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die einst eingeschlagen wurden, um sieben Achtteile einer grossen Bevölkerung wieder in den alleinseligmachenden Schoos der Kirche zurückzuführen! Seine eigene Herkunft war vielleicht eine hussitische! Welche Studien weckte diese Anregung auf dem Gebiet der geschichte, welche auf dem Gebiet der menschlichen Seele! Pater Stanislaus brannte auf die Entüllungen, die ihm würden zu teil werden. Ja er dachte sich einen tief angelegten Plan entweder auf Böhmen oder Ungarn, wo es noch Protestanten genug gab ... Verstand musste zu seiner Aufgabe gehören; denn das durfte er sich sagen, von seinem Namensheiligen hatte er nichts, was im mindesten auch seinem Antlitz einen rosigen Verklärungsschimmer gegeben hätte; wenn er beteteihm war der Befehl, nicht zu lange zu beten, niemals gegeben worden.

Erst nach vierzehn Tagen machte der General der Ungewissheit des jungen Professen ein Ende ...

Ihre Vorfahren, sagte er, eine Ahnung Terschka's bestätigend, als beide wieder allein auf der einfachen, allen andern Wohnungen gleichen Zelle des Generals waren, Ihre Vorfahren waren Hussiten! Abtrünnige waren auch sie schon vor Luter! Wir haben aber deren in Italien noch frühere! Es sind die Waldenser! Sie leben noch jetzt mit immer wieder nachwuchernder, unzerstörbarer Kraft im Piemont! Eine Gräfin von Salem-Camphausen, die hinterlassene Witwe eines österreichischen hohen Militärs, Protestantin, beschützt sie von einem ihr angehörenden schloss Castellungo aus! Es liegt zwischen Cuneo und Robillante, in dem blühenden Tal, das sich von der Alpenstrasse des Col de Tende abwärts senkt! Die Umtriebe dieser Frau überschreiten alles Mass! Sie hat die Könige von Preussen, England, Schweden und Holland aufgerufen, den Waldensern grössere Freiheiten zu gewinnen, als sie unter einer rechtgläubigen Bevölkerung in Anspruch nehmen dürfen! Gelang es schon in alten Tagen, das schöne Salzburg zu entvölkern und seiner reichsten Untertanen zu berauben, die man zuerst mit dem Gift der kaum überwundenen Ketzerei verdarb und dann mit Geld und Gut in die protestantischen land lockte; gelang es erst in unsern Tagen, sogar aus dem altgläubigen, so gottgetreuen Tirol Colonieen nach dem uns gleichfalls wieder zurück zu erobernden Schlesien zu entführen: wie soll es werden, wenn mit hülfe Englands immer weiter auch in das Herz Italiens hinein rechtaberisches Bibellesen und streitsüchtiges Dogma sich verbreitet? Dem Frevel dieser deutschen Gräfin ist ein Ziel zu setzen! Für ihre Dreistigkeit gebührt ihr ebenso eine Züchtigung, wie ein Vorbau den Erfolgen, die sie erringt oder erringen könnte ...

Die Aufregung des Generals war so gross, dass er aus der italienischen Sprache wieder in sein heimatliches Idiom verfiel. Terschka konnte, wie er wusste, mit völligem Verständniss folgen ...

Diese gefährliche Frau, fuhr der General fort, hat einen Sohn, der in diesem Augenblick bei einem kaiserlichen Reiterregiment noch als Lieutnant steht ... Er wird aufsteigen. Sein Glaubensbekenntniss ist das seiner Mutter. Sein Name ist ein hochgefeierter, wenn auch seine Mittel gemessen sind. Binnen kurzem dürften ihm bedeutende Reichtümer zufallen; denn eine zweite, rechtgläubige Linie, im inneren Deutschlands, ist im Begriff auszusterben. Es existirt nun zwar eine alte Urkunde, der zufolge die Bedingung, unter der die wiener Linie diese grossen Besitzungen der andern Linie antritt, die Religion der aussterbenden sein müsse ... Diese Urkunde findet sich leider nicht. Sie wird seit Jahren gesucht ...

Terschka horchte nur immer ... Ein eigenes Urteil zu fällen wurde er nicht aufgefordert und fällte selbst keines ... Er wartete auf die genauere Angabe des Gegenstandes, auf den er zu achten hatte. Von der Weisheit der Väter seines Ordens war er vollkommen überzeugt ...

Der General verweilte jedoch nicht bei der Urkunde, sprach nicht von der Kunst jenes deutschen Convertiten Caspar Scioppius aus der Pfalz, der sein ganzes Leben an die Verherrlichung der Kirche gesetzt hat und seinerseits einer der berüchtigsten Falsarien war. Unter der Autorität von Kaisern und Königen und mit dem Titel eines Grafen von Clara-Valle fälschte er im 17. Jahrhundert Stammbäume und Urkunden, veranlasste Processe dadurch und entschied sie. Vierzehn Jahre lebte er in Padua bei verschlossenen Türen, aus Furcht, von seinen Gegnern, die zufällig Jesuiten waren, ermordet zu werden ... Er hasste sie und sie hassten ihn, nicht ihrer Moral wegen, nicht seiner Falsa wegen, sondern weil sie ihm sein Latein corrigirt hatten und er ihnen vorwarf, dass im Gegenteil sie keins schreiben könnten ...

Terschka lauschte mit atemloser Spannung; aber auch heute blieb die ihm gestellte grosse Aufgabe wiederholt nur im Stadium der Prolusio ...

Der General sagte:

Findet sich die Urkunde, so ist ein Familienabkommen getroffen, dass die letzte Erbin der Dorste-Camphausen sich mit dem letzten Erben der Salem-Camphausen vermählteine Rechtgläubige mit einem Ketzer! Findet sie sich nicht, und alle Zeichen sprechen dafür, so fallen an eine ketzerische Familie unermessliche Reichtümer, in eine rechtgläubige Provinz kommt ein ketzerisches Element, das Scandalum jener Vorgänge im Piemont findet reichere Nahrung und das alles von einer Seite her, wo sich die Kirche einer solchen Störung am wenigsten versehen sollte, aus einer Gegend, wo die Wohltaten der Rechtgläubigkeit ein Gemeingut sind und Maria Teresia sich bis auf den letzten Augenblick sträubte, jene gottlose Vernichtungsbulle unseres Ordens, die Tat eines unglücklich Verblendeten, der glücklicherweise nur im Auftrag der uns schützenden und glorreicher wiederherstellenden Vorsehung handelte, auch in i h r e n Staaten zu vollziehen!

Mit dieser Anregung der Phantasie wurde Terschka aufs neue entlassen ... über