einstieg, geschmückt mit bunten Kränzen, hoch den Sitz mit Blumen belegt ...
Er sah Männer mit fackeln, die ihm Abschied sprachen, Frauen, die mit den Taschentüchern winkten und wehten ...
Als der Wagen durch das grosse Portal fahren wollte, umringte ihn ein Chor von Knaben, die ihn mit einem Lobgesang begrüssten ...
Er erkannte die Kattendyks, seine Beichtkinder, auch Treudchen Lei, sogar im Scheine hochgehaltener vierflammiger Kirchenlaternen einen kleinen Mann, schwarz und weiss angetan, Herrn Jean Baptiste Maria Schnuphase, der eine feurige Rede hielt ...
Auch die Frau in silbernen Locken schien ihm an einem Pfeiler zu stehen und sinnend und träumerisch ihm nachzublicken ...
Ringsum öffneten sich die Fenster im hof und die sonst so grämlichen alten Bewohner des Hauses – ihm waren sie freundlich, ihm lächelten sie Abschied und frohes Wiedersehen! – denn, wie Klingsohr gesagt hatte, "die göttinger Ritter des Guelphenordens fühlten die Transfusion des jungen Blutes in ihren Adern" ...
Der junge Domherr, leichenblass, sprach der zahlreich versammelten Menge Worte des Dankes, Worte der Wehmut ...
Was er sprach, sprechen konnte, stand mit dem Schmerz des Abschieds im Einklang ...
So kam er grüssend, handwinkend auf die Post, wo er von allen Blumen nur einen kleinen Strauss zurückbehielt und ihn in den engen Postomnibus mitnahm, der nun erst wieder auf das kleine Stückchen schon benutzter Eisenbahn fuhr ...
Unmittelbar mit eigenem Fuhrwerk zur Eisenbahn zu fahren, war keinem gestattet, der mit der Post später weiter wollte. Im Postof musste man sich sammeln und dort wurden die Namen aufgerufen ... So war das Ghibellinentum. Präcis, höchst geordnet, ganz nach dem militärischen geist Grützmacher's und Schulzendorf's und wie Tiebold de Jonge bei den Freunden Piter's berichtet hatte, der Generalpostmeister (Bundestagsgesandter) sprach einst wirklich das historische Wort gegen Einführung der Eisenbahnen: "Mit solchen Neuerungen hört die Ueberwachung der demagogischen Umtriebe auf!" ...
Benno's Kampf lag eben in diesem unvermittelten Gegensatz so vieles Hochherrlichen am Ghibellinenund so manches Hochherrlichen am Welfentum ...
Wie sehnte sich Bonaventura nach dem Geist eines Dritten, das über diesen Gegensätzen versöhnend schwebte –!
Er fuhr von dannen – tief unglücklich – das Rätsel der Welt im Herzen.
Ende des vierten Buches.
Fünfter Band
Fünftes Buch
1.
"C.M.B.
Caspar, Melchior, Baltasar.
... Diese Namen der heiligen drei Könige aus dem Morgenland schrieb die alte Zeit über Tür und Schwelle eines jedes Christenhauses, um dem Heiland daraus eine Weihnachtskrippe zu bereiten.
Aber sie können noch mehr sagen, die heiligen drei
Könige aus dem Morgenland! Sie können euch zurufen: C.M.B.: C – reuzige M – eine B – egierden! C – hristus M – ein B – ekenntniss! C – hristus M – eine B – ahn! C – ommunicire M – it B – edacht! C – abalen M – üssen B – rechen! C – abinetsweisheit M – acht B – ankrott!"
In dieser harmlos zeitgemässen Weise war in der ur
alten Archipresbyteriatskirche zwischen Witoborn, Stift Heiligenkreuz und Schloss Westerhof, am heiligen Dreikönigstag gepredigt worden vor einer aus Hoch und Niedrig bestehenden Gemeinde, die auch deshalb so zahlreich vertreten war, weil alles erwartete, der von vierundzwanzig Damenhänden gefertigte Wunderteppich, die vom Doctor Laurenz Püttmeier gezeichnete Vision der "Seherin von Westerhof", würde heute vom Pfarrer Norbert Müllenhoff geweiht werden. Diese "Weihe" musste dem ersten Betreten des Teppichs durch den erwarteten Archipresbyter vorangehen.
Aber noch drei Wochen vergingen, bis diese heilige Handlung vollzogen werden konnte. Die Damen hatten für den Kirchenfürsten zu viel zu sticken und damit jenen Müllenhoff'schen – "Bankrott aller Cabinetsweisheit" zu beweisen ...
Armgart war mit ihrem Drachen, den sie, wie Terschka an jenem Abend bei Piter Kattendyk berichtet, durch "längern Umgang lieb gewonnen hatte", fast die erste fertig und hatte sich bereits wieder in zwei "Vielliebchen" verloren, die sie für Tiebold und Benno fertigte, eine Cigarrentasche und einen Aschenbecher ... Nur ihre übrigen Mitfräulein im Stifte zögerten so lange mit Ablieferung ihrer Einzelteile der grossen Arbeit, die dann Jean Tübbicke, nicht Schneidermeister, sondern – man staune des Fortschritts zu Witoborn! – "Maître-tailleur" in der alten Priesterstadt und sogar der Sohn eines Messners, des alten Messners Tübbicke hier zu sankt-Libori selbst, nach Püttmeier's Zeichnung zusammenzunähen hatte.
Armgart sass am Dreikönigstag gleichfalls in der Kirche.
Ach, sie deutete sich diese akrostichische Nutzanwendung von C.M.B. aus dem mund des jungen so schlagfertigen Geistlichen, der noch nicht zu lange aus dem Seminar gekommen war und schon auf zwei Pfarren fungirt und seines reformatorischen Eifers wegen zwar überall Spectakel gehabt, aber dennoch diese höchst vortreffliche Pfarre auf den DorsteCamphausen'schen Gütern bekommen hatte, in ihrer Weise ...
Ihr – sprachen Caspar Melchior Baltasar: Herr! C – röne M – ein B – eginnen! ... Dass sie dabei "Cröne" mit einem C schrieb, entsprach den Witoborner alten Gesangbüchern. Stand doch die ganze Bildung jener Gegend noch auf dem Standpunkte mehr von 1738 als von hundert Jahren später. Die wunderherrlichen Gedichte der Annette von DrosteHülshoff, dieser edlen, anschauungsreichen Sängerin, die, wie Benno von Asselyn gelegentlich zum Verdruss der Tante Benigna