erkannt werden konnte, der er war, während sonst der viel jugendlichere Benno fast älter aussah, als er ...
Er rühmte sich mancher geheimen Jägerkunst und manchem galt er für einen Freischützen! fuhr Onkel Levinus fort ... Aber sein Lebenswandel war achtbar und stimmte wenig mit dem Ton, der damals auf Schloss Neuhof herrschte, wo ihn der Kronsyndikus anfangs zum Revierförster machte ... Es gab einst eine wilde Zeit auf dem schloss da, das wir heute so still und gespenstisch sahen! ... Freiherr von Wittekind war durch die Verführungen des damaligen kasselschen Hofes in ein Leben der tollsten Liebeshändel geraten. Immer hab' ich gefunden, dass Männer bei einer solchen Lebensweise zuletzt von ihrer Sinnenglut förmlich unterjocht werden. Jeder Gedanke verwandelt sich ihnen in Unlauterkeit, jeder blick auf ein Weib in Begehrlichkeit, jede Voraussetzung über die Tugend des Menschen in den frechsten Glauben an schlechte Möglichkeiten. Damals war auf dem schloss eine person allmächtig, ein Frauenzimmer zweideutiger Herkunft – eine gewisse –
Benno befreite den Onkel von der Verlegenheit, ganz offen über eine ominöse Beziehung zur Dechanei zu sprechen ...
Legen Sie sich keinen Zwang an! sagte er. Frau von Buschbeck hat für die Dechanei nie existirt ... Höchstens, dass jetzt ihre Schwester mit dem alten Windhack ihr Privaterstaunen austauscht, wie das hübsche Vermögen der Ermordeten, doch an zwanzigtausend Taler, an den Bruder Hubertus testirt wurde. Die Stifter und Kirchen sind betrogen worden! Hammaker's Vertraulichkeit mit der Alten beruhte auf den Codicillen, die er möglich zu machen wusste, um die durch Nück und unter Zeugenassistenz zweier Herren Schnuphase und Klingelpeter getroffenen gottseligen Bestimmungen für den Fall ihres Todes wieder aufzuheben ...
Terschka war über die Ermordung der sogenannten Frau Hauptmann von Buschbeck unterrichtet und lauschte mit der grössten Spannung ...
Diese ausserordentliche Zärtlichkeit einer person, fuhr der Onkel fort, die nicht einen, nein mehrerlei Teufel im leib gehabt haben muss, diese auffallende anhänglichkeit an den Mönch Hubertus ist eine Folge der Eitelkeit, da sich Brigitta von Gülpen durchaus als die Frau Hauptmann von Buschbeck geberden wollte ... Als Hauptmann war der holländische Lieutenant Buschbeck verabschiedet worden; er war nicht von Adel, auch nicht etwa schimpflich entlassen; aus eigenem Antrieb hatte er und leider vor Erreichung seines höhern Pensionsgrades seinen Abschied genommen. Man sagt, weil ein dunkler Schleier gehoben wurde, der auf seiner Vergangenheit ruhen soll ... Ich kenn' ihn nicht ... Man spricht ja wohl von ihm, es wäre ein Scharfrichterssohn? ...
Auf diese Frage, die der Onkel an sein eigenes Gedächtniss richtete, wurde Terschka's Auge das des Falken ...
Diesem Fremdling, der in einer erwerbslosen Zeit, müde des damals nur noch einträglichen Kriegsdienstes, hingehalten mit seiner nur geringen Pension, die einfache Stelle eines Försters annahm, schenkte die damalige Wirtschaftsführerin des Freiherrn, fräulein Brigitta, ihr Herz. Sie war feurigen, lebhaften Sinnes, hässlich dabei wie eine Fledermaus. Der Fremdling konnte sich ihrer Zudringlichkeit nicht erwehren; der Kronsyndikus tat nie etwas umsonst und wünschte auf diese Art von einer person befreit zu sein, die ihm über den Kopf wuchs. Der Abenteurer mag aus Willensschwäche und verblendet von glänzendern Anerbietungen, zugleich berauscht von der Wildheit des damaligen neuhofer Lebens, Zugeständnisse gemacht haben, die er später bereute. Seinen spätern Aeusserungen zufolge will er niemals ein Weib geliebt haben, als nur einmal eine Tochter eines seiner Waldhüter, ein allerdings auffallend schönes Kind, Hedwig Stammer hiess sie, schlank, hochgewachsen, die Schwester dieses Buckeligen, den er heute mishandelt hat ...
Nach einer Pause des Erstaunens über diese Zusammenhänge fuhr der Onkel fort:
Hedwig Stammer wurde im stillen seine Liebe und bald entdeckte diesen Treubruch, wie sie es nannte, die Megäre auf dem schloss. Sie ersann eine Rache, zu teuflisch um sie nur nachzudenken, wenn nicht die Umstände Begünstigungen zur wirklichen Ausführung des Unglaublichen gegeben hätten. Die Leidenschaften des Kronsyndikus kannten keine Grenzen. Keine Tugend war ihm heilig. Kein Weib, dem er irgend sich glaubte nahen zu können, liess er ohne Anfechtung. Dabei begünstigte ihn sogar das Glück, ohnehin sein Reichtum und, wie das in solchen Fällen geht, die Courage. Ihm schien ein Widerstand unmöglich und so vermessen war seine Menschenverachtung, dass er sich an die Unschuldigsten wagte, ja durch Umtriebe aller Art es oft dahin zu bringen wusste, dass diese plötzlich in irgendeiner Weise wirklich von seinem Willen abhängig wurden. Hätte der Mann auf einem Trone gesessen, er würde den grössten Tyrannen beizuzählen sein ...
Ein blick auf die Nebentüren und ein Lauschen nach einem fernen Geräusch drückte die Furcht des Onkels aus, die Frauen möchten zurückkommen ... Dem fast übersiedenden wasser im silbernen Kessel sprangen Benno und Tiebold zugleich bei durch Mildern der Flamme ...
Ich will es kurz fassen! fuhr der Onkel sich eilend fort. Der Kronsyndikus hatte sein Auge auf die Frau des Deichgrafen Klingsohr geworfen. Die Vertraute seiner Lüste, die Gülpen, unterstützte seine Hoffnungen, weil ihn Unmöglichkeiten unerträglich im Umgang machten. Mit Verachtung zurückgewiesen, entbrannte er in nur noch wilderer Glut. Da entdeckte die Gülpen die Neigung ihres sogenannten Verlobten und schmiedete einen Höllenplan. Durch verstellte Handschriften machte sie die Deichgräfin, wie sie hiess, zur Correspondentin des Kronsyndikus. Die Eitelkeit des Frevlers war einer völligen Sinnlosigkeit fähig. Taumelnd in seinen Hoffnungen, die ihm leider nur selten fehlschlugen, glaubte er der Versicherung