und seine Heilung der "Kniesteifigkeit" ...
Bonaventura's Lächeln und Schweigen nahm er für volle Zustimmung und beklagte nur, dass, "im Vertrauen gesagt", ihn der Umgang mit den vielen Vornehmen oft in ärgste Verlegenheit setze ... Aufrichtig gesagt, warf er halb ernst, halb im Scherz ein, obgleich ich heute den Tanz zur tiefsten Hölle gewünscht habe, so sollten wir doch – im Seminar wirklich etwas tanzen lernen! Bloss des Anstands und einer gewissen Manier wegen!
Die Jesuiten lehren's ja! sagte Bonaventura ... Aber wie wollen Sie dann nur, fuhr er fort, bei solcher Scheu die Exercitien halten mit so vielen vornehmen Herrschaften? Ueberhaupt, wie denken Sie sich denn diese Uebungen?
Die Exercitien dauern vier Wochen! sagte Müllenhoff. Die Herrschaften, einige zwanzig, wohnen für die Zeit alle bei Frau von Sicking! Jeder Tag hat seine bestimmte Regel! Alle geistlichen Handlungen und Erweckungen kann ich allein nicht verrichten; Sie werden auf dem Papier, das ich Ihnen gab, finden, wie ich mindestens noch drei bis vier Priester als Aushülfe hinzunehmen muss ... Ich nehme sie mir aus Witoborn. Manche Rücksichten muss ich freilich dabei beobachten. Dem Provinzial von den Franciscanern darf ich die Ehre einen Vortrag zu halten nicht entziehen, sogar ein Gebet zum Schluss muss ich mir vom Bischof selbst erbitten. Mir, auf dessen Sprengel die ganze Veranstaltung fällt und der ich dadurch das Recht habe, die Sache zu leiten und zu beobachten und mir dies Recht auch nicht nehmen lasse, mir behalt' ich die Montags- und Donnerstagserweckungen vor. Apropos! Ich habe mir eine metodische Schilderung des Fegfeuers, der Hölle und des Paradieses vorgenommen ... Eine zeitgemässe und moderne Hölle ...
"Und nun, du beneidenswerter Verdammter, wird ein Sendbote Lucifer's dir entgegentreten", sprach Müllenhoff sogleich aus dem kopf, während Bonaventura, seinem Ohr nicht trauend, noch mit dem Lachreiz kämpfte ... "im glühenden Widerschein der Majestät Seines Herrn und wird dir die 'Stunden der Andacht' zeigen, die du in den zeiten deiner Denkglaubigkeit das Buch der Bücher nanntest! Hast du auf Erden geglaubt" – Der Sprecher stockte, zog ein Concept aus der Rocktasche und las dem gast, der nicht wusste, wie ihm geschah:
"Hast du auf Erden geglaubt, im Schatten einer Laube, von Bienen umschwärmt, unter dem Duft von Hollunderblüten dich vor dem wahren Hochaltar und dem Sanctissimum deines Schöpfers zu befinden, besonders wenn du dazu noch aus diesem deinem Buch der Bücher ein Kapitel über die Unsterblichkeit der Seele gelesen hattest, und gingst dann hin und begossest deine Blumen, etwa wie wenn du selbst ein solches Lob deines Schöpfers wärest, aber kein anderes heiliges Nass brauchtest, als deinen sentimentalen 'Tautropfen', keinen andern Kelch, als die Giesskanne deiner angebeteten 'natur' – dann, dann, du beweinenswerter Denkglaubiger, sollst du, umschwärmt von feurigen Hornissen, dein geliebtes Buch, die 'Stunden der Andacht' wiederfinden als 'Jahrhunderte der Qual', sollst sie auswendig lernen rück- und vorwärts, sollst sie in alle Sprachen übersetzen, selbst in die, die du nicht gelernt hast, und wehe dir, wenn ein Jota fehlt, wenn von dir ein Zeitwort falsch angewendet, eine Feinheit fremder Sprachen unbeachtet geblieben ist!" ...
Das ist ja mehr, als Nero und Busiris! rief Bonaventura in die hände schlagend ...
"Da kommen sie denn", fuhr Müllenhoff ungehindert fort, "diese Schmachtenden, diese Zärtlichen, die über einen Käfer weinen konnten, den ihr Fuss im Grase zertrat, und keinen blick, geschweige eine Träne dafür hatten, wenn sie stündlich ihren Gott, ihren Heiland und seine Gebote mit Füssen traten! Jene Schmachtenden, die ein Marienwürmchen liebkosen und bewundern können und Maria selbst nur für eine ganz gewöhnliche Mutter wie andere auch halten! Jene Empfindsamen, die mit Freimaurermoral alle Todsünden zuflicken, alle Risse der Herzen mit phrasenhaftem Kalk und Mörtel zu verschmieren wissen! Ihre ruchlosen Devisen: 'Tue recht und scheue niemand!' oder 'Wir glauben all' an Einen Gott!' die werden mit Flammenschrift an dem Vorhof desjenigen Teiles der Hölle stehen, der gerade diesen PatentSeelen extra bestimmt ist! Riesengross werden die Buchstaben sein, die die Teufel mit dreizinkigen Gabeln schüren müssen, damit sie ganz so brennen, wie sie im mund dieser Freimaurer lebten und nicht etwa lauten: 'Tue recht und scheue dennoch Gott und seine Heiligen!' oder: 'Es ist nur Ein Gott, in dem allein das wahre Heil!' O, des Jammerns dann, wenn diese Freimaurerseelen zu dem Gekreuzigten, dessen einflussreiche Stellung bei Gott sie nun wohl erkannt haben werden, aufblicken und auch vor diesem dann um Titel, Orden und Beförderungen schmachten, aber der feurige Osiris mit dem Ochsenkopf ihnen nachläuft, sie zu umarmen als seine ägyptischen Brüder. Oder wenn ihre Logenschwester Isis, die holde Mutter natur, i h r e gnadenreiche Allerseligste, ihnen zuruft: hebt meinen bekannten Sais-Schleier! – und sie sehen dann ihre geliebte Mutter aus hundert Brüsten deren Wohltaten spenden, feuerspeiende Berge, Erdbeben und daherbrausende, aus den Schienen gegangene Locomotiven! Alle ihre Mittler und Erlöser werden ihnen zuwinken mit den Wohltaten, die diese spenden können – Buddha mit der Kunst, hundert Jahre auf einem Beine zu stehen, Sesostris mit Pyramiden, die erst auf