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mit den Armen festgebunden zu werden ...

Doch ein feierliches ruhiges Schweigen lag sogleich wieder auf Hubertus' Lippen ...

Bickert liess sich jetzt behandeln wie ein Kind ...

Wie eine Geistesverwirrung musste es über ihn kommen, als der Mönch fortfuhr:

Waschen Sie ihm doch auch das Gesicht, Frau! Ei, ei, ei! Allerdings! Ihr sauberes, sauberes Bett! Für wen ist's denn diesmal bestimmt? ... Das ist ja gerade wie dazumal bei unserer armen Hedwig! Wissen Sie noch? Ziehen Sie nur gleich die Ueberzüge herunter! ... Aber ich will ihn doch erst ein bischen sauberer machen ... Seinen Rock hab' ich nicht mitgebracht, aber all sein Geld ... ja all sein Geld ... Nur heisses wasser jetzt und das Oel ... Ich mach's so gut, wie im Spital ... Bis dahin war's mir denn doch für die Last zu weit ...

Es war ein geräumiges Schlafzimmer, einfach, aber sauber gehalten, wo Hubertus den aus seinen Schmerzen nicht mehr Aufstöhnenden, nur vor Furcht und Schrecken in einem starren Schweigen Beharrenden auf eine Strohmatratze legte, die er aus dem Bett genommen und auf die Erde gebreitet hatte ...

Dann nahm er das inzwischen heraufgebrachte Oel, verlangte Leinzeug, an dem im haus kein Mangel war, und bestrich damit die verbrannten hände, die er dann in die leinenen Streifen einschlug, den Einschlag mit Bändern befestigend ...

Bickert sah bei alledem bald ihn, bald die Frauen starr an und wagte keine Frage, erwartungsvoll, was in dieser Lage ihm noch werden sollte ... Hubertus plauderte immer fort, schilderte das Feuer, lobte die Aufopferung des Geretteten, sprach harmlose Vermutungen über den Grund des Brandes aus und endete, wie nur so ganz gelegentlich, mit den Worten:

Im Feuerja da bin ich auch gross geworden, wenigstens in vierzig Grad Hitzeund schon früh hab' ich meine Haut zum Braten hergeben müssen! Einmalei schon als Jungenein, ich konnte doch schon von den neuen Tabackstengeln rauchen, die die Spanier dazumal unter Napoleon mitbrachtenals ich zwei Stock hoch aus einem Brand hinuntersprang, zwei Schlingel im Arm, Jantje der eine und der andereWenzel hiess er ...

So elektrisch getroffen fährt im Käfig ein Panter auf, wenn er die Nähe seines Wärters spürt, streckt den Kopf, reckt die Ohren und starrt erwartungsvoll ins Leere, wie jetzt Bickert ...

Der Mönch drückte wieder ihn mit nervigem arme, aber scheinbar ganz harmlos, nieder ...

Ruhig, ruhig! sagte er. Jetzt kommen wir ja an die Sonntagswäsche! Brav, Jungfer! brav! Nur her mit dem Schwamm! ... Schade wär's freilich um eure Betten! Und um eure Prinzessin! Eure weisse Unschuld! RichtigJantje! Von dem sprach ich ... Na, dem wäre schon damals besser gewesen, er hätte das Zeitliche gesegnet! Verstand hatte er ohnehin nur halbwegs! Manchmalda kam ein bischen guter Wille zum Vorschein! SonstHier her, Frau Schmeling! Gelt, Landsmann, der Schwamm tut gut? ... Ja, Mutterchen, könnten wir pfaffen doch überall so die Sünden und Brandmale wegtilgen – – besonders die an uns selbst! ...

Während Frau Schmeling die Bemühungen der pfaffen um solche Seelenwäsche nach ihren neuesten Erfahrungen als höchst problematisch schilderte und namentlich die neueste hierländische Seife als viel zu beizend verwarf, wusch Hubertus die entblössten arme, auf denen er schon längst beim Herübertragen des Bewusstlosen vom schloss die verhängnissvollen Zeichen erblickt hatte ...

Seid Ihr denn da so kitzlich? fragte er, als Bickert dem Aufknöpfen der Jacke und dem Aufstreifen der Aermel wehrte ... Lasst doch! ... Franz Bosbeck, wie ich sonst hiess, ist ja keine zimpferliche Dame! Mir gegenüberEi Jantje, JantjeSeid doch nicht so verschämt! Solche Muttermäler kenn' ich ja! So! Es macht sich ...

Die Frauen hörten diese Reden nicht alle; sie gingen ab und zu, trugen das schwarze Spülicht fort, trugen die Kleider hinaus, brachten ein frisches Hemd, frisches wasser. Ehe dann zuletzt eine Suppe kam, die Hubertus schon beim Hinaufsteigen bestellt hatte, reichte er noch einmal dem mit geöffneten Lippen ihn Anstarrenden die Korbflasche ...

Bickert trank zwar, sprach aber für sich Fluch auf Fluch, wilde Worte, die er sogarmit der Mutter Gottes bekräftigte ...

Welche denn? fragte rasch Hubertus. Doch wohl die Mutter Gottes von Neus?

Eine in seinen heimatlichen Niederungen weit und breit verehrte Madonna ...

Eine andere! sagte Bickert, drückte seine Augen zu und sank aus seinem Trotz in Erschöpfung zurück ...

Mütterchen, flüsterte jetzt Hubertus, nun hilft da nichts! Die Nacht halt' ich hier oben Wache! Die Matratze liegt schon da; ein Kissen und ich schlafe wie ein Marder! Mein Kloster soll's hernach schon hören und mich freisprechen, wenn ich auf Reisen war und Heiden bekehrte ... Und sie warten ja auch sonst nicht allzu lange mit dem Kartoffelsalat und mit ihrer Grütze auf mich ... Morgen, da macht Ihr mein Leibgericht ... Speckpfannkuchen mit Kartoffeln ...

Während dieser Plaudereien, bei denen er oft an Lucinde, oft