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Warum antworten Sie nicht? unterbrach sie ihn. Sie wissen doch wohl, was weltliche Gerechtigkeit ist! Sie, der Sie Ihre Liebe geopfert bekamen, ohne den lachenden Triumph der Mörder gestraft zu sehen! Erst die göttliche Gerechtigkeit strafte die Buschbeck ... Waren Sie nicht der gottberufene Richter des Paters Fulgentius? ... Den Kronsyndikus strafte Gott dadurch, dass er den gefürchtetsten Tyrannen zum Kinderspott machte ... Hat Klingsohr eine Schuld auf sich, so sehen Sie ja sein tägliches Elend ... aus dem ich übrigens Sie und ihn befreien will ...
Hubertus betete ... Diese Seele riss zu ungestümen Taten hin ...
Sie können Frost und Hitze ertragen ... Sie werden dem Pater Sebastus zur Seite stehen müssen, wenn er nach Rom – ohne – Schuhe gehen will ...
kennen Sie – auf dem schloss – Wenzel von Terschka? ... fragte der Mönch, dieses Mädchens entschlossene Rücksichtslosigkeit zu allem für fähig haltend und zunächst in der Tat nur um ihrem Drängen auszuweichen ...
unwillig über die unerwartete Querfrage, schwieg sie ...
kennen Sie die Herkunft dieses Mannes, den ich nannte? wiederholte Hubertus ...
Was soll das? ... Das ist ein Cavalier aus Wien ... ein Böhme ...
War der Mann nie in Rom?
Lucinde schwieg und wiegte ungeduldig den Kopf ...
Sie kommen nicht selbst auf Westerhof? ...
Doch! ... Ich denke ... warum? antwortete sie endlich ...
Hubertus überlegte, ob er nicht Lucinden zur Vertrauten des Interesses machen sollte, das er, wie an Bickert, so auch an Wenzel von Terschka nahm ...
Frau von Sicking's Andacht musste eben gestört worden sein ... Sie erhob sich und blickte auf die noch immer Betende, deren Geflüster ihr nachgerade auffallen konnte ...
Als sie näher kam, hatte wieder Hubertus kein anderes Mittel, sie zu entfernen, als seinen blick ... Frau von Sicking ging an einen andern Altar ...
Ich beschwöre Sie, betete Lucinde, verlieren Sie keinen Augenblick! Jeder Moment des Zögerns ist verderblich –
Wollen Sie mir nur eines versprechen? – musste Hubertus, und jetzt fast, der äussern Umgebungen wegen, notgedrungen, sagen ... Sie haben mächtige Verbündete, grosse Beschützer ... Wollen Sie für uns sorgen, wenn wir in den Orden der Alcantariner treten und unbeschuht nach Rom entfliehen?
Lucindens eigene Wege deuteten schon lange nach Rom ... Sie kämpfte einen Augenblick, sagte dann aber doch – so mächtig fühlte sie sich in ihrer Anlehnung an Nück: –
Ich verspreche es Ihnen!
Nun erklärte sich Hubertus bereit, dass er sofort einen Wagen suchen wolle, mit dem er Jean Picard nordwärts den Bergen zu fahren könne ... Aufklärungen über die Absicht des Verbrechers würde er nicht früher begehren, als bis er in Sicherheit wäre ... Durch den Preis, den er in Aussicht stellen würde, nach und nach die Erbschaft zu gewinnen, hoffe er, sprach er, ein Mittel in der Hand zu haben, ihn in Amerika festzuhalten und zu einem tugendhaftern Leben zu führen ... Das Geld befinde sich noch auf dem Gericht in Witoborn und könne ihm vielleicht am besten durch einen Advocaten zukommen ... Hubertus nannte den auch hierorts allbekannten Nück ...
Nein, nein! lehnte diesen Namen Lucinde ab ...
Hubertus hatte kein Arg und erklärte, sich auch sonst wohl helfen zu können ...
Damit erhob er sich und liess die Beterin allein, die es auch ihm wie so vielen – "angetan" hatte ...
allmählich erhob Lucinde ihr Haupt von dem Pult, vor dem sie kniete, schlug erschöpft ihr Brevier zu und trocknete die in der Tat von Angsttropfen befeuchtete Stirn ...
Sie hatte die Nacht nicht eine Stunde geschlafen ...
Frau von Sicking riss sich aus ihrer Anbetung los und schloss sich Lucinden an, die wie aus einem Traum erwacht sie begrüsste ...
Beim Austreten aus dem Münster erzählte sie, dass sie bei Gewittern und Feuersbrünsten in einen Zustand gerate, der sie zwänge, sich in den dunkelsten Winkel zu flüchten ... Sie wäre in dem gestrigen Tumult aufgesprungen, hätte sich im ersten besten Zimmer eingeschlossen, auf alles Rufen und klopfen keine Antwort geben können, bis erst im schloss alles still geworden und der Feuerschein nachgelassen hätte ... Dann hätte sie ihren Versteck verlassen. Die Gräfin Münnich hätte sie gezwungen, die Nacht auf dem Schloss zu bleiben; doch schon in aller Frühe wäre sie wieder aufgebrochen ... Sie hätte das Gelübde getan, sämmtlichen Altären des Münsters nach der Reihe ihre Verehrung zu bezeugen ... Darum auch wäre sie zuerst in den Münster gegangen ...
An alledem war nichts Unwahres, aber Frau von Sicking hatte gestern doch schon manches über Lucindens Vergangenheit erfahren und war heute von einiger Zurückhaltung. Ihre Erzählung der Vorfallenheiten auf Schloss Westerhof, während beide im eigenen Wagen auf ihre Besitzung zurückfuhren, hatte die geheime Absicht, den frühern Beziehungen Lucindens zu Gräfin Paula näher zu kommen ...
Lucinde merkte dies allmählich, merkte auch die der Gräfin Paula nicht eben günstige Gesinnung der Frau von Sicking, die mit grosser Schärfe urteilen konnte ... Als sie Lucinden zur Chocolade festielt, immer wieder von Paula und den zweideutigen und höchst "