im Begriff, in das Staatszimmer einzutreten ...

Als er die Tür öffnete, bot sich ihm ein erschrekkender Anblick ...

Der Kranke stand im Hemde, mit den beiden eingewickelten Händen in abwehrender Stellung ... Furcht und Schrecken auf seinen Mienen ... Unfehlbar hatte ihn in solche Aufregung das Suchen des Gensdarmen gebracht, den er im haus gehört hatte ... Zwar hatte der Gensdarm nur die Tür geöffnet und den gräflichen Diener in seiner gestreiften Jacke scheinbar schlafend gefunden und sich mit leichtem Murmeln ohne weiteres entfernt ... Aber Bickert war hinter ihm her aufgesprungen und stand jetzt da, wie auf Tod und Leben gerüstet ...

Jantje, Jantje! rief Hubertus, indem er sich schon zu einem Handgemeng rüstete ... Ihr erkältet Euch ja! ...

Wer ist Jantje? stöhnte Bickert, aber mit gesammelter äusserster Kraft ...

Ei sieh, sieh, du kannst reden! ... Ich dachte gesternBei so grossem Schreck hat mancher einen Krampf im Kinnbacken wegzeitlebens ...

Schreck? ... Worüber? ... Wer seid Ihr? ... Bringt mich aufs Schloss! ... Zu meiner herrschaft, sag' ich ...

Hubertus wusste nicht, ob ihn der stumpfsinnige Mensch nicht mehr erkannte und keine Erinnerung hatte an den gestrigen Tag, keine Erinnerung an seine früheste Knabenzeit, die ihm gestern doch nicht ganz verklungen zu sein schien, oder ob er seinen Absichten mistraute und sich so nur verstellte ...

Es ist ja ein Kohlentopf gewesen! sagte er mit Schärfe und drängte damit den vor Kälte Zitternden ins Bett zurück. Jetzt aber ruhig da! Euere Stalljacke hält nicht warm ... ich habe unten eine tüchtige Rossdecke ... Ja, ein Kohlentopf war's, von dem das Feuer auskam! ... Nun, haltet doch nur! ... Ich ziehe Euch jetzt an! ... So war's nicht immer dazumal, wenn Hayum Picard an der Waldecke stand und pfiff und von der Windmühle pfiff's wieder und