Erwerb, den er fortsetzte, obgleich er nun es nicht mehr nötig hatte; ein Verlassen oder Verbessern ihres Kamps konnte Hedemann zwar ebenso wenig bewirken, wie ihnen eine Bequemlichkeit durch eine Magd oder einen Knecht anbieten ... am Nötigsten aber fehlte es ihnen nicht mehr ...
Der Mönch wusste schon, dass er keinen Gruss bekam, dass ihn ein dumpfes Murmeln hinwies, sich das zu nehmen, was er begehrte ...
Selbst der ungewohnte Anblick, ein Mönch, der einen kranken vornehmen Herrn, den Landrat selbst, hereintrug und auf einen Futterkasten setzte – der Landrat fieberte und war besinnungslos – nichts konnte diese Leute aus ihrer welt- und menschenscheuen Fassung bringen ... Die Alte spann, der Greis schnitt seine Dauben ...
Hubertus fand jedoch hülfe ...
Wie er an den Herd gehen wollte, um den grossen Kessel abzuhenken, in dem sich immer in diesen Bauernhäusern das heisse wasser befindet (er hoffte Butter und etwas Brot zu finden, um dem Kranken eine Suppe zu bereiten), bemerkte er in der gespenstischen Stille eine dritte person in der Ecke des Kamins. Ein Mann sass da, über ein Buch gebeugt, in dem er las. Wie aus einem Traum erwachend fuhr der Leser auf und sah erst jetzt, was während seiner Zerstreuung geschehen war ...
Den Landrat erkannte Remigius Hedemann sogleich; denn dieser war es, der hier bei seinen älteren gesessen und inzwischen in seiner Lectüre sich nicht hatte stören lassen ... Er las in einer italienischen Bibel ...
Was ist das? fragte er, sich erhebend und voll Staunen den Rittmeister von Enckefuss betrachtend. Hat der Landrat ein Unglück gehabt?
Der Mönch erklärte in Kürze den Zustand des Leidenden und bat, sich seiner annehmen zu wollen ... Er wollte indessen, nach weiterer Besinnung, lieber zurück auf Münnichhof und den Diener des Landrats rufen mit einem Wagen, der den Unglücklichen nach Witoborn in seine wohnung führen könnte ...
Nun half Hubertus dem unerwarteten Beistand, den er gefunden, um den Besinnungslosen auf ein Strohlager zu tragen ...
Sein Auge fiel dabei auf das starke Buch in kleinem Format. Er hielt dessen Sprache für Latein und drückte sein Erstaunen aus über die Gelehrsamkeit, die Hedemann aus Amerika mitgebracht ...
Da ist es kein Wunder, sagte er, dass Ihr in Witoborn Papier machen wollt!
Lächelnd erwiderte Hedemann:
Tut Busse und ihr werdet die Gabe des Heiligen Geistes empfangen!
Im Anordnen des Ruhelagers erwachte der Landrat, besann sich jedoch weder auf die Lage, in der er sich befand, noch auf die Personen, die ihn umgaben. Seinen Bedienten verlangte er und seinen Pudel. Den letzteren sah er deutlich vor sich und lachte, wie kahl er den Kerl geschoren hätte ... Er hielt die Finger spielend in die Höhe, als liesse er die Flocken durchgleiten, die er dem Tier kürzlich weggeschnitten ... Es waren die bekannten Geberden eines Sterbenden ...
Hubertus versprach, hülfe so schnell wie möglich zu schicken ... Tut wohl euerm Feinde und so ihn hungert, speiset ihn! sagte auch er mit Bibelworten, das verhältnis des Landrats zu dieser Hütte andeutend ... Zu seinem eigenen Nachteil hatte ja der leichtsinnige Landrat diese Leute einst in ihrem patriarchalischen Glauben an die Heiligkeit des geweihten Priestertums irre gemacht ...
Hedemann nickte diesem Wort, warf einen blick auf die Kleidung des Mönchs und sagte, zunächst wohl nur mit einer Andeutung des Kirchenbanns, in dem seine älteren lebten:
Darin sind wir ja einig! ...
Der Landrat blieb bei seinen Feinden ... Hedemann pflegte den Sterbenden und gedachte jenes tages nicht mehr, wo ihn und Porzia Biancchi dessen Sohn beleidigt hatte im Wirtsgarten der Landstrasse von sankt-Wolfgang nach Kocher am Fall ...
Seine Mutter spann; sein Vater schnitzelte Dauben ...
Während Hubertus, beruhigt jetzt über das nächste Schicksal des Landrats, dessen Diener und Wagen auf Schloss Münnichhof zu suchen eilte und überlegte, wie er in Witoborn es versuchen wollte, sich bei Frau von Sicking einzuführen; während er überlegte, wie er Schloss Westerhof umspähen, Jean Picard entdecken, ihn vielleicht an einem Verbrechen hindern sollte – hatte sich auf Schloss Münnichhof immer zahlreicher jener Kreis der Damen gemehrt, die gleichfalls von Runen und von Zeichen, gleichfalls von Kreuzen und von Rädern sich ergreifen lassen wollten, freilich in einem andern Sinne, als der unbekümmert um Schnee und Regen dahinschreitende, tief den Todtenkopf in seine braune Kapuze hüllende gute alte Laienbruder ... Die Simultankirche, worin wir alle zu Einem Gott beten, war in einer Bauernhütte geweiht durch Nächstenliebe und vielleicht im Schloss des Grafen durch einen Denkergeist?
Doctor Laurenz Püttmeier erschien gegen drei Uhr auf Schloss Münnichhof so feierlich, wie wenn er die erste Vorlesung auf dem endlich ihm überlassenen Lehrstuhl Hegel's zu halten gedächte ...
Noch kunstvoller als neulich hatten die Musen und Grazien von Eschede die Schleife seines weissen Halstuchs gebunden ...
So gründlich rasirt war er, dass man der Meinung hätte sein können, die natur hätte ihn in das Geschlecht der Blaubärte versetzen wollen; denn offenbar war er mit dem frisch rasirten Kinn in die Kälte gegangen, wovon der Mensch bekanntlich blau wird ...
Auf der sauber gefältelten Hemdauslage strahlte eine echte Brillantnadel; die weisse Weste, obgleich etwas gelblich durch zu langes Kommodenliegen, war mit einer schweren Uhrkette garnirt ... Die elegantesten