an den Landrat denken musste, trug der Mönch den Verbrecher ins Bett, das aus einem Ueberfluss von Federn aufgehäuft war – dergestalt, dass immer noch davon weggenommen werden konnte und doch genug übrig blieb, den jetzt von dem heftigsten Fieberfrost Ergriffenen zu erwärmen ...
Die wirkung, die der Mönch auf den Verbrecher ausübte, war die des Magnetiseurs ... Bickert war in physische Betäubung versunken ... Machtlos starrte er ins Leere ... Auch von jener Suppe konnten ihm nur einige Löffel eingegeben werden ... Sein zerschundener Kopf sank ins Kopfkissen zurück und bald schien es, als wenn er entschlief ...
Auch Hubertus übermannte dann die Anstrengung ... Er legte sich auf die Strohmatratze, zog ein Kissen unter den unbehaarten Kopf und in einer Viertelstunde war im Häuschen alles so ruhig, wie nur je zur Nacht die es antrafen, die Mutter Schmeling zu der geheimnissvollsten Feierstunde des Lebens abriefen ...
Der Morgen brach an ...
Es ist ein eigenes Düster, mit dem uns der Tag nach ereigniss- und verhängnissvollen Erlebnissen begrüsst ... Bleiern drückt dann die unabänderliche notwendigkeit; jeder Atemzug, der sonst sich frisch und sorglos von der Brust gerungen hätte, ist gehemmt von Furcht und Erwägung ...
Hubertus erwachte am frühesten und doch schlugen die Glocken von Witoborn schon sieben Uhr ... Die Tage brachen jetzt schon zeitiger an ... Hell genug war es, um sich schon im haus zurecht zu finden ... Bickert schlief noch – wie eine jener Ratten, über die er in den unterirdischen Gängen des Professhauses sorgloser gelacht hatte, als er es heute beim Erwachen würde tun können ... Hubertus rechnete bestimmt darauf, dass sich zwei Erkundigungen durchkreuzen müssten ... Eine nach dem Befinden des Dieners, für den man vom Schloss aus sorge tragen würde; eine, die von einer wiederholten Anzeige an die Behörden ausgehen und in dem gestrigen Helfer vielleicht schon den Urheber des Brandes suchen würde ...
Zunächst hatte er die sorge um das Befinden des Landrats und die Auskunft, die Lucinde bei der Messe im Münster erwartete ...
Der Verbrecher schlief einen Schlaf, aus dem ihn Hubertus nicht wecken mochte ... Die Brust hob sich in so regelmässigen Zügen, dass es ein Stärkungsschlaf schien, den der völlig vertierte und doch wieder furchtsame und feige Mensch deshalb bedurfte, um die Kraft zu gewinnen für Hubertus' weitere Pläne ... Immer noch kämpfte er mit sich, ob er einen Mordbrenner der gerechten Strafe entziehen durfte ... Schon während er die Flamme aus der Ferne auflodern sah und ihm der Gedanke kam: Das, das ist die Tat, zu der sich der Unglückliche hat dingen lassen! gab er die Absicht des Schutzes auf und beflügelte nur noch um Lucindens willen seine Eile – nicht fassen konnte er, wie ein ihm durch Klingsohr so anziehend gewordenes Mädchen sich an so verbrecherischen Vorgängen beteiligt wissen konnte ... Dann sah er doch wieder den, den er suchte, als den Tätigsten bei der Rettung ... Durch diesen unerwarteten Anblick gewann er neue Gunst für den Verlorenen ... Selbst wenn er sich sagen musste: Der Verzagende warf sich nur deshalb unter die Rettenden, um nicht den Schein der Anstiftung zu haben, die Umstände zwangen ihn, seine Rolle zu wechseln – erfüllte ihn das Rätselhafte des ganzen Verbrechens mit dem Verlangen, erst aus Bikkert's mund selbst darüber aufgeklärt zu werden ... Dem Arm des Gesetzes ihn zu entziehen, konnte, nicht unter seinen Entschlüssen derjenige sein, der die Oberhand behielt ... Vorläufig jedoch wollte er ihn um Lucindens willen in Sicherheit bringen, ihn noch heute gegen Abend weiter befördern und ihm nur für den einen Fall auf den Weg nach Bremen verhelfen, dass er einen Menschen antraf, dem sich solche hülfe noch mit gutem Gewissen gewähren liess, und dass ihm keine durch die Brandstiftung verdeckte sonstige schwere Untat zur Last fiel ... Um Aufklärungen über Bickert's Beginnen konnte er jetzt nicht drängen ...
allmählich liessen sich auch die Frauen hören und sorgten für einen erquickenden Morgentrunk ...
Sollte vom schloss geschickt werden, sagte Hubertus, sich zum Gehen anschickend, so erzählt nur, dass ich ihn ins Spital tragen wollte, aber mit meinen Kräften nur bis hieher reichte! Was man an Erquikkungen bringt, nehmt getrost an! Kann man ihn aber selbst schonen und von Niemanden sprechen lassen, desto besser! Ich liesse an Euerer Statt Niemanden zu ihm ...
Die Frauen versprachen zu tun, was in ihren Kräften stand ... Nur sagte die Schmeling:
Wenn aber die Gensdarmen kommen –
Die Gensdarmen? ...
Ich vermute ...
Die Gensdarmen? Warum die?
Mutter Schmeling fuhr mit dem gekrümmten Zeigefinger wieder hinter ihrem Ohre hin und her und machte nachdenkliche Mienen, obgleich sie sich dabei entschlossen auf ihre paar noch übrigen Zähne biss ...
Was habt Ihr denn nur? – fragte der Mönch ...
Mutter Schmeling stand nicht Rede, sondern lästerte über die Ordnungen der Welt. Sie stellte hundert fragen in Aussicht, die ja bekanntlich ein Narr tun und auf Erden nicht der Weiseste beantworten könnte ...
Hubertus sah, dass diese Erwartung eines Besuchs durch die Gensdarmen nicht in Verbindung mit dem neuen Hauseinwohner und der Ursache des Brandes stand, forschte dann auch nicht länger und begnügte sich eingesehen zu haben, dass auf alle Fälle