1858_Gutzkow_031_450.txt

, die an unsern Ordensgeneral nach Rom gegangen ist. Seitdem kam der Befehl, ihm keine der geistlichen Wohltaten zu entziehen ...

Der junge Mönch machte Anstalt, Bonaventura alles zu zeigen, was die Kirche an alten Bildern, kostbaren Gefässen und gestickten Gewändern besass ...

Bonaventura liess es geschehen ... Konnte er sich doch indess in die Vorstellung finden, diesen abgerissenen Fussboden dort im Zusammenhang mit Rom zu wissen! Cardinal Ceccone, der politische Lenker der Geschicke des Kirchenstaatsder Grosspönitentiar und Oberinquisitor der ganzen katolischen Weltder General der Franciscanerdrei höchste Würdenträger der Kirche beteiligt an dem aufgedeckten Leben des Kronsyndikus! Dort vielleicht alles entüllt, was hier der Welt ewig unbekannt blieb! Dort vielleicht alle Schleier hinweggezogen, die seit Jahren über dem Leben auf Schloss Neuhof hingen! Dort vielleicht auch die Gründe bekannt, warum seit Jahren der Dechant nur mit dem Ausdruck des grössten Mismuts seines alten Freundes, des Kronsyndikus gedachte! Dort auch vielleichtein Zusammenhanges durchzuckte ihn das somit jenen Drohungen, die Lucinde gegen ihn selbst auszustossen gewagt?

Der junge Mönch entfaltete kostbare Messgewänder, warf sich sogar eine "Kasel" um und zeigte mit wohlgemuter Freude, wie schwer sie an echtem Golde war ...

Die ist noch nicht zu alt! sagte er. Die verstorbene Frau von Wittekind hat die köstliche Arbeit, die in Paris gemacht wurde, vor vierzig Jahren gestiftet ...

Das war die Schwiegermutter seiner Mutter ...

Pater Ivo ging leise singend vorüber, huschte mit dem Weihwedel und jagte die Geister fort ...

Pater Quirinus sah ihm lachend nach, während Bonaventura in Rührung stand ...

Beim Oeffnen der übrigen Schränke und dem wiederholten Anlegen der kostbaren Gewänder durch den jungen Pater erkannte Bonaventura einen oft vorkommenden Fehler seiner geistlichen Brüder, Eitelkeit auf ihren malerischen äussern Schmuck beim Cultus. Die Mönche von Kloster Himmelpfort lasen ringsum in kleinen Kapellen die Messe ... Rom hält die Menschheit doch an tausend Fäden! sagte sich Bonaventura ...

Als der junge Mönch eine Anzahl Gefässe aus dem Verschluss doppelter und dreifacher Schlösser hervorholte, fragte er ihn:

Warum traten Sie in den Orden?

Es war mir die beste Versorgung! erwiderte der junge Mann ... Ich bin armer älteren Kind, wollte studiren, brachte mich kümmerlich durch und hatte keinen Mut, auf die Universität zu gehen. Ich wollte ins Postfach, meldete mich und wurde wegen Ueberfluss von Meldungen nicht angenommen. Eine Braut, die ich hatte, wollte nicht länger warten und heiratete mir vor der Nase weg einen andern. Das verdross mich. Ich wusste nicht, was anfangen, und ging ins Kloster. Zwei Jahre war ich Novize. Jetzt hab' ich die Weihen und bin versorgt.

Sie wollen nicht höher hinauf? Haben keinen Ehrgeiz? fragte Bonaventura, erstaunt über diesen Mangel an Empfindung bei einem doch so traurigen Geschick ...

Nein! war die unbefangene Antwort ...

Also gibt Ihnen der Schmerz über die Täuschung durch Ihre Liebe diese Kraft, so zu entbehren und zu entsagen? ...

Meine Braut handelte vernünftig! Ich hätte erst zehn Jahre auf eine Anstellung bei der Post oder im Steuerfach warten müssen! Jetzt hab' ich mein Brot; für mich freilich nur allein, aber das kann man ertragen ...

Währenddessen schloss der junge wohlgenährte Pater einen Schrank nach dem andern auf und zu, knixte erst vor jedem geweihten gegenstand, zeigte ihn dann, schloss ihn wieder mit einem Knix ein, alles nach derselben Cadenz und mit der grössten inneren Befriedigung.

Bonaventura konnte sich in eine solche Weihelosigkeit nicht finden. Er mochte noch immer glauben, dass hier ein Schmerz überwunden und für die Zufriedenheit an diesem Berufe vielleicht auch Pater Hubertus' Abrichtung gesorgt hätte ...

Auch Ihnen hat zu dieser wohlgemuten Ergebung in manche Entbehrung gewiss der "Bruder Abtödter" verholfen? fragte er ...

Pater Quirin lachte ...

Na ja! sagte er. So kennen Sie also auch den alten Knaben? Er konnte sich lange nicht in den Frieden finden, den die Kirche mit seinem alten Feinde schloss, mit dem Kronsyndikus! Allen ist aufgefallen, dass er doch gerade heute zurückkehrte und sogar für Ordnung sorgte. Knochen hat er wie Eisenaber mich brauchte er nicht zu bändigen! Ich tue hier, was ich muss. Wir haben alle unsere leidliche Bequemlichkeit. Ich zeige Ihnen das Refectorium ...

Entbehren Sie gar nichts? fragte Bonaventura im Weitergehen ...

Gewiss nichts! antwortete Pater Quirinus und küsste mit gemachter Andacht eine Monstranz, die über und über mit Edelsteinen besetzt war und nur bei den höchsten Veranlassungen aus diesen wohlverwahrten Schränken genommen wurde.

Diese gleichbleibende Gelassenheit streifte in Bonaventura wiederum alle Blüten ab. Er konnte sich nicht finden und erinnerte wenigstens an den Zauber der Freundschaft und des Zusammenlebens in einem Kloster ...

Aber auch dem erwiderte der junge Mann:

O nein! Wir sind hier zusammen keine Freunde! Es ist auch gut so! So wie wir uns aneinander anschliessen, fangen wir an über unsere Verhältnisse Gedanken zu haben; dann verbittern wir uns vieles, worüber wir jetzt nicht grübeln. Jeder ist besser für sich!

Diese Freundschaften kommen also doch vor?

Selten! lautete die Antwort, während sich der Mönch umsah und jetzt leiser sprach. Sowie sich zwei Brüder allzu sehr aneinander schliessen, im Garten zu oft zusammen spazieren gehen, sowie man bemerkt, dass sie bei