Wesen liegt, sogar in einer an sich geistvollen und denkwürdigen Eigentümlichkeit desselben ... Die Jesuiten können für sich ein grosses Verdienst in Anspruch nehmen. Sie können sagen: Ihr alle habt bisher nur den Christen im Auge gehabt; wir sind die ersten Priester gewesen, die auch dem Menschen ihre Aufmerksamkeit schenkten! Die Seele ist es, die ein Lieblingsstudium dieses Ordens wurde. Die Jesuiten, zu allen zeiten von einem brennenden Ehrgeiz getrieben, wagten es, mit der Philosophie einen Wettkampf einzugehen. Sie wollten dem Christentum die grössten Glorien erwerben, selbst die, einen Cartesius überflüssig zu machen – Da mussten sie denn wohl in die Arena des Denkens steigen! ... Und nun dachten sie den Menschen. Sie dachten ihn in der ganzen Schwäche, die uns Priestern durch den Beichtstuhl geläufig wird. Sie dachten ihn mit jener unsaglichen Geduld und Liebe, die wir für die Ausübung unsers Amtes gerade nach dieser Seite hin stündlich empfinden müssen. Sie dachten ihn in jenen steten Momenten der Reue, der Halbheit, der inneren Wehmut, die Grosses will und doch in der Ausführung wieder der natur unterliegt, und so entstand ihr berüchtigtes System der Erwägung, der Rücksicht, der Entschuldigung, der halben und der Viertel-Sünde, jener sogenannte Molinismus, der sich zuletzt noch unter dem Einfluss der von Paris und Versailles ausgehenden galanten Courtoisie und sentimentalen Veredelung früherer Roheit und Brutalität der Hofsitten in eine Moral der ewig lächelnden und achselzuckenden Duldung verwandelte und in die Absicht, in die Intention, in den Rückhaltsgedanken die moralische Verantwortlichkeit setzte, gänzlich die höhere und wahre Sittlichkeit preisgebend!" ... Für Wenzel von Terschka gab es kein anderes Denken, als das in den Formen dieses Molinismus ... Dass die Absicht des Ordens, den Grafen Hugo von Salem-Camphausen katolisch zu machen, eine höchst löbliche war, bezweifelte er nicht. Er harrte der Anleitung, wie er gerade als päpstlicher Rittmeister en retraite ein solches Ziel fördern sollte ...
Der General sprach:
Sie erhalten eine Liste von Affiliirten in Wien! Geldmittel – nicht im Ueberfluss; denn es wird sogar nötig sein, dass Sie Schulden machen! Sie sollen eben suchen, sich dem jungen Grafen auf die natürlichste Art zu nähern! Sein Sinn ist offen und leicht. Das gemeinschaftliche Band könnte – Ihr altes Metier sein! Die gleiche Vorliebe für P f e r d e dürfte die gelegenheit zur ersten Anknüpfung geben. Stellen Sie sich ihm nach kurzer Zeit als in Ihren Mitteln gebunden vor. Tun Sie das so, dass Sie dabei nicht allzu entblösst erscheinen, so wird er Vertrauen fassen! Sind Sie dankbar, so haben Sie sein Gemüt gewonnen. Ihre Vergangenheit war abenteuerlich genug. Sind Sie auch darüber zum Grafen Hugo leidlich aufrichtig, so bindet die Offenheit. Von Ihrem Priesterstand darf natürlich nicht die Rede sein ... sogar sehr, sehr selten von der Religion!
Terschka fand alles das in der Ordnung. Er fand, dass man auf diese Weise einen hochgestellten jungen Mann, von dem man eine Rückkehr zur Kirche wünschte, am besten beobachten liess. Und als er nur noch zweifelnd aufhorchte, als er hörte, wie doch die Religion als Gesprächsstoff zwischen ihm und Grafen Hugo ausgeschlossen sein könnte – sagte der General:
Man kann die Rückkehr zu unserm Glauben mit Gewalt fördern, man kann sie aber auch von selbst entstehen lassen aus einem still sich meldenden Bedürfniss unsers Gemütes. Aus welchen Stimmungen wählt man nicht das Gewand des Mönches! Sie, Bruder Stanislaus, traten in den Orden zunächst aus Ehrgeiz. Bei Gelehrten ist es oft der Ueberdruss an der Unfruchtbarkeit ihrer Forschungen. Fürsten und Standespersonen wechselten den Glauben infolge der Reue über ihr vergangenes leichtsinniges Leben. Graf Hugo liebt das Vergnügen. Vielleicht kommen Stunden der Erschöpfung, die dem Heil seiner Seele günstig sind. Diese benutzen Sie zu leichten und ganz wie zufälligen Erweckungen. Wir lassen Ihnen zu dieser Beobachtung Zeit. Leben Sie so harmlos mit ihm wie Sie wollen! Gehen Sie auf alle seine Verhältnisse ein! geben Sie uns nur dann und wann Bericht; das Uebrige findet sich ...
Mit diesen dunkeln, nur der Ahnung von einem zuckenden Streiflicht erhellten Andeutungen verliess der Pater die Zelle des Generals, in drei Tagen das Collegium, in acht Tagen Rom. Seine Vorbereitung zur Rolle eines päpstlichen Rittmeisters machte er in dem Gastofe der Croce di Malta.
Vorher hätte er sich gern noch dem Cardinal Ceccone empfohlen ...
Er wagte deshalb beim General eine Anfrage, erhielt die erlaubnis, bat im Vatican um eine Audienz und erhielt sie bewilligt bei der Herzogin von Amarillas, bei der der Cardinal jeden Abend nach englischer Sitte den Tee trank ...
Die stolze Römerin, die einst in Rollen wie Semiramis geglänzt hatte, vor Jahren in Paris einen spanischen Herzog heiratete, der bald starb, und die dann in ihrer Vaterstadt anfangs mit gemessenen, späterhin reichen Mitteln ein Haus machte, empfing ihn allein und mit dem Stolz einer Frau, die allenfalls auch eine der Kaiserinnen hätte sein können, die sie ehemals spielte ... Es war der Kopf jener Herme aus den Gärten des Quirinals ...
Sie war in Deutschland bekannt und unterrichtete Terschka in der Art, wie man die Deutschen behandeln müsse ... fest und bestimmt! sagte sie. Denn dies Volk ist voll List und Verschlagenheit! Dies Volk ist um so gefährlicher, als es sich die Miene der Ergebenheit und Treuherzigkeit gibt! Nie hab' ich eine falschere