in kurzen Sätzen die Worte ausstossen:
Wer stört nur da – die Ruhe des toten? ... Der Zug hält ja ... Wer spricht? ... Das ist die Eiche, an der ... Wer spricht nur immer und predigt so laut? ... Ha! ... Herr von Terschka springt aus dem Wagen ... Die Mönche schweigen ... Benno ... Gensdarmen ... Der – Jude ...
Merkwürdig! rief Tiebold, dem das Traumsprechen Paula's an sich nicht neu war, und ergriff die Hand des zitternden Doctors, dem der Angstschweiss auf die Stirne trat. Was mag denn nur vorgefallen sein? ...
Nichts mehr wurde hörbar ... Man vernahm ein Murmeln der Gräfin, ein unverständliches Sprechen, wie durch die Zähne ... Dann war alles still.
Die Tante kam heraus und sagte, scheinbar voll Beruhigung und doch voll Bestürzung:
Sie ist erwacht!
Jetzt – in einem Augenblicke – flüsterte Tiebold ...
Wo ich, konnte die Tante für sich hinzusetzen, schon die Freude habe zu sehen, wie dieser liebenswürdige junge Mann förmlich schon unter dem Umstand leidet, seinen Hut nicht holen und sich bei etwas Vorgefallenem nützlich machen zu können ... Wie ganz anders das, als einst z.B. mein Levinus war! ...
Im Erwachen weiss sie nichts mehr von dem, was sie im Traumschlaf gesehen? fragte Püttmeier im Gehen und atemlos vor Beklemmung ...
Kein Wort weiss sie dann! bestätigte die Tante. Sie können sich denken, wie diese Dinge uns aufregen. So besonders lebhaft sprach sie seit lange nicht wieder, und wir glaubten schon den höchsten Grad erreicht zu haben ... Sie werden sehen, dass sich unser Engel nach einigen Minuten erholt hat und am Arm ihrer Freundin eintritt, als wenn nichts geschehen wäre ... Was mag nur die plötzliche Störung gewesen sein! Und gerade da, an – der verhängnissvollen Eiche? ...
So kamen sie in das behagliche Wohnzimmer zurück ...
Und Sie dürfen in der Tat annehmen, meine Gnädigste, begann Püttmeier, dass das alles –
Na natürlicherweise! fiel Tiebold ein und erklärte es für "selbstverständlich", dass die Herren, die gegen Abend zurückkommen würden, alles das als wirklich so vorgefallen bestätigen würden ...
Püttmeier musste bedauern, dass die weite Entfernung Eschedes ihn zwang, unmittelbar nach dem Diner sich schon in den Wagen zu setzen, der ihn heute früh abgeholt hatte, und wieder in sein Städtchen zurückzufahren ...
Die Tante war inzwischen mit der Nachfrage um das Diner beschäftigt. Die Störung des Leichenbegängnisses nahm sie allmählich für etwas wirklich Vorgekommenes, vielleicht doch nur Unverfängliches. Sie wüsste, sagte sie, wie schreckhaft Paula wäre und wie schon die geringste Abweichung von dem, was in der Ordnung, sie in Verwirrung bringen könnte ...
Tiebold schwebte hoch über der Erde. Er erzählte eine Anzahl von Geschichten, die ihm die alten Holzvermesser seines Geschäfts, die Förster und Holzschläger auf seinen Reisen als glaubhafte "Ahnungen" versichert hätten. Er behauptete, in Canada englische, aus Schottland gebürtige Soldaten gesehen zu haben, die am zweiten Gesicht krank waren; krank, betonte er, wenn man krank eine so wunderbare Gabe nennen könnte, die sogar ansteckend sein soll; ja in der Tat, Herr Doctor –! Tiebold versicherte, dass ihm Hedemann erzählt hätte, wenn in einer schottischen Compagnie nur ein einziger Geister sähe, sähen bald alle welche. Selbst der Oberst von Hülleshoven, der doch gewiss ein Mann ohne Vorurteile wäre, hätte dies versichert –
Nun kam die Tante von einer Inspection des jenseit des grossen Empfangssaales gedeckten Tisches zurück und Tiebold musste von dem hier bedenklichen Obersten schweigen ...
Die Tante reichte Püttmeiern den Arm ... Tiebold bedeutete, auf Paula und Armgart warten zu müssen. Die Tante bat ihn zu kommen; die jungen Damen würden nicht ausbleiben ...
In der Tat erschien, als die drei Vorausgegangenen in einem fast im Styl eines klösterlichen Refectoriums angelegten, rings mit kunstvoll ausgelegten hohen Schränken und krystall- und silberbeschwerten Büffets versehenen Zimmer an ihren Stühlen standen, Paula, geführt von Armgart.
Beide kamen wie aus der Märchenwelt. Paula wie eine Fee, Armgart wie ein ihr dienender Elfe. Jene in heiterer Sicherheit, ahnungsvoll im Besitz ihres Reichtums und in der Fülle ihrer Gaben, sie ohne Anspruch auf Dank verschenkend ... Diese der Erde angehörender, minder zuverlässig, eher wie das Licht des Mondes gehalten gegen den Strahl der Sonne ... Beide hätten Kränze auf ihren schönen bleichen Häuptern tragen sollen, Paula von himmelblauen Winden, Armgart von grünem Epheu ... Armgart klammerte sich an ihre Freundin, wie wenn diese das geheimnis auch i h r e s Lebens hielt ... Paula, selbst so hülfsbedürftig, selbst so schwankend bewegt von ihrem innerlich bangen, äusserlich zwar noch immer glänzenden, aber doch ungewissen Geschick, bewegt von ihrer stillen Liebe, bewegt von ihrem Naturlose, das sie sogar von dem, was ihr eben geschehen war, selbst nichts wissen liess, schwebte sicherer dahin als Armgart, die fast mit scheuem Gewissen zur Erde blickte ...
Das Mittagsmahl stand in seltsamem Gegensatz zu dem eben Erlebten. Suppe, Rotwild, Auerhähne, grünes Kraut und Kastanien – und hinter jedem Stuhl vielleicht ein abgeschiedener Geist! In einem Winkel