burschikos fortbrummte:
Diese Sucht von den Messnern, überall mit uns umzugehen, als wenn der ganze Gottesdienst ein blosser Spass gewesen wäre! Schon wie die Barbiere kommen sie des Morgens zu Gott und kramen in der Sakristei ihre Neuigkeiten aus!
Nun pfiff sich sogar Müllenhoff eine leichte Weise und genoss im Stillen seinen Triumph, in die Predigt hinein eine Rüge des gräflichen Bauwesens eingeflochten zu haben ...
Tübbicke kam zurück ...
Tübbicke! sagte der Pfarrer, etwas versöhnlicher gestimmt. Dass wir uns so wenig verstehen!
Sechsundsiebzig! war die Antwort ...
Ja, Tübbicke, Sie sollten sich einen Beistand halten! Wenn Ihr Sohn nicht in Witoborn maître-tailleur wäre – Schande, Schande auch über diese neubackene Aefferei!
Ei, mein Sohn war in Paris, Herr Pfarrer!
Deshalb will er kein deutscher Ziegenbock mehr sein? Es ist ja wahr! Er trägt einen Bart, der Kerl, so lang wie ein Kameel!
Herr Pfarrer, junge Leute –
Vierzig Jahre alt ist der communistische Mucker! Tübbicke, Tübbicke! Ich höre, dass Ihr maître-tailleur auf dem Finkenhof verkehrt! Ich sage Ihnen, raten Sie ihm Gutes! Der Finkenhof und alles, was wir hierorts von Sodom und Gomorrha noch im Nest haben, hat an mir einen schlimmen Aufpasser! Warten Sie ab! Sitzt auch noch der Kirchenfürst in Ketten und Banden, der Sieg ist unser! Wir haben unsere Kraft fühlen gelernt! Nun muss es von Grund aus in Na, ich denke doch, sagte Tübbicke, der Herr ArBald darauf hielt denn auch wirklich der Archipres
weissagt
v o n
sein
L u t h e r b i s T u c h o l s k y
L e i d e n " gab die Veranlassung zu diesem Tema, das Bonaventura sonst wohl vermieden hätte. Er m u ss t e darüber predigen. Er sagte, wir wüssten alle selbst unser künftiges Schicksal, wenn wir uns nur mehr gewöhnten in Gott zu leben, d.h. auf die innere stimme in uns selbst zu hören.
Auch nach diesem ersten Gottesdienste und während Bonaventura (wie sich wohl denken lässt) tief schweigsam und von seinen neuen Eindrücken erschüttert in der Sakristei sich entkleidete und ringsum die Bevölkerung aufgeregt, urteilend, vergleichend, erwartungsvoll sich zerstreute, polterte Müllenhoff, der gewissermassen nur Bonaventura's Vicar war, wieder über die baulichen Grillen des baron Levinus ...
Für sein chemisches Laboratorium weiss er nicht genug Geld auszugeben! sagte er. Ja, Herr von Asselyn, melden Sie ihm das! Diese Tür hier muss neu gebaut werden! Es ist wahr, ich habe sie verlangt, aber sehen Sie nur, wie der Schnee hereinfegt! Eine Doppeltür muss es sein! Und überhaupt, was hoff' ich nicht alles von Ihnen!
Bonaventura verstand kaum etwas von Tübbicke's dienstgefälliger Erläuterung ... Früher war die Sakristei ohne eigenen Eingang gewesen. Der Pfarrer musste durch die Kirche gehen. Müllenhoff hatte erst eine Tür durchbrechen lassen. Nun lag sie ihm doch dem Wind und dem Wetter zu offen ausgesetzt ...
Als noch der Eingang durchs Schiff war, hat hier ein Cardinal celebrirt –! äusserte Tübbicke ...
Schweigen Sie! bedeutete Norbert und reichte dem Domherrn eine Prise ...
Tübbicke ging auch heute wieder in die Kirche, um die Lichter zu löschen ...
Müllenhoff sprach hinter ihm her:
Nicht wahr, der Meinung sind Sie doch auch, Domherr? Malt muss das Reinigen der Kirche mit dem nächsten anfangen, was nur unser Kehrbesen trifft! Dieser Tübbicke ist wie die Messner sämmtlich sind! Ich sagte ihm schon neulich: Tübbicke, sitzt das Wachs noch nächsten Freitag an den Leuchtern auf der Epistelseite, so nehm' ich mit eigner Hand vor dem Introito ein Tuch und putze die heiligen Gefässe selbst vor der ganzen Gemeinde rein!
Bonaventura, in tiefen Gedanken, lächelte und sprach:
Dann können Sie ja mit dem Apostel sagen: Es sind Gefässe des Zorns!
Bonaventura sah am alten Tübbicke, er hatte die gewöhnliche Krankheit der Kirchendiener (wie auch Lucindens Vater als Schulmeister), sich mit dem lieben Gott auf einem ganz besonders kameradschaftlichen fuss zu wissen. Auch Tübbicke war wie ein alter guter Kammerdiener der Heiligen. Die Livree der Mutter Gottes trug er, wie wenn er die hohe Frau einst als Kind auf seinen Knieen geschaukelt hätte. Christus war ihm fast wie der "junge Herr" in seiner Himmelsfamilie und die wechselnden Geistlichen waren ihm nur neuangeworbene Hofmeister, die manches gar nicht in der Weise verstanden, wie die Tradition des hochgräflich himmlischen Hofstaats es mit sich brachte. Das war nun gerade der Anstoss, den Müllenhoff nahm. Ich glaube, Sie dünken sich wohl einen Liturgiker, hatte er dem Alten gleich nach seiner ersten Messe gesagt, als dieser ihm bemerken wollte, dass seit neun Jahrhunderten in der Liborikirche die Communicanten erst dann knieeten, wenn sie an die Communicantenbank kämen, vorher dürften sie stehen. Nach Müllenhoff mussten sie g l e i c h knieen und zwar u t r o q u e genu! wie er donnerte. Und von dem Tage an, wo Tübbicke sich bei wiederholter Anfechtung seiner alten Art, die Gläubigen zu ordnen und zu scharen und bei erneuetem Rufe: Utroque genu! die Bemerkung erlaubt hatte: Na, Herr Pfarrer, Sie werden sehen, dass die Bauern sich beklagen, weil die Jungens auf die Art zu viel Hosen zerreissen! da