Platz genommen, obgleich ihr Terschka und Tiebold einen Stuhl holten, wie sie eintrat ...
Ganz recht! bestätigte der Onkel. Man erfuhr, dass im Dienstpersonal ein Frauenzimmer ohnmächtig geworden war. Es war das die Lisabet, die Beschliesserin von Schloss Neuhof ...
Dann war – das ja wohl – jener Küfer? schaltete die Tante mit Entsetzen ein ...
Stephan Lengenich! bestätigte der Onkel. Wir erfuhren es später. Die Verwirrung des Augenblicks liess sich nicht ganz übersehen, weil inzwischen der Zug schon weiter ging und die Mönche schon wieder sangen. Aber den Anblick alles Spätern hatten die doch noch, die nur langsam nachfuhren. In die Rede des damals ungerechterweise angeklagten Küfers hinein ertönte wieder die Geige. Ihr Spiel war so frech, so teuflisch, so voll Hohn fiel sie ein in die furchtbare Rache des Küfers, die sie gleichsam unterstützen wollte, dass jedermann dem nur danken musste, der sich plötzlich auf den Geiger warf, ihm sein Instrument aus den Händen schlug und ihn, da er Widerstand leisten wollte, fast mit Füssen trat. Das war dann niemand anders, als unser alter guter Freund, der Bruder Hubertus ...
Benno und Tiebold mussten sich mit Besorgniss Paula nähern, die wie in Erstarrung wieder in ihrem Sessel sass, während die Tante an die Tür eilte, um sicher zu sein, dass in diesem Augenblick der Erörterung mislicher Familienverhältnisse die Diener nicht hereinkamen ...
Ja, das Mass ist gerüttelt und geschüttelt voll, sagte der Onkel tiefschmerzlich und die hände gefaltet auf den Tisch vor sich hinlegend, das Mass der Ehrenkränkung, die seiner Familie ein wilder und entsetzlicher Mann hinterlassen hat! So ging es doch mit ihm fast funfzig Jahre hindurch! So klagen ihn tote und lebendige Zeugen an! So öffnen sich die Gräber, um ein geheimnis nach dem andern ans Tageslicht zu bringen! Paula! Du gutes, gutes, treues Kind –
Auf diese liebevolle Anrede, die dem Schmerz galt, den Paula um die Ehre ihrer Familie, um Mutter und Vater empfinden musste, hatte sie sich rasch aus dem Zimmer entfernt ... Armgart flog ihr wie ihr Schatten zu hülfreichem Troste nach ...
Nun erzählte die Tante den teilweis hocherstaunenden Männern Paula's Traumgesicht ... Alles was sie gesehen hatte, wurde von den Männern bestätigt ...
wild, wild war der Anblick dessen, was an der Eiche geschah! sagte der Onkel, der seinerseits an diese Visionen schon gewöhnter war. Da musste sie wohl erwachen ... Der Geiger war der Taugenichts, der alte buckelige Stammer! Rächen wollte er sich für die Verweisung aus dem schloss durch den Präsidenten ... Der Küfer hatte den Fetzen Tuch, der einst vom Deichgrafen dem Kronsyndikus abgerissen war und so lange nicht gefunden werden konnte, wenn es überhaupt der echte war, auf den silberbeschlagenen Sarg, mitten unter die Ordensinsignien gelegt! Als er das getan, taumelte der Mann – es war auf den Schrei der Lisabet – wie ein Kind und wurde von dem anwesenden Löb Seligmann gehalten, dem Juden, der ihn zu kennen schien. Herr von Terschka, Sie werden ja wohl das Nähere von dem drolligen Musikschwärmer erfahren können! Aber dem Geigenspieler ging es schlimm. Hubertus zertrat ihn fast; obgleich Stammer der Bruder des Mädchens war, um das auch der Bruder Abtödter den Kronsyndikus so bitter hasste ...
Die Tante, die den Onkel in der weitern Mitteilung der geschichte des Mönchs Hubertus nicht stören wollte, entfernte sich, um nach Paula zu sehen ... Es kamen jetzt Bestandteile eines Soupers, auch einige Flaschen Wein, die sie den Männern überliess ...
Der Abtödter, hört' ich, nennt man ihn? fragte Terschka kopfschüttelnd, als die Diener fort waren ...
Man nennt diesen Mönch so in den Klöstern und im volk! erklärte der Onkel. Sein eigentlicher Name ist Buschbeck ...
Buschbeck! wiederholte Terschka befremdet und wiederholte lange sinnend: Buschbeck? Buschbeck? ...
Terschka's eigenes, allen hier unbekanntes Leben schien mit diesem oder einem ähnlichen Namen eine Beziehung zu haben ...
Der Onkel erzählte mit gedämpfter stimme und rasch die Abwesenheit der Frauen nutzend:
Auch Sie, Herr von Asselyn, werden sich ja wohl aus Ihrer auf Hof Borkenhagen verlebten Jugend des Försters Buschbeck – nein, Sie mussten ihn schon nur als Mönch gekannt haben –
Es muss jener Laienbruder sein, sagte Benno, der dem alten Hedemann einmal ein Pferd mit Sympatie curirte ... Dreizehn Hauptaare von einem Scharfrichter in einem Teig von Weizenmehl und Oel eingegeben und das Pferd erhielt sich ...
Der Glaube macht selig! lachte Tiebold, der sich allmählich zu finden und schon wieder zu serviren anfing ...
Aber der Onkel entgegnete:
Warum? Die Geheimnisse der natur sind unergründlich!
Terschka, immer sinnender und ein anerkannter Virtuose der Reitkunst, fiel ein:
Die Hauptsache an dem Mittel werden das Oel und vielleicht auch die Haare gewesen sein! Wann kam denn dieser Mann hier in die Gegend?
In den Jahren vor den Befreiungskriegen, etwa 1808, erzählte der Onkel. Es war ein schlanker und gewandter Mann, der bei den Holländern in Java gedient hatte ...
In Java! sprach Terschka leise und sein sonst schon immer wachsbleicher, fast gelblicher Teint nahm eine eigentümliche Färbung an ... Er verlor in dem Grade seine gewohnte Elasticität, dass er jetzt ganz als der Vierzigjährige