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Terschka erbrach und las ...
Jetzt zog ihn der Onkel, um das ihm wichtiger Scheinende in den Zimmern drinnen nicht länger zu versäumen ...
Ich werde kommen! hauchte Terschka – gelblichbleich war er geworden wie der von der Wintersonne gefärbte Schnee auf den Feldern ...
Noch einmal wandte er sich zu dem an der Türschwelle harrenden und mit glühenden Augen ihn durchbohrenden Boten und sagte:
Ein Brief – für mich – schreibt Ihr Guardian wäre im Kloster angekommen – wissen Sie nicht – woher?
Mit einer Miene, die das seligste Gefühl ausdrükken sollte: Bist du denn, Mann mit dem mir so teuren Namen, mit der ahnungsvollen seltsamen Gestalt, bist du denn wohl gar verwandt mit dem kind – oder selbst –? sprach dieser ein Wort, das dann für Terschka's Ohr erklang wie die Posaune des Weltgerichts:
Aus dem Kloster der Piaristen zu Maria Treu in Wien!
Terschka – verschwand jetzt ... Nicht zusammenbrechend, nicht niedergeschmettert von einem Wort, das ihm lauten durfte: Deine Stunde ist abgelaufen! sondern wie mit einem Mut auf Leben und Tod ... Er dachte an Armgart.
Der Mönch stand noch immer und sagte nur zu den Dienern staunend:
Wenzel von Terschka –!
Von den Vielbeschäftigten konnte dem Greise niemand Gehör geben.
Die Schlusskapitel dieses fünften buches erfolgen im
Anfang des s e c h s t e n Bandes.
Sechster Band
Fünftes Buch
Fortsetzung und Schluss
13.
Noch in derselben Nacht schlug das Wetter um. Zum Schnee gesellte sich Regen. So begann die Jagd schon ganz mit Bestätigung der trüben Ahnungen, die Tante Benigna um die Nachtruhe gebracht hatten; Paula sah am Tag zuvor eine Feuersbrunst und zusammenstürzende Gebäude, die sie nicht zu nennen vermochte ...
Terschka war heute schon in aller Frühe aufgebrochen und hatte zum Schloss Münnichhof, wo sich die Mehrzahl der Mitglieder des grossen Jagdfestes versammeln wollte, einen Umweg über Kloster Himmelpfort gemacht ...
Noch am Abend hatte er Armgart nach dem Stift Heiligenkreuz zurückbegleitet, war spät wiedergekommen, dann beim Tee nicht erschienen ...
Bonaventura hatte sich unmittelbar nach der Vision entfernt ... Mit leicht erklärlicher Aufregung hatte er Paula gefragt, welches Gebäude sie brennen sähe, und von ihr keine Antwort erhalten ... Ja er magnetisirte sie, um ihr Auge zu schärfen ... Sie verfiel dadurch in einen desto sanftern Schlummer, aus dem sie Niemand mehr wecken mochte ...
Onkel Levinus gehörte einer Familie an, die in den frühern geistlichen zeiten die Landoberjägermeister der Fürstbischöfe von Witoborn gewesen waren. In jagdgemässen Traditionen war er aufgewachsen. Aber von dem Ideal eines Nimrod stand er so weit entfernt, dass Tante Benigna vollkommen Recht hatte zu befürchten, man könnte statt der erlegten Hirsche und Rehe auch allenfalls ihn selbst, den weiland Candidaten des Erblandoberjägermeisteramts, auf dem Beutewagen nach haus fahren. Wie sie ihm die Pelzkappe darreichte, den Fusssack seinem Leibschützen Soetbeer auf die Seele band, ja sogar diesem zuflüsterte, wenn der Baron einen feuchten oder zu langen Stand im wald bekäme, den Fusssack bei der Hand zu behalten; wie sie das Lederfutter untersuchte, in welchem die prachtvoll damascirte Doppelflinte geborgen lag, da hätte nur die – frühere Armgart gefehlt, um diesen Abschied aus dem Tragischen ins Komische zu übersetzen.
Onkel Levinus bewegte sich in seinem Jagdcostüme, zu welchem sich noch die Wildschur gesellte, wie ein "Pelzmärtel" zur Weihnachtszeit. Aus Bär und Zobel konnte man ihn kaum herausfinden. Das Gesicht war erkennbar nur an zwei Brillengläsern, ohne die er heute behauptete keinen Rehbock zu treffen. Bei seinen Fabrikationen von Berliner Blau, Stärkemehl, Pottasche und künstlichen Düngererden hatte er nie die Brille nötig; nur auf die Jagd nahm er sie mit, um den Spott, der ihn als Abkommen so vieler fürstbischöflicher Erblandoberjägermeister unfehlbar heute treffen würde, durch ein "kurzes Gesicht" zu mildern. Und dann war Graf Münnich als ein "schussneidischer" Cavalier in der ganzen Gegend bekannt. Der ist eifersüchtig auf jeden Schuss, der nicht aus seiner Büchse kommt! sagte der Onkel mit einem Ton, als fielen heute mindestens durch seine Kugel ein Dutzend Rehe ...
Eine Jagd in einem wald, der im Frühjahr nicht mehr sein wird! seufzte Paula beim Abschied ...
Ja, alles wird weggeschossen, was Haar oder Federn hat! renommirte der Onkel ...
Bitte, bitte, Baron! fiel die Tante ärgerlich über einen so gefährlichen und herausfordernden und noch dazu, sie wusst' es ja, nur affectirten Ton ein; bitte, sehen Sie nur zu, dass man Ihre Pelzmütze schont!
Die Tante liess es noch zweifelhaft, ob auch sie zu den Transparentbildern Püttmeier's, die Nachmittags den Damen der vornehmen Jäger gezeigt werden sollten, kommen würde ... Sie wusste, es gab nachher ein stattliches Jagdbanket, und die Trauer Paula's gestattete weder ihr, noch Paula, sich in diesem Grade in die Zerstreuungen des Weltlebens zu mischen ... Von Armgart, sagte sie, liesse sich erwarten, dass sie mit den Stiftsdamen auf Schloss Münnichhof zu Püttmeier's Triumphen kommen würde; diese hätten drei Equipagen aus Witoborn bestellt ... Zwei Stiftsdamen, fräulein von Merwig und fräulein von Absam, gehörten sogar zu den Jägerinnen und waren berühmt durch ihren Mut und ihre Fehlschüsse ...
Mit der Versicherung des Onkels, dass man sich verlassen könnte, er würde sich weder zu lange an dem Banket