, die ihre Zufriedenheit mit allem ausdrückten, was Terschka und ihre andern Correspondenten berichteten. Die Siegesgewissheit über den gewonnenen Process, wie die Aufregung über die bevorstehende Reise nach dem von ihr so lange ersehnten England, wo sie acht Wochen bleiben wollte, erhöhten die Kundgebungen ihrer Stimmung und weckten eine alte Lebendigkeit ihres Wesens, die sie durch ihre trübe Religionsauffassung schon seit so langen Jahren zu dämpfen verstanden hatte.
Vor den Dienern schwieg sie. Porzia aber, die ohnehin der Sprache nicht ganz folgen konnte, hinderte sie nicht, an Monika, die sich zuletzt ruhig vor der siedenden Teemaschine niedergelassen hatte und bald auf die Gräfin, bald auf die sinnend sich zu schaffen machende Italienerin sah, von den Eindrükken, die sie im Lesen empfing, einzelnes bruchstückweise mitzuteilen ...
Ja, dieser gute Terschka! sagte sie in abgebrochenen Sätzen ... Wenn einer geschickt war, diese Aenderung mit den Verhältnissen in Westerhof in Güte auszugleichen, so war er es! ... Eine Parcellirung ... im grössten Massstabe ... wie vorsichtig, sich an einen einfachen, uneigennützigen Mann zu wenden ... einen Juden, Namens Löb Seligmann ... "Machet euch Freunde mit dem ungerechten Mammon!" ... Aber die Offerten der Fuld's lehnt er ab ... das ist schön! ... Diese Helfer in der Not haben wir in Wien genugsam kennen gelernt! ... Die Lotterie ist nicht erlaubt, wie bei uns ... Also Verkauf! ... so gern – ja so gern ich gewünscht hätte, wir hätten die Burg Gottes aufgerichtet im land der Edomiter und das Evangelium gepredigt denen, die noch unter dem gesetz leben – Terschka grüsst Sie, Baronin! unterbrach sie sich selbst ...
Monika dankte leise nickend ...
Die Gräfin hatte unter der Brille ein wenig aufgeblickt, um zu beobachten, wie dieser Gruss auf die junge Frau wirken würde ... Ihre stimme, die schon an sich wohllautend war, nahm einen besonderen Ausdruck von Innigkeit an, als sie das Wort sprach: "Terschka grüsst Sie, Baronin!"
Ein Purpurrot war auf Monika's Wangen getreten ... Das sah die Gräfin wohl und seufzte ... Monika gedachte, ob Terschka nichts von Armgart schriebe, wie er schon oft getan ... doch auch das Seufzen der Gräfin, das völlig anderes im Sinne hatte, verstand sie ... sie wich fragen und Erörterungen aus und hielt fast den Atem an, jetzt aus andern Gründen noch, als deshalb, die Gräfin nicht in ihrer Spannung zu stören ...
Diese erzählte zwischendurch vom Doctor Abadonna ...
Er wand sich doch wie der Fürst der Finsterniss ... sagte sie. Kriechend höflich war er ... wie einst die Verdammten vor dem ew'gegen Richter stehen müssen ... Der liebenswürdige junge Herr von Asselyn geht morgen nach Westerhof, um die letzte Abwickelung zu erleichtern ... O mein Sohn! ... Wie gespannt er schreibt! ... Nur so kurz! ... So kurz! ... Was? Angiolina ist krank? Das entschuldigt ihn!
Monika behielt Zeit, die Gedanken zu sammeln, die ihr doch die Brust in fast hörbaren Schlägen heben und wieder sich senken liessen ... Geht Benno jetzt nach Westerhof? ... Dem fühlte sie wie mit Wonne und doch mit Schmerz nach. Fast Eifersucht war es, das sie erfüllte, und wieder gedachte sie: Was wird der Blonde, der andere, Tiebold de Jonge sagen, der täglich kommt und heute noch nicht da war? ... Und dabei glitt ihr blick – wieder auf die Rechnung des Hotels, die so lang, so lang schien ... Eine eigene Ideenassociation: Tiebold's Reichtum, ihr kleiner Creditbrief bei dem haus Piter Kattendyk, die ganz biblische Sorglosigkeit der Gräfin in Geldsachen und Tiebold ein Bewerber um Armgart – dann aber auch – Angiolina, die sie nur einigemal aus der Ferne gesehen ... das schöne, allbewunderte Mädchen, das mit dem Grafen Hugo nur zu verbunden lebte, kam ihr, als krank gedacht, seltsamerweise wie Benno von Asselyn vor, blassen Teints und wie den fernsten Zonen angehörend ...
Etwas war die befriedigte Erregung der Gräfin durch den so kurzen Brief des Obersten, ihres Sohnes, doch gestört worden. Sie erinnerte jetzt an den Tee ... Porzia wollte helfen ... Monika bedeutete sie mit einem Augenwink, auf ihr Zimmer zu gehen ... Gern hätte sie ihr gesagt: Singe wieder deine traurig schönen Lieder! Zaubere uns vor, was alles freudvoll und leidvoll im Menschenherzen liegen kann! ... Der Gräfin würde sie schön damit angekommen sein.
Der Tee entquoll schon dampfend der Maschine, aber die Gräfin weilte noch in ihren Briefen –
Lady Elliot schreibt voll Ungeduld – sagte sie, eine Tasse ergreifend ... Sie ist so gütig und gibt immer ein englisches und ein französisches und dann ein deutsches Wort, um meiner Schwäche entgegenzukommen, die ihre Sprache nicht versteht ... "Alle Schrift von Gott eingegeben, ist nütze zur Lehre, zur Strafe, zur Besserung, zur Züchtigung in der Gerechtigkeit" – 30000 Bibeln in einem Jahre in Irland verteilt! ... "Könnte man Pater Mattew gewinnen?" Hm! Hm! ... Darin hat