mir, dass Sie aus unserm Leben auszuscheiden wünschen und unsere Bewerbungen ferner nicht mögen ... Nun denn! Ich nehme den Aschenbecher, wie er, der Fröhlichere – die tasche für schnell verkohlende – Cigarren! ... Wer Ihr Herz besitzt, ich sagte es vorhin ... Herr von Terschka wird eine grosse gesellschaftliche Stellung einnehmen, wird Sie in das schöne Wien entführen, dort werden Ihnen Glück und Reichtum lächeln! ... Fliegen Sie mit ihm zu Ross dahin in flatterndem Gewande! ... Aber nehmen Sie ein Wort von mir zum Abschied! ... Ich bin Ihnen nichts mehr und nun – nun bin ich mir noch weniger, als schon seit lange ... Ihre Tante hat recht, mich wie einen Zigeunerknaben zu behandeln, den man nur aus Barmherzigkeit aufnimmt ... Ich bin ein verflogener Vogel und passe für euere Käfige nicht ... Doch ich werde Sie wiedersehen; das weiss ich ... Wissen Sie, Armgart, dass ich auch Das sicher und fest weiss – dass ich Sie trotz Ihrer von unserm Glauben gebotenen Himmelskronen – ich weiss nicht warum! – unglücklich finden werde? ... Und Sie bejahen das –? ... Aber auch Ihr rätselhaftes Martyrertum wird Sie nicht befriedigen! Es gibt Naturen, die nicht aus Erdenstoff geschaffen scheinen und die dennoch mehr den Gesetzen der Erdenschwere unterliegen, als die gemeinen! Ihre Mutter schon rettete sich nur durch eine Flucht ganz aus der Welt heraus vor Gefahren, in die nun auch Sie sich begeben wollen; Ihre Mutter wird von Tausenden verurteilt, ohne dass sie es verdient; sie wird verurteilt und – sie leidet darunter ... Auch Sie, Sie, Armgart – werden den Beifall der Menschen vergebens suchen, wenn Sie ihn nicht mehr finden können ... Ich erschrecke vor Ihrer Zukunft!
Armgart erwiderte leise und sprach lange. Terschka konnte nichts verstehen, als dass sie nur vom Beifall Gottes und von ewiger Trennung sprach ...
Endlich wurde alles still ...
Die Tür ging ... Noch hörte Terschka nur ein plötzliches, heftiges, aus tiefster Seele kommendes Schluchzen ...
Armgart musste allein sein ... Ihr Weinen wurde zuletzt so heftig, dass es sein Innerstes durchschnitt ...
Anfangs wollte er hinüberstürzen, sich ihr zu Füssen werfen, die Liebe, die wirklich nur ihm, ihm geweiht sein konnte, ablehnen, wollte die Wahrheit bekennen, dass er Priester wäre, ein gerade in ihren Augen todwürdiges Verbrechen begehen würde, schon an ihren Besitz auch nur zu denken – – Dann aber erschreckten ihn – erst die Tränen Armgart's ... er konnte ihr Weinen nicht mehr hören ... Er verlor die Besinnung ... Leise schlich er auf den Zehen durch die Zimmer zurück, kam zum grossen Speisesaal, öffnete die Tür, die in den Corridor führte ... Alles war still ... Niemand wohl hatte ihn beobachtet ... Durch ein Fenster in den Hof blickend, entdeckte er Tiebold und Benno, wie beide schweigend, vernichtet, erstarrt zur Erde blickend zum Portal des Schlosses hinausgingen, wahrscheinlich um gemeinschaftlich nach Witoborn – und in ein neues Leben zurückzukehren ...
Die Mittagsglocke läutete, die alles in dem kleinern Speisezimmer vereinigte ...
Tischgenossen, die der Zufall brachte, gab es in dem gastfreien haus genug ...
Nun schon trat Armgart hinter Terschka hervor ... Tief verweint waren zwar noch die Augen ... Doch rang sie schon nach Unbefangenheit ...
Herr von Terschka, sagte sie mit leiser stimme, ich will Nachmittag nach Heiligenkreuz ...
Der Wagen ist schon für die Damen bestellt! sagte er ... Wie musste er sich beherrschen, nicht ihre Hand zu ergreifen ... Nicht in die Augen konnte er ihr sehen ...
Es sind mir ihrer zu viel ...
So bestell' ich zwei Wagen ...
Ich will zu Fuss gehen ...
Es wird Abend werden, ehe Sie fortkönnen ...
So können – so können Sie mich ja – begleiten ...
Damit stand Terschka allein ...
Auf dies Wort "begleiten" kämpften Himmel und Hölle ...
Terschka begriff vollkommen, was in Armgart vorging ... Sie hatte ein Gelübde getan, um den versöhnten älteren anzugehören. Sie glaubte: Er wäre ein Hinderniss dieser Versöhnung –! Die Mutter wäre im Begriff, i h n zu lieben –! Deshalb – Deshalb –! Wie Glühstrom fiel es auf ihn: D e s h a l b reisst sie mich mit Gewalt von einer eingebildeten Liebe ihrer Mutter los und will mich selbst gewinnen – – – Die Möglichkeit, dass ein solcher Gedanke in ihr entstehen, dies Ertödten ihrer Neigung zu Benno möglich sein konnte, übersah er ... Armgart war katolisch! ...
Sollte er nun dies Wahngebild sich immer weiter ausbilden, immer verheerender im Herzen der lieblichen Jungfrau um sich greifen lassen? Um sich greifen lassen auf Grund einer Voraussetzung, die – das sah er ja beschämt – in Betreff Monika's eine völlig unbegründete war und auf Verwickelungen hinausführte, die nie zu lösen schienen –?
Im Abenddunkel sah seine Aufregung ihn mit Armgart allein dahinschreiten durch die Winterlandschaft ...
Im Geist sah er Armgart neben sich, im Pelz die hände bergend, deren eine er vielleicht, von seinem Glück überwältigt