Geld und anerkennenden Worten. Der Graf hatte grosse Treffer von sich zu rühmen und war in bester Laune, denn der gefürchtete Terschka hatte weniger geleistet, als man erwartet; Terschka trug den Tannenschmuck an der grünen Mütze ohne jede Berechtigung zur Ueberhebung.
Nun auch traten der Dorste'sche Oberförster und seine Gehülfen, der Wildmeister und die Leibschützen mit den bisher zurückgehaltenen Glossen der echten Jägerpraktika hervor und erklärten jeden Schuss, wie er hätte sein müssen, berichtigten jedes Misverständniss, deuteten an, wie man jenen Rehbock, diesen Spiesser hätte sogleich da oder dort aufs Blatt nehmen sollen ... Alle aber waren darin einverstanden, dass die Freude und das dann zuletzt doch nicht ausgebliebene Glück erst eingezogen waren, als der Landrat entfernt worden ...
laut gesprochen wurde über diesen Zwischenfall nicht mehr viel; der Damen wegen flüsterte man nur; der Landrat musste ja für "tollgeworden" gelten. über etwa dabei Versäumtes beruhigte einer den andern, seit man von Hubertus' glücklich getroffenen Anordnungen und der Abholung des Landrats aus einem Bauernhause durch sein Fuhrwerk und seinen Bedienten wusste ...
Der Hinblick auf die Vorgänge im Hof hätte für die Frauen ein abschreckender sein sollen, denn das letzte erlegte wild wurde hier von den Jägern ausgeweidet. Lunge, Herz, Leber, das Feiste in den Wammen, alles fiel den jagdkundigen Helfern zu nach Jägerrecht. Sorglich wurde weder hievon abgewichen, noch von den Trinkgeldern, die man dem in die Hand steckte, der das Tannenreis an Hut oder Mütze flocht. Der Anblick, an sich schon wild, machte sich malerisch schön durch die angesteckten fackeln. Rings die altertümlichen Wände und Galerieen. Schon allein das Getreibe der Hunde, die für die lang zurückgehaltene Gier jetzt durch ihren Anteil belohnt wurden, war eine Aufgabe für die Vereinigung der Talente eines Snyders und Rubens.
Dann wurde der Rückblick auf die geschichte des Zusammensturzes dieser Tiere, die mit ihrem Blut den Boden bedeckten, mit einem Stimmeneifer begleitet, als handelte es sich um die grössten begebenheiten der Welt. Jeder stutzende Seitensprung eines Böckleins wurde noch jetzt belacht, nicht etwa weil die "nobeln Passionen" Empfindungslosigkeit mit sich bringen, sondern weil der Mensch an der Ausübung seiner Hoheitsrechte über die natur doch zuletzt eine berechtigte Freude haben darf. Die Spottreden waren nicht mehr so scharf gesalzen, wie im Beginn. Hatten doch auch die jedem einzelnen mitgegebenen Jäger, des Tannenzweigs, d.h. Trinkgelds wegen, dafür gesorgt, dass zuletzt jeder auch noch so lateinische Jäger gleichsam wie von Samiel's Hand eine sicher treffende Freikugel bekam, und sollte sie auch nur in der diabolisch vermessenen Sicherheit bestanden haben, mit welcher unter fünf auf zwanzig fallenden glücklichen Schüssen einer sicher auf den von ihnen secundirten Herrn gerechnet wurde. Dieser glaubte es dann selbst und je dunkler es wurde, desto weniger Widerspruch auch bei den andern. Onkel Levinus strahlte vor Genugtuung und Zufriedenheit. Auch die Amazonen, selbst fräulein von "Anflicker", alle hatten getroffen und zeigten im Hof ihre Opfer ... Nur Armgart erklärte mit aller Offenheit, sie hätte nichts erlegt ... Sie war die einzige, deren Zähne vor Frost klapperten ... Sie suchte fiebernd den Ofen und hockte da wie ein Wurzelmännlein ... Terschka und Tiebold machten sich ständig um sie zu schaffen ... Benno sah man nicht mehr. Zu Tiebold's Leidwesen hatte er sich zu Fuss auf den Weg gemacht und war mit lässig übergeworfener Flinte auf Witoborn zu hinausgeschritten in die stille Nacht ...
Der Graf war der höflichste Wirt ... Die Jäger, die jetzt bei der Bewirtung halfen, gingen mit Tellern, Flaschen, Servirbretern an ihm vorüber, als wenn er heute früh keinen einzigen von ihnen bei Seite genommen und wirklich gesagt hätte: Gegen Baron von Stein, gegen Graf Mengdenberg hab' ich nicht die mindeste Lust grossmütig zu sein! Wie sie mir, so ich ihnen! Lasst sie nur immer in Büsche treten, wo sie nicht mehr ein noch aus wissen! ... Aber auch nach d i e s e r Jagdpraktik folgte jetzt Behagen, Genuss, Erholung ... Die Gattinnen, Töchter und Schwestern der Nimrods würzten nicht nur das Mahl durch ihre Erzählungen über den allgemein mit Verehrung begrüssten Doctor Püttmeier, der sich hier wie ein aufgeschreckter Gnom des Waldgebirgs ausnahm, vorher sein Hemd gewechselt und das gute fräulein Huber sogar ohne Dank für ihr Spiel hatte abreisen lassen (sie blieb nicht beim Mahl, trotz der Bitte der Gräfin), sondern sie hinderten auch den Ausbruch allzu wilder Natürlichkeiten, die Wahl allzu sorgloser Wortbezeichnungen, das Erzählen allzu derber Anekdoten.
An Gesundheiten fehlte es nicht. Der Graf liess seine Gäste leben, die Gäste liessen Graf und Gräfin leben. Dann kam der Toast, der immer neu ist, wenn auch der gewöhnlichste von allen, auf die Damen ...
Unter diesen fand sich eine mutige Seele, die Freiin von Böckel-Dollspring-Sandvoss, die in ironischer Weise die Philosophinnen leben liess ...
Diese rächten sich und liessen durch Mengdenberg die Amazonen leben ...
Die Amazonen brachten wieder einen Toast auf Doctor Püttmeier aus; es war fräulein von "Anflikker", die ihn sprach. Man nahm diesen Toast mit jubel auf. Er übertönte das Wohl aller andern um so mehr, als inzwischen die Husarentrompeter heraufgekommen waren und ihre Instrumente lustig in den Saal herein erschallen liessen. Fanfaren folgten auf Fanfaren, ein Jagdstücklein aufs andere;