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und des göttlichen Willens erhoben hat ...

Bonaventura's Stocken beängstigte die Beichtende, die es um sich her immer lebhafter werden hörte ...

Ich komme wieder! sagte sie, um abzubrechen ...

Sie sprachen von keinem Bunde, den Sie wirklich schliessen wollen, hielt sie Bonaventura, sondern nur von der Beunruhigung Ihres Gewissens, wenn Sie ihn schliessen wollten. Warum begeben Sie Ihr Nachdenken in eine Gefahr, der sich auszusetzen Sie nichts zwingt?

Will man denn nicht das, erwiderte Monika, was uns ein Anhalt des Lebens sein soll, gegen alle und jede Möglichkeit der Anfechtung stark und sicher sehen?

Die Gefahr wird an Ihnen vorübergehen!

Und wenn nun nicht?

Der Priester musste sich's so natürlich denken, dass eine so gestörte Ehe damit enden konnte, dass eine junge, wie er nun hörte, mit Vorzügen des Geistes ausgestattete Frau noch einmal eine Bewerbung fand, der sie nicht widerstehen konnte. An Armgart mochte er sie nicht erinnern, da er deren den älteren gegenüber durchgeführte Gesinnung kannte und der Beichtenden nicht verraten mochte, dass ihre person ihm kein geheimnis war. So blieb ihm nichts übrig, als die Zweifel, die auch an ihm in diesem Punkte nagten, zu überwinden und das zu tun, was er in seinem Berufe schon manchmal recht schmerzlich sich mit den Worten gestand: Wir gleichen den Aerzten, die aus Mangel an erkenntnis und einer wahren hülfe dem armen Leidenden wassergefärbt mit einem roten süssen Safte, verschreiben!

Ich sehe Sie in dem Zustande, sagte er, den die Schrift den des zerstossenen Rohres nennt und der Sänger des Dies Irae das Cor contritum quasi cinis! Das Herz zermürbt wie Asche! Bekämpfen Sie Ihre Stimmungen und halten Sie noch Betrachtungen über die Kirche davon fern! Fassen Sie die Kirche als ein grosses Ganzes! Dass Sie als Kind am Freitage fasteten, was sagte es denn? Es sagte: Ich gehöre einer Gemeinschaft an, die das Vernunftgesetz über das Naturgesetz erhoben hat! Dass wir der Wildheit die Gesellschaft abrangen, dass wir einen Bund der Gesittung, der Künste, Wissenschaften, der Ordnung, eine Gesellschaft haben, wo die Tyrannen nicht herrschen, die Räuber, die Mörder schweigen und abseits treten müssen, wem anders verdanken wir denn das, als der Zähmung unserer natürlichen Begierden?

Monika schwieg ... Sie beschloss, dem Vernommenen nachzudenken ... Schon der bald sanfte, bald strenge Ton hatte sie erhoben ...

Bonaventura schloss:

Kehren Sie bald, bald wieder! Absolvo te in nomine patris, filii et spiritus sancti!

Er machte das Kreuzeszeichen, zog sein Fenster zu und lehnte sich eine Weile in seinen Stuhl zurücktief, tiefunzufrieden mit sich selbst ...

Aber Ruhe, Kampf der Seele, Sieg gab es da wenig. Die Zahl der Harrenden war angewachsen. Schon meldete sich's am andern Fenster ...

Er zog den Vorhang zurück. Er tat es mit dem Gefühl: Welch ein Stümper erscheinst du doch bei wirklichen Leiden! Kannst du dies Holz denn verlassen und einem Priester begegnen, ohne dass ihr beide vor einander die Augen niederschlagt?

Schon sprach wieder eine sanfte stimme die übliche Anrede.

Auch diese stimme kam von einem weib. Auch sie ertönte aus den Umhüllungen eines zwar nicht schönen, aber jugendlichen Hauptes. Ein kostbarer Pelz lag dicht am Gitter und berührte fast sein Beichttuch ...

Hochwürdiger Vater, ich bin unglücklich! ...

Der Beichtstuhl, mein Kind, hört nur das Unglück durch Sünden ...

Ich sündige wider die Gebote der Kirche und doch spricht mein Herz mich frei!

Sollte die Versuchung des armen Leviten nicht enden! Bonaventura erklärte die vernommenen Worte für einen Widerspruch und wünschte Aufklärung ...

Ich werde in wenig Wochen Mutter sein! Mein Gatte ist Protestant und ich bin zweifelhaft, das Kind in meinem Glauben taufen zu lassen!

Verlangt Ihr Gatte das Gegenteil?

Er verlangt es nicht! Er verdankt seine Lebensstellung mir, er ist die Rücksicht selbst! Dennoch schenkt' ich gern unser seit zehn Jahren ersehntes Kind ganz nur ihm!

Da tun Sie Unrecht! Sie bringen dem einen das, was er nicht begehrt, das kann Grossmut sein; aber Sie entziehen es einem andern, der darauf Ansprüche hat; das ist ein Raub!

Ich bin meinem Gatten Grossmut schuldig, ich bin ihm Genugtuung schuldig! Und gerade vor meiner Familie, die ihn kränkt, zurücksetzt, sich freut, zwischen uns eine Trennung zu wissen! Ich fühle, dass ich ihm mein Kind schenken muss um der Liebe willen, um der Liebe ein zeugnis zu geben! Sagen Sie denn auch wie alle andern Priester, dass mein Kind im Jenseits von mir getrennt sein wird?

Die Schrift sagt: "Bei unserm himmlischen Vater gibt es viele Wohnungen." Vertrauen Sie auf seine Gnade, wenn Sie sich nicht noch anders besinnen und von Ihrem Gatten zu Ihrer Religionspflicht zurückführen lassen. Gaben Sie bei Ihrer Verbindung dem Geistlichen, der Sie traute, kein Versprechen über Ihre Kinder?

Man verlangte es damals nicht! Das ist über zehn Jahre her ...

... Die Fälle der gemischten Ehen kamen jetzt so oft im Beichtstuhl vor. Dennoch horchte Bonaventura auf und gedachte der Zerwürfnisse im Kattendyk'schen haus, dem haus, wo Treudchen und Lucinde wohnten ...

Glauben Sie auch, hochwürdiger Vater, fuhr die zitternde stimme fort, dass ich nicht die Aussegnung