Warum trieb Sie dieser zu Ihrer Missetat?
Zögernd sprach Hammaker:
Man hat mich beschuldigt –
Dass Sie Ihren Freund, Ihren Wohltäter ermorden wollen! Begingen Sie diese Tat?
Vor den Assisen hatte Hammaker, wie immer: Nein! gesagt. Hier wiederholte er die gleiche Aussage, fügte aber hinzu: Doch wüssten Sie das Nähere –
Wenn es Sie entlastet von dem Verdachte – sprach Bonaventura fast unhörbar ... sonst – lehnte er fast die Belastung auch des Procurators ab –
Ich handelte – vielleicht – wie der Mönch –
Unwürdige Vergleichung! wallte Bonaventura auf ...
Auch Nück suchte den Tod – versicherte Hammaker ...
Die Wonnen des Todes! Sie verführten ihn zu einer Handlung des Wahnsinns! Sie machten ihn sicher, immer sicherer, bis Sie ihn zuletzt beraubten und morden wollten ...
Hochwürdiger Priester! Ja, ich beraubte ihn – Als es aber geschehen war – tat ich, was ich zehn Jahre lang getan – ich hob die Schlinge aus ihrer Angel. Freilich – diesmal stieg ich aus dem Fenster – warf das Schlüsselbund zurück – half ihm nicht zum Bewusstsein durch kaltes wasser und das Reiben seiner Schläfe zurück ... ich entfloh ...
Als Mörder! Denn Sie durften annehmen, dass er diesmal nicht wieder zum Leben erwachte!
Der Mörder schwieg ... Es war eine Bejahung.
Die tückische List seiner Erzählung stellte nicht ganz die Aufrichtigkeit aller seiner übrigen Geständnisse in Abrede. Er kam auf seine Bekanntschaft mit der Hauptmännin von Buschbeck, auf die Vermittelung ihrer Anliegen wegen ihrer Gelder, ihren bösen, menschenfeindlichen Sinn, er deutete die Beziehungen dieser Frau zu dem Krieger, Jäger, dann Mönche Hubertus an, Beziehungen, die in Erfahrung zu bringen Bonaventura wiederholt ablehnte, und berief sich für seine letzte Tat auf das, was bereits vor den Assisen von ihm bekannt war ...
Der schrillste Nachklang, der durch alle diese Worte hindurchtönte, blieb die Andeutung über Dominicus Nück. Sie war eine Rache für den verweigerten Griff in die Dose ... Vielleicht auch hatte der Mörder ein Entkommen durch Nück gehofft, vielleicht Nück durchschaut, der ihn am liebsten für immer aus der Welt geschafft sah. Ein noch Lebender, rastlos und mutvoll in der Gegenwart wirkend, lag da nun in seinem tiefsten Lebensgeheimnisse aufgedeckt vor den Augen eines Priesters, der täglich mit ihm verkehren, täglich harmlos und scheinbar unbefangen mit ihm sprechen konnte, auch so nur mit ihm sprechen d u r f t e ! ... Das sind Bürden! sprach es in Bonaventura's Innerstem ...
Zwar wandte er noch die ganze Kraft seiner Beredsamkeit an, die Stunde, die er an diesem düstern Orte verweilt hatte, zu einer für den Bewohner desselben heilsamen zu machen ... Um den Segen Gottes für den Unglücklichen betete er, wünschte ihm Mut für seine letzte Stunde und war im Begriff, mit den fragen: Haben Sie mir keinen weitern Auftrag auszurichten? An Ihre Mutter? An sonst Zurückbleibende? eine heilige Handlung abzuschliessen, die ihn selbst mehr erschütterte, als den Verbrecher ...
Lauernd sprach dieser:
Ich könnte noch etwas Gutes tun!
O tun Sie es! Gott wird es Ihnen anrechnen ...
Es war eine Tat im Werke ...
Ein neues Verbrechen?
Eine Urkunde – die ich – schreiben liess –
Eine verfälschte –!
Sie sollte bei einer – angelegten Feuersbrunst –
All ihr Heiligen! rief Bonaventura. Wer ist davon bedroht? Wen kann ich über die Gefahr warnen? Ist die Gefahr schon nahe?
Einen Menschen hatte' ich gewonnen ... einen – der sich verbergen muss ... den ich nicht nennen kann ...
Ich will ihn nicht genannt hören, ich will ihn mahnen, ohne dass ich ihn kenne! Durch irgendeine Adresse! Reden Sie! Was kann ich tun, ein solches Verbrechen zu hindern?
Hammaker schwieg plötzlich ...
Bonaventura's Eifer riss ihn zu den fragen hin:
Wer ist es, den die falsche Urkunde benachteiligen soll? Wer hat Sie selbst zu dieser Tat überredet? Wer ist der Leiter dieses Complotts? Reden Sie! Reden Sie! Bei dem Angesichte Gottes, das Sie in wenig Stunden –
In diesem Augenblick rollten wieder die Kugeln über der Zelle hin und vergegenwärtigten Hammakern die dünne Bauart der Decke ... Blitzesschnell schienen sich die Gedanken des Mörders zu ändern ... Hoffnung belebte seine Gesichtszüge ...
Bonaventura stand erwartungsvoll, aber vergebens. Hammaker schwieg.
Reden Sie! donnerte Bonaventura.
Das Geräusch über ihnen dauerte fort ...
Hammaker sprang auf ... Die Kette riss ihn nieder ... Unverwandt starrte er auf die Decke ...
Wenn dich doch noch Nück befreite! stand auf seinen verzerrten Gesichtszügen ...
Reden Sie! wiederholte Bonaventura ...
Lassen Sie es, stöhnte Hammaker, ohne mich – kommt die Sache nicht zur Ausführung ...
Sie verharren in der Lüge! rief Bonaventura. Wer ist gedungen? Wer sind die Bedrohten? Eine Fälschung? Eine Urkunde? Eine Feuersbrunst?
Hammaker schwieg ...
Bonaventura versuchte jede Kunst der Ueberredung; vergebens ... Hammaker sprach nur dumpf:
Ohne mich kommt nichts zur Ausführung! Ich habe bekannt! Es ist – vorüber. Ich kann – in Frieden – sterben ...
Bonaventura musste tiefseufzend nachgeben. Er betete um die Gnade Gottes und entfernte sich in einem Zustande, wie ihn die Märchen