voll Ehrfurcht und mit einem nie so reich gewesenen Ertrag von "Beichtpfennigen", wie sich jetzt ein solcher seit der Erhebung dieses gefeierten Priesters zum Domherrn ergab, ihn empfing und zur Sakristei geleitete ...
Als er mit einem fuss schon aus dem Beichtstuhl war, bemerkte er, dass der Messner einen Zuspätgekommenen, der an der linken Seite des Stuhles knieete, entfernen wollte ...
Es war ein Mann aus dem untersten volk, mit einer Blouse über dem Rock. Ein Filzhut bedeckte das nicht sichtbare Antlitz ... nur ein krauses, struppiges, rötlich blondes Haar sah er. Der Betende schien sich nicht wollen stören zu lassen ...
Bonaventura winkte dem Messner und trat in den Stuhl zurück ...
mächtig schollen die Klänge des Hochamts, heute sogar, wie oft, begleitet von einer Instrumentalmusik. Sie wogten durch das hohe Gewölbe und dennoch blieb in diesem entlegenen, dunkeln Winkel die geflüsterte Zwiesprache innerhalb des Stuhles deutlich vernehmbar.
Eine heisere, fremdartig betonende stimme war es, die mit ihm sprach ...
Bald erkannte er, dass sich ihm ein ruheloses Gemüt offenbaren wollte ...
Er erkannte, dass er mit einem Verbrecher sprach ...
Eine Zeit lang hörte er ruhig zu. Der Ton schien von einer nicht gänzlich verwahrlosten Seele zu kommen, aber auch von einem Gemüte höchster Beschränkung ... Der Mann sprach von einer unterirdischen Erscheinung, von einem Marienbilde unter der Erde, das ihm oftmals zurufe: Tue Busse! ... Es hätte ihm schon einmal die Warnung vor einem mann gegeben, der dann auch richtig neulich hätte den Kopf hergeben müssen ...
Hammaker? sprach Bonaventura zu sich ...
Der Mann erzählte, er wäre unter Verbrechern aufgewachsen, hätte bitter gebüsst, lange Jahre in Frankreich in Kerker und Banden gelebt, sich im Vaterland "etabliren" wollen – immer war das Deutsche von französischen Worten unterbrochen – aber neue Verführung wäre gekommen, selbst das Heiligste hätte ihn nicht zurückgeschreckt – er hätte ein Grab erbrochen ...
Bonaventura bebte auf ...
Nun erscheine ihm auch, sagte die stimme, der tote, den er auf die nackte Erde geworfen, und fordere von ihm zurück, was er ihm genommen, und doch wäre es nichts gewesen, qu'une bagatelle – Schriften, die er nicht lesen könne ...
Bonaventura hörte schon nicht mehr ... Die Sinne vergingen ihm ... Bei der ersten Ahnung, mit einem Verbrecher zu sprechen, hatte er sein Antlitz ganz verhüllt, hatte die ganze, volle Vorschrift der Regel des Beichtörens auf sich wirken lassen und sich so verborgen, dass der Geständige in seinem Mute nicht wankend werden sollte ... Nun diese neue Entdekkung! War das Bickert, der Knecht aus dem Weissen Ross? Der Leichenstörer, den die Häscher seit Monaten suchten? Bickert, der mehr gefunden im Sarge des alten Mevissen, als Bonaventura dem Onkel Dechanten vorgelegt? Schriften, die an seinen Vater erinnern konnten –
Hinauszustürzen aus dem Beichtstuhl, den Verbrecher festzuhalten, hülfe zu rufen – das war sofort sein Gedanke – aber – Innocenz und Hildebrand, wie schultet ihr euere Reisige! Ein katolischer Priester wird erzogen, in der beichte von Ravaillac zu hören, dass er den König von Frankreich ermorden wolle. Er wird, ähnlich wie Pater Cotton, der Jesuit, getan, auf diesen ihm vorgelegten Fall antworten: Ich werde den König warnen, werde stündlich um ihn sein, werde den Todesstoss statt seiner empfangen; aber dem Mörder kann ich nur seine Sünde vorhalten und ihm ins Gewissen reden – seine Tat gehört Gott – seine person kenn' ich nicht ...
Die beichte zu s p r e c h e n , nennt die Kirche das schönste und grösste Heldentum des Menschen. Petrus weinte bittere Tränen, Magdalena wand sich zu den Füssen des Heilands, Augustinus gestand in seinen Bekenntnissen die Verirrungen seiner Jugend ... Aber nicht minder gross ist das Heldentum des Beicht ö r e n s ... Christus hörte noch die beichte eines Mörders, der am Kreuze neben ihm hing, während sein eigenes Leben verschmachtete und der unbussfertige Schächer ihn lästerte ...
Und dennoch, dennoch riss unsern Freund die kindliche Liebe hin ...
Unglücklicher! rief er fast in die schmetternden Klänge des Hochamts hinaus. Was führt dich gerade zu mir? Wisse! Ich, ich bin der Pfarrer des Friedhofs gewesen, den du entweihtest in sankt-Wolfgang!
Das rotblonde struppige Haupt erhob sich einen Augenblick und sank, zuckend unter einem grauen hut sich verbergend, kraftlos nieder ... Der Spätling hatte diese Fügung des Zufalls nicht erwartet ...
Uebersende mir die Schriften, von denen du sprichst! Die Ruhe meines Lebens hängt von ihnen ab! ... Ach, gewiss auch die Ruhe deines Lebens! Weisst du doch, selig sind die toten, denn sie werden Gott schauen! Vor seinem allwissenden Antlitz wird der von dir in seinem grab Gestörte auch für deine Seele bitten! Ist deine Reue eine wahre, ist diese Anfechtung zur Rückkehr in alte Schuld die letzte gewesen, dann kniee nieder vor der allerseligsten Jungfrau, wenn sie dir wieder erscheint in den Höhlen, wo du vor dem arme der Gerechtigkeit dich verbirgst, bekenne ihr deinen Trieb zur Besserung, und willst du die vollste Aussöhnung mit Gott auch nur einmal, einmal erproben, in dem Genuss seines heiligen Leibes, o, so will