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die Andeutung jenes Widerstandes der Kaiserin Maria Teresia gegen die Bulle: Dominus ac redemptor kam er bald hinweg ... Maria Teresia gab der Aufhebung der Jesuiten erst dann ihr Placet, als man ihr, um sie von der Gefährlichkeit, Wortbrüchigkeit und Ungeistlichkeit der Jesuiten zu überzeugen, von ihrer letzten einem Jesuiten gesprochenen beichteaus Madrid eine Abschrift schickte ... Terschka wusste, dass der Orden diesen Verrat auf eine Intrigue der über ihren Fall frohlokkenden Dominicaner schob ... Aber welche Fülle der Beziehungen doch! Welche Aussichten der Bewährung! Was sollte geschehen, was von ihm gefördert und unterstützt werden? Welche Hülfsmittel, welche Verbindungen gab es für ihn? Wohin hatte er die Reise zu richten? Zu jener so mutvollen, herausfordernden Gräfin? Zu jener jüngeren Paula? Sollte die Urkunde gesucht werden? Sollte die gemischte Ehe gehindert oder, wie so oft, in dem Sinne "dirigirt" werden, dass der junge Offizier seine Confession änderte? ... allmählich trat in seine Combinationen immer mehr das Bild dieses jungen Kriegers ein. Er malte sich ihn aus in allen seinen Lebensbezügen. Es überkam ihn eine Ahnung, dass er vielleicht in dessen Nähe geschickt werden sollte ... Diese Ahnung betrog ihn nicht. Der General eröffnete ihm nach einiger Zeit, dass er in die Nähe des Grafen Hugo von Salem-Camphausen geschickt werden sollte. Mitwirkungen und Erleichterungen würden ihm genannt werden. Seine Aufgabe leitete sein Souverän in folgender Weise ein: Wir wünschen, dass Graf Hugo katolisch wird! Die Rücksichten auf seine Mutter und ihre Umtriebe, auf jene Provinz und die Erbschaft, im eventuellen Falle auf die Ehe, sind die nächsten und dringendsten Aufforderungen, drohenden Gefahren zu begegnen. Zuletzt ist das Werk auch schon an sich ein wohltätiges. Doch ist es nicht leicht. Wir haben über den jungen Krieger Nachrichten, die für eine grosse Verehrung seiner Mutter sprechen. Solange sie lebt, würde er ihre Irrtümer schonen und schwerlich ihr die Strafe zufügen, die sie schon um ihrer Umtriebe willen gegen den Bischof von Cuneo und das Kapitel von Robillante verdient! Auch denkt der Orden nicht an ein plötzliches und schnell errungenes Resultat. Wir arbeiten in allem nicht für die Minute, sondern für das Jahr; ein Jahrhundert bedarf es, um durch Tropfen einen Stein auszuhöhlenSehen Sie die Statue des sankt-Peter auf dem Vatican! Wer möchte glauben, dass man einen Fusszehen von uralter felsenfester Bronze so allmählichhinwegküssen kann! Es gehört dazu eben ein Jahrtausend. Ihre Aufgabe geht in eine weite Fernsicht. Sie dürfen sich Zeit dazu nehmen. Sie dürfen Ihr ganzes Leben daran setzen und müssen es, um die Absicht nicht zu verraten, die Sie mit Ihrer Handlungsweise verbindenSie legen Ihr geistliches Kleid ab! Der Orden dispensirt Sie von jeder Rücksicht auf Ihren Stand! Sie bleiben, was Sie sindnie verwehend ist der Duft des heiligen Oels, das Sie salbte! Aber selbst das Zeichen der Demut auf Ihrem haupt müssen Sie schwinden lassenSie erhalten ein Patent als ein auf unbestimmte Zeit beurlaubter Rittmeister in päpstlichen Diensten! Denn gerade darin, dass Sie diesem Anschein, ein Krieger gewesen zu sein, auch wirklich zu entsprechen verstehen, lagliegt der Grund, warum gerade Sie zu Ihrer Aufgabe gewählt wurden ...

Wenzel von Terschka stand betäubt ... Darum hatte man an seiner Vergangenheit keinen Anstoss genommen ... Darum gleich anfangs keine Erinnerung an seine vergangene Laufbahn ... Die Aussicht, mit der Erhebung, mit der Bildung, die er jetzt empfangen, ein weltliches Leben aufs neue, wenn auch nur zum Schein beginnen zu können, machte ihn schwindeln ... Der Stand, eine höhere gesellschaftliche Stellung, als die sein Vater bekleidetealles wieder aufs neue, wenn auch in anderer Art, anerkannt ... Gehoben und gehalten von unsichtbaren, mächtigen Händen – – Er vermochte kaum sich zu sammeln und dem in aller Würde, mit feierlichem Ernst, ja mit Fanatismus ihm geschilderten Plane in allen seinen Einzelheiten zu folgen ...

Es ist unwahr, wenn man behauptet, Ignaz von Loyola oder seine Schüler hätten gesagt: Der Zweck heiligt die Mittel. Dies Wort findet sich nirgends in ihren Constitutionen. Aber der Dechant von sankt-Zeno, Franz von Asselyn, sagte schon einst zu Bonaventura, als dieser über ein Pamphlet eiferte, das die "Geheimen Verordnungen" der Jesuiten neu wieder abdrukken liess: "Du hast Recht, mein Sohn, diese Schrift ist eine Lüge, die seit zweihundert Jahren entlarvt ist! Ich weiss es, ein polnischer Jesuit schrieb diese Monita secreta aus Rache an dem Orden, der ihn ausstiess, weil Hieronymus Zaorowski zügellos und unsittlich war und die Strafe seiner Obern verdiente. Nie haben diese Anleitungen zur Erbschleicherei, zur Verführung jugendlicher Gemüter, zur Bereicherung des Ordens, zur Verhetzung der Ehen, Verhetzung des Staatsfriedens, in den Gesetzen der Gesellschaft gestanden, aberdie Monita secreta sind ein Codex ex post! Sie sind die niedergeschriebene Praxis des Ordens! Sie sind die Tradition neben dem Grundtext! Der Talmud, wie mein alter Freund Leo_Perl gesagt haben würde, die Mischna und Gemara neben der Tora! Jener rachsüchtige Pole erzählte scheinbar als verlangte Vorschrift, was sich nur durch die Verderbnis des Ordens allmählich als selbstverständlich in ihm festgesetzt hatte. Ich nehme ja einige glänzende Erscheinungen des Ordens aus. Aber die Gefahr desselben ist darum dieselbe, die Gefahr, die schon in seinem eigenen