unter Null war ihm denn doch zu arg und ob er gleich 'ne Haut hat wie Leder, gegerbtes Rindsleder, der Herr von, Bosbeck ...
Buschbeck! verbesserten schon ihrer mehr ...
Die hat er, eine Haut von Büffelleder! Ich hab' sie oft genug selbst gesehen ... Eines Tages sah ich sogar an Bosbeck's Arm –
Buschbeck! schrieen die Zuhörer ...
Bosbeck –? wiederholte Terschka für sich ...
Bosbeck ist sein Name! rief jetzt kreischend der Geiger voll Tücke und auf der Höhe seiner Rache angekommen. Es ist ja ein Vetter von dem Bosbeck selig, der in Gröningen am Galgen hing ...
Terschka schauderte ersichtlich ...
Die Umstehenden schwiegen ... Dass es mit des Mönches früherem Leben nicht geheuer war, wussten alle ...
Sah' ich denn nicht, krächzte der tückische Geiger, sah ich denn nicht – auf dem Leder hier am Arm, wo andere Menschen, sogar die Buckeligen, höchstens ein ehrliches Muttermal haben – ein Galgenrad eingebrannt? Ganz wie damals beim Liborius Pollmann, bei Dominicus Klapprot, Jean Picard und wie sie alle heissen, die dazumal das Geld flüssig zu machen wussten – rund ist ein Rad und rund ist die Welt und –
Nun fiedelte und sang der Geiger eine wilde Melodie ...
Da unterbrach ihn aber ein Lärm, der sich aus einem hintern Winkel erhob ...
Schlagt den Hund tot! rief man dort aus kreischenden Kehlen durcheinander ...
Alles, noch starrend und murmelnd und flüsternd über die unglaubliche Mähr, dass der fromme Bruder Hubertus auf seinem Arm könnte ein Verbrecherzeichen eingebrannt haben, wandte sich ungern ...
Der Finkenmüller sah eine Rauferei und rannte schon fast den Geiger nieder und warf sich dazwischen.
Die Spieler hatten den von Stammer mitgebrachten Fremdling zu Boden geworfen ... Sie, die gehofft hatten, einen reich mit Geld Ausgestatteten prellen zu können, waren es von ihm geworden ... Geschuppt hat er! hiess es, und zwei bekannte liederliche Bursche rangen mit dem Voltenschläger, der sich wehrte, hielten ihn auf den Boden nieder, während andere den Finkenmüller zurückhielten und durcheinander schrieen: Wie er abhob, sahen wir's! – Schon da, als er mischte! – Daumen hat er wie ein Dieb! ...
Ruhe! rief der Meier und machte den Herrschaften Bahn ...
Terschka's aufgeregtes Herantreten, Tiebold's Zurückhalten der beiden Salzsieder, Benno's energisches Bedeuten um Ruhe unterbrach die Fortsetzung der Künste des Geigers und des Kampfes, welcher letztere sich sogar durch einen zufälligen Umstand plötzlich in Heiterkeit auflöste ... Herrn Dionysius Schneid entglitt unter den Fäusten seiner überlegenen Angreifer ein Schmuck seines Hauptes, eine pechschwarze Tour, die über einen plötzlich sichtbar werdenden, kurzgeschnittenen rotaarigen Schädel geklebt war ... Das dann zu gleicher Zeit noch hineingeworfene Wort des hinzutretenden Geigers: Es ist ja ein Perrükenmacher! machte selbst Tiebold und Benno lachen, und so erhob sich der Strasburger und benutzte den Moment, sich so schnell wie möglich zurückzuziehen und heimlich zu entfernen ...
Der Wächter draussen rief die zehnte Stunde ... Alles beruhigte sich jetzt, gedachte der Heimkehr und liess zunächst die "Herrschaften" durch, die sich jetzt empfahlen ...
Die Jäger gaben ihnen noch eine Weile das Geleite ...
Der Meier, der Moorbauer blieben zur Kritik des Abends zurück. Da sie bestätigten, dass Herr von Terschka plötzlich in ein auffallendes Schweigen verfallen war, wurden dem Geiger vom Finkenwirt für seinen frechen und lügnerischen Ausfall auf den Liebling der Gegend und einen Mann Gottes die bittersten Vorwürfe gemacht. Als Stammer entgegnen wollte, warf ihn der Wirt ohne weiteres zum haus hinaus ...
Draussen an den sich kreuzenden Wegen zerstreute sich dann alles ...
Benno sagte zu Tiebold: "Tar Teifel!" Den roten Kerl muss ich doch schon irgendwo gesehen haben?
Auch Terschka hörte dies, glaubte aber die Rede wäre von dem Brandmal des Hubertus ... Darf er denn solange ausserhalb seines Klosters leben? fragte er, nahm, als sein Irrtum berichtigt, seine Frage bestätigt worden, Abschied von Benno und Tiebold und ging mit dem Oberförster und dem Wildmeister dem schloss zu ...
Die Schläge der zehnten Stunde erklangen von allen Seiten her durch die stille Nacht ...
Die nächst hörbare Uhr war schon die von Schloss Westerhof ...
Selbst vom schneebedeckten Jesuitenturm in Witoborn hörte man in der nächtlichen Stille das bekannte hastige Jesuitenläuten ...
Und öde wie die Winternacht, war die Stimmung der Freunde ... Was sie jetzt hätten aussprechen können, war schon in diesen Tagen so oft gegenseitig ausgeschüttet worden ... O wie war Armgart so seltsam geworden! Wie lag es winterlich auf dem Herzen der Freunde! Erstorben alle Blüten, verklungen alle Freuden, begraben die schönste Maienzeit des Lebens! ... Der Scherz mit den "Vielliebchen" war die letzte Erinnerung gewesen an den Ton vergangener Stunden ...
Tiebold's Art und sein schlechtes Gewissen litten es freilich nicht, dass er so ganz zu allem Herzleid schwieg. Seine Zunge wurde nicht müde bald die Geister des Jenseits, bald die Vicinalwege des Diesseits zu besprechen, bald den Doctor Püttmeier, bald die Jagd, bald das unheimliche, vielleicht gar nicht existirende Brandmal auf dem arme des Mönches Hubertus, bald den Räuber Bosbeck – eine Jugenderinnerung – bald die