wagt nicht einmal es aufzuraffen, der heilige Zorn ist wie Donnerrollen, sein Auge wie Feuerlohe ... "Mein Haus ist ein Betaus und ihr macht es zur Mördergrube!" Das schallt dann in die Welt hinaus ... Nutzanwendung ... endlich Gebet ... So ist nach Jesuitenanleitung jeder Vorfall der heiligen geschichte zu erfassen, so zu umschreiben, so in seine kleinsten Bestandteile zu zerlegen und die G e d a n k e n ordnung nur innerhalb der Ruhestationen des s i n n l i c h e n Vorgangs zu wählen ... Die Wechsler: das ist die Sünde; der Augenblick der Reinigung: das ist die Busse; der Zustand nachher im Tempel: das ist die Erlösung ... Endlich die Vergleichung mit der Gegenwart und die Nutzanwendung auf das innere Herz ... bis das Ganze im "Colloquium mit Gott", mit Gebet, schliesst ... In dieser Weise wollte auch Müllenhoff versuchen, die Exercitien auf dem Schloss der Frau von Sicking einzurichten.
Für Wenzel von Terschka gab es immer mehr Bewährungen. Selbst seine ritterlichen Künste boten dafür gelegenheit und wurden sogar absichtlich und ausdrücklich befördert. Die jungen Väter bestiegen zwar nicht selbst das Ross, aber sie voltigirten; Reck und Barren, wie bei den Turnern, fehlten nicht. Auch beaufsichtigten sie da und dort die Erziehungsanstalten. Hier besonders bewunderte man den "Pater Stanislaus"! ... "Stanislaus" nannte sich Terschka nach dem heiligen Stanislaus von Kostka, jenem jungen Polen, dessen erster Lebensschmerz damit begann, dass er von seinem Hofmeister und seinem älteren Bruder 1564 gezwungen wurde, zu Wien im haus eines Luteraners zu wohnen. Dieser junge Heilige wurde vom Beten und Nachtwachen, wie der heilige Aloysius, das Beichtvorbild unsers Tiebold, elend, kam von allen Kräften und näherte sich dem tod. Da konnte er die heilige Wegzehrung nicht erhalten, weil sie der luterische Wiener nicht in sein Haus gebracht haben wollte ... Nun erschien dem Knaben die heilige Barbara mit zwei Engeln zur Seite und brachte ihm die ersehnte Speise. Doch sollte er nicht sterben. Maria kam in jeder Nacht und setzte das Jesuskind auf die Decke seines Bettes und sagte ihm jedesmal, wenn er mit diesem gespielt hatte: Stanislaus, tritt in die Gesellschaft Jesu! Stanislaus von Kostka fand für seinen Wunsch in Wien nirgends Gehör. Der Provinzial der Jesuiten verlangte eine väterliche Bescheinigung. Der Vater, ein Senator der Krone Polens, schrieb von seinem schloss Rostkau im Posenschen, dass er diesen Beruf seines Sohnes nimmermehr wünschen könne. Stanislaus flehte den apostolischen Nuntius an. Vergebens. Er mochte klopfen an welche Tür er wollte, niemand erwies ihm damals in Wien die Gnade, ihn Jesuit werden zu lassen ... Da riet ihm der Provinzial: Wandere gegen Rom zu Franz Borgia, unserm General selbst! ... Also tat er. Er entsprang seinem Hofmeister, seinem Bruder, zog Bettlerkleider an und ging über Augsburg zunächst nach Dillingen ... Hier im Jesuitenkloster musste er bei Tisch bedienen und die Stuben kehren. Canisius, der berühmte M o r a l l e h r e r der Jesuiten, entliess einen seinem Vater entsprungenen Sohn völlig einverstanden gegen Rom ... Franz Borgia empfing ihn dort voll Güte und schützte ihn vor dem Zorn des polnischen Senators, der jetzt die Diplomatie zu hülfe nahm, um sein Vaterrecht zu behaupten ... Stanislaus wurde Priester. Er war ein Muster jener "süssen Andacht", die ein Antlitz wie mit Rosen verklären kann. Ihm musste befohlen werden, nicht zu lange zu beten. Das wiederholte sich und wurde sein Todesstoss ... An den Folgen der Wehmut, dass man so oft seine Andachtsglut unterbrach, starb der Jüngling, achtzehn Jahre alt. Man sprach den Märtyrer des verweigerten Betens heilig. Wenzel von Terschka hatte als Slawe ein Vorrecht auf seinen Namen, als es bei seiner Priesterweihe gerade drei Bewerber um den Namen Stanislaus gab. dafür musste er in der Kapelle San-Andrea, dicht in der Nähe der schönen Gärten des Quirinals, drei Nächte an dem Bild seines Heiligen wachen, an jener Statue, die den sterbenden Jüngling Stanislaus von Kostka darstellt, der Körper von weissem, die Kleider von schwarzem, das Bett von gelbem Marmor ...
Eines tages wurde Terschka zum General der Jesuiten, einem Holländer, gerufen und erfuhr dort in holländischer Sprache folgende, ihn mächtig ergreifende Anrede:
Pater Stanislaus! Die Stunde ist gekommen, wo Sie durch Bewährung im Dienste Ihres Ordens Ihre Schuld der Dankbarkeit abtragen können!
Der Pater verneigte sich ... Er ahnte einen schon seit lange mit ihm bezweckten Plan ...
Es sind Ihnen grosse Indulgenzen zu teil geworden! fuhr der General fort. Sie haben Wohltaten von der Kirche erfahren, die zu den seltensten Fällen gehören! Der Empfehlung Ihrer gönner werden Sie zeitlebens verpflichtet sein ...
Terschka verneigte sich tiefübereinstimmend. In den letzten Jahren war die besondere Protection des Cardinals Ceccone nicht mehr sichtbar gewesen, aber er bedurfte sie auch nicht, da seine Anschlägigkeit anfing, sich alle Wege zu bahnen, und er selbst mit seiner Lage zufrieden war ...
Ich liess einen Rat über Sie halten! begann der General aufs neue. Man sprach für Sie und auch, wie es das Gesetz will, gegen Sie! Eine stimme gab den Ausschlag, die, dass Sie vermöge Ihres ganzen Naturells dem Orden am besten dadurch dienen würden