! Das ist ja die Selbsterrlichkeit Ihrer Philosophie! Trefflich! Trefflich! Darin findet die Heilige die künftige Hölle der kölnischen Geistlichkeit! Die scheinbare Logik der Kirchenverbesserung ist es ja, die scheinbare Tugend ihrer Bekenner, die scheinbare Aehnlichkeit mit den Propheten, die scheinbare Grösse der, wie man sich rühmt, reiner erkannten Schrift, dies ewige Frösteln in der gemässigten Temperatur des Rationalismus, das zu sehen, das der Menschheit genügend finden zu sollen, ja allerdings das kann und muss für jede rechtgläubige Seele schon auf Erden die Hölle sein!
In ein Murmeln der Ghibellinen hinein entgegnete Monika:
O häufen Sie nicht soviel Schmach über das arme kleine kranke Mütterlein, das da in seiner binger Klosterzelle so Grosses und so Entsetzliches träumend lag! Wer weiss, ob ihr treuer, mit ihr alt gewordener Freund, der Benedictiner Gottfried nicht zitterte vor dem, was sie sah und er gehorsam der Hocherleuchteten nachschreiben sollte! Immer hatte sie den schönsten, liebenswürdigsten Wahrheitsdrang, den es nur in einem Frauenherzen geben kann, aber dass sie vor einem andern Lehrsatze erschrickt, als dem, in dem sie unterrichtet wurde, das ist die Unreife ihrer Zeit. Und dass sie noch so gerecht ist und dem Teufel einräumt, ein so guter Schauspieler zu sein! Die Ketzer sind tugendhaft, sagt sie, aber traut dieser Tugend nicht! Diese Tugend stammt nicht einmal aus Verstellung – das schreibt sie wörtlich – nein, der Teufel gab den Albigensern und Waldensern, die Innocenz III. mit Feuer und Schwert vertilgt wissen wollte und deren er allein bei Schloss Castellungo im Piemontesischen Hunderte verbrennen liess, die Kraft, wirklich tugendhaft zu sein, wirklich die Sitte der Frauen zu schonen, wirklich entaltsam zu sein, aber – der Teufel erfüllte nur die "Luft mit solchen Geistern", dass sie sagten: O wir sind heilig und vom Heiligen geist durchgossen! Das Volk wird sich, fährt sie fort, an ihrem Wandel erfreuen, wird ihnen folgen; sie werden sogar die guten Streiter der rechtgläubigen Kirche s c h o n e n , hören Sie, s c h o n e n d.h. diese Unglücklichen werden, wenn sie einmal ein klein, klein wenig Macht haben, gegen Andersdenkende liebevoll und tolerant sein ... aber alle diese Beweise von Milde und Güte sieht die arme kleine unglückliche gebrechliche Frau nur als Lügen an; alles muss der Teufel gemacht haben, alles, alles, was sie beinahe schon liebt, schon bewundert! Ist das nicht entsetzlich? Die Albigenser und Waldenser wurden mit Feuer und Schwert vernichtet, sie starben in den Flammen mit einem Hosianna, sie waren liebevolle Väter, treue Gatten, zärtliche Gattinnen, aufopfernde Mütter, gehorsame Kinder; aber – d a ss sie alles das waren, das hatte der Teufel nur so in die Luft "gezaubert"! Gezaubert! D a s die Welt glauben zu machen, war von Seiten Roms gewiss die grösste Zauberei!
Die junge Frau hatte sich erhoben ...
Zwar stand ihr die leidenschaft, mit der sie ihre Ueberzeugungen aussprach, herrlich schön ... Ihr Auge blitzte voll göttlichen Feuers ... Ein Zug des Schmerzes um die beredten Lippen gab ihrem Vortrage und der Geltendmachung ihrer Kenntnisse soviel Ueberzeugtes und Ueberzeugendes, dass sie die Königin des Abends gewesen wäre, wenn nicht eine ängstliche Stille ihrer Rede gefolgt wäre, alles auseinander ging und Terschka, aufspringend, bemüht gewesen wäre, wenigstens scherzend die Stimmung wieder in den für diese Stadt und solche Gesellschaft angemessenen Geist hinüberzulenken. Sie sind krank! flüsterte er ihr heimlich zu'; dann rief er mit schnell sich fassender Geistesgegenwart:
Gnädige Frau, das erinnert mich ja ganz an eine Aeusserung Ihres Fräuleins Tochter! fräulein Armgart bekam durchs los an dem Teppich für den Domherrn von Asselyn einen teil zu sticken, auf dem ein hässlicher Drachenkopf abgebildet ist. Erst war sie darüber ganz ausser sich! Hernach sagte sie, dass sie den Drachenkopf schon ganz lieb gewonnen hätte und sie nun wohl einsähe, wie man sich so auch durch längern Umgang an den Teufel gewöhnen könnte!
Der noch gebliebene Kreis ging auf Terschka's gute Laune ein und rasch fuhr er fort:
Ja, meine Damen! Das wird ein Prachtstück werden! Es ist, wie gesagt, eine Vision der Gräfin! Der Körper des heiligen Liborius wurde aus Frankreich hierher herübergebracht zum Geschenk von Kaiser Ludwig dem Frommen. Dem Schrein voraus, erzählt die Legende, zog wunderbarerweise ein Pfau, der sich der feierlichen Procession angeschlossen hatte und nicht weichen wollte. Der Vogel des Stolzes wurde der Vogel des Triumphes. In der Vision der Gräfin ist er riesengross und schlägt ein majestätisches Rad durch alle Himmel und über die Erde und über die Hölle. Der Regenbogen ist es, den die letzten Augen seines Schweifes bilden. In den Ecken sitzen geflügelte Löwen und Leoparden und tief unterwärts Drachen und Lindwürmer. Nach Comtesse Paula sollte der Pfau, der der Verherrlichung des heiligen Liborius gewidmet ist, auf seinem haupt die dreifache Krone tragen. Da man aber vom hochwürdigsten Sitz des Heiligen Vaters leicht ein unehrerbietiges Bild darin hätte sehen können, substituirte man als Haupteszierde des Pfauen ein Kreuz ...
In dem Geplauder fing man an sich zu zerstreuen ...
Eine Furcht vor einer so über alles Mass hinausgehenden Meinungsäusserung wie bei Monika schien sich der Meisten bemächtigt zu haben und der Ausserordentliche triumphirte ...
Da es zum Souper zu gehen schien, erhob sich auch Lucinde, die sonst in der Laune