1858_Gutzkow_031_545.txt

Mönch mit den knöchernen Fingern deutete ...

Die Kirchhöfe gaben gleich den natürlichsten Uebergang des Gesprächs auf die gemeinschaftlichen Erlebnisse am Düsternbrook, auf den Küfer, auf Pater Sebastus, von dem Löb erfuhr, dass er für seine beabsichtigte Flucht in der Strafzelle sitzen musste, auch auf den Tod des Landrats von Enckefuss ... Hubertus erzählte seine Beteiligung an den letzten Lebensstunden desselben und mehrte dadurch nicht wenig den Anschluss Seligmann's, der sein Selbander zwischen Jud und Christ nicht mit den Empfindungen genoss, die Andere aus Lessing's "Natan" schöpfen, doch jedenfalls mit manchem wohltuenden Accord aus "Templer und Jüdin" ...

Bald war es Mittagszeit ... Löb sprach von einem wirtshaus, wo man in einer Stunde würde füttern müssen ... Vor drei, vier Uhr erreichte man beim langsamen Fahren und Einschlagenmüssen von Vicinalstrassen das Kloster nicht ...

Hubertus stimmte zu und Löb begann schon von Borkenhagen. Da aber zeigte Hubertus auf das Haus der Mutter Schmeling, vor welchem sie halten wollten ...

Sie fuhren einen Seitenweg von der Landstrasse ab ...

Plötzlich stutzte Hubertus. Er entdeckte einen Gensdarmen, der eben ins Haus der Hebamme trat ...

Unwillkürlich fuhr sein linker Arm auf die Kapuze, die sein kahles Haupt bedeckte, und drückte sie tief ins Gesicht ... Er fürchtete sein Erschrecken zu verraten ...

Der Wagen hielt und Hubertus wusste eine Weile nicht, sollte er aussteigen, sollte er bleiben ... Ein Halbdach bedeckte beide, ihn und Seligmann ... Er drückte sich sogar an die Hinterwand zurück ...

kommt der Mann von selbst herunter? ... fragte Seligmann, den Grund des Zögerns nicht begreifend, und stemmte seine Peitsche erwartungsvoll auf die Schösse seines blauen Mantels ...

Hubertus schwieg, ermannte sich und stieg aus ...

Mit Empfindungen, gemischt aus Teilnahme und Urteil über Religionsunterschiede und Neugier über den Gensdarmen und die ihm unbekannte Hantierung der Frau Schmeling sah Löb dem Mönche nach, der mit nackten Füssen, dürftig durch die Sandalen geschützt, in die Nebelnässe hinaustrat und zu dem sich verengenden Hohlweg erst nieder, dann aufwärts schritt ...

An der Hauspforte blieb Hubertus eine Weile stehen und horchte ...

Mutter Schmeling hatte in ihm unbekannten Angelegenheiten Gensdarmen bei sich erwartet ... Das wusste er ... Aber seiner Besorgniss schien es nun doch entschieden, dass der an den Landrat gegangene Brief in officieller Weise wiederholt worden war ...

War der Verbrecher erkannt, wie konnte er ihn da noch der gerechten Strafe entziehen! ... Schon ergab er sich und dachte: arme Lucinde! ... So handelte und fühlte er schon im Bann ihrer bestrickenden Ueberredung ... So in Erregung schon durch ein abenteuerliches Leben als Eremit und die Flucht nach Rom ...

Hubertus hörte die stimme der Schmeling und das Säbelrasseln des Gensdarmen, der eben die Treppe hinaufstieg ...

Je mehr sich dieser von der Schmeling zu entfernen schien, desto lauter erscholl deren stimme. Jetzt unterschied er deutlich, was sie hinter ihm herrief:

Suchen Sie nur oben! Suchen Sie! Sehen Sie nur, ob bei mir Katzen entbunden werden! Aber dass Sie sich dabei nur vorm höllischen Feuer in Acht nehmen! Teufels Grossmutter muss böse Katzen haben! Mies, mies, mies! ... Komm Mies und nimm dein Wochensüppchen von dem Herrn Gensdarmen! ... Herr Müllenhoff schickt dir's! Komm! – komm! ... Unser Kindchen hat zwar die Nottaufe gekriegt, aber sie ziehen's mit Milch und wasser auf! Grossmutters Mieschen! ...

Hubertus, der kaum etwas von einer Katze gehört hatte, als er annehmen konnte, dass doch wohl hier eine andere Fährte, als die des Brandstifters gesucht wurde, hatte die Beruhigung, den Gensdarmen, der, als er dann eintrat, schon wieder die Treppe herabstieg, lachend sprechen zu hören:

Schon gut, schon gutFrau Schmeling! Wir tun eben, was uns befohlen wird! Ich höre und sehe und, was die Hauptsache ist, ich rieche nichts von Katzen bei Ihnen! Nämlich Katzen, die hier gejungt hätten! Schon gut! Schon gut! Ei, da kriegt Ihr ja Mittagsgäste! Wir haben heute alle hände voll zu tun! ... Nun, er ist richtig hinüber, Väterchen! ...

Wer? fragte Hubertus, dessen Gedanken nur an Bickert hafteten ...

Der Landrat! ... Ja so! Den Menschen vom Schloss oben sucht Ihr? ... Wetter, das war gestern Abend Euer Meisterstück! ... Ich glaube's wohl, dass Ihr ihn nicht weiter habt bringen können als bis hieher! ...

Frau Schmeling hielt schon inzwischen dem Landrat nicht die erbaulichste Nachrede ... Und der Gensdarm schilderte Hubertus' gestrige Rettung des gräflichen Dieners ... So ging denn diesem alles gemütlich und beruhigend ...

Inzwischen fiel der immer doch noch nach Katzen spähende blick des Gensdarmen auf ein junges Mädchen, das in der Küche stand ....

Ei Lene! sagte er erstaunt und fuhr mit zweideutigem Tone fort: Sie hier? Na! das dachte' ich wohl, dass es mit Ihr so weit kommen würde! Geb' Sie nur keinen Unrechten an! ...

Frauen, wie Mutter Schmeling, sind immer in der Lage