Versteck auf der Insel selbst gesprochen hatte.
So fuhren sie schon unterhalb des Geierfelsen dahin ...
Je weiter aber die Insel und der Fluss verschwanden, desto mehr verlor sie die Besinnung und alle ihre Gedanken fingen an, ihr wie zu vergehen ...
Was sie von dannen trieb, glaubte Benno jetzt zu erraten ... Die Mutter war angekommen! ... Er teilte Tiebold seine Vermutung mit und seine Auslegung der so ihm nun erklärlichen Flucht ...
Wie Tiebold, der natürlich die Rechte des Vaters, seines "Lebensretters", weit über die der Mutter stellte, sich in Armgart's heroischer Herzenstat staunend zurecht fand, wurden sie plötzlich von Pferdehufen und von Säbelklappern aufgeschreckt ...
Vier bis fünf Gensdarmen ritten an ihnen vorüber ...
Benno erkannte Grützmachern und Schulzendorf; diese erkannten ihn ...
Herr von Asselyn! hiess es mit harmlos überraschtem Tone. Wo wollen Sie denn so spät noch hin?
Tiebold, zwar vorlaut wie immer, aber etwas eingeschüchtert, nannte die nächste Station ...
Major Schulzendorf blickte in den Schlag des Wagens. Er sah eine junge Dame ...
Auf Damen lauteten die Ordres nicht ...
Paschol, Herr Freiwilliger! rief Grützmacher mit einem jener der herrschaft des grossen Czernebog angehörenden und 1813 in Deutschland zurückgebliebenen Kosackenworte und erinnerte bedeutungsvoll mit dieser Anrede den jungen Demagogen, dass er seine Gesinnung schon neulich als auf "Anno Köpenick" lautend genannt hatte.
Der Wagen fuhr von dannen ...
Und an einem Kreuzweg hielt wiederum ein berittener Gensdarm.
Was geht denn hier vor? fragte Tiebold höchst erstaunt und plötzlich jetzt von grosser Sammlung und viel Vernunft.
Benno ahnte fast, dass er einer grossen Gefahr entronnen war.
Diese Zusammenziehung von Bewaffneten stand ohne Zweifel in Verbindung mit der geheimen Versammlung drüben im Roland ...
Seine Empfindungen über diese Vermutung schloss er tief und stumm in sein bewegtes Herz ...
Die jungen Männer beschlossen, den rätselhaften Flüchtling die Nacht über zu begleiten, bis sie irgendeine der Postrouten erreichten, wo Armgart die Diligence besteigen konnte, um an den Ort ihrer nächsten Wünsche zu kommen, ins Stift Heiligenkreuz, wie sie sagte, bei Witoborn oder nach Westerhof zu Paula.
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Wie es dann immer höher und höher ins Gebirge ging, lag die Gegend den Rückblickenden im Mondlicht so geisterhaft und märchenhaft da, wie ihnen ihre eigene Stimmung ...
Der Strom, die Berge, die Ortschaften, alles wie verklärt ...
Ein einziger stiller Friede ausgebreitet über soviel leidenschaft, soviel Hass, Kampf und Gefahr ...
Dabei stiegen noch Raketen auf aus den Weinbergen, wo man schon frühzeitiger die Weinlese begonnen – alles das so harmlos, wie zu Lust und Freude ...
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Immer lauschiger wurde es am Wege ringsum und dunkler wurde der Wald zum Gebirge zu ...
Eine Abtei lag in zertrümmerten von Buschwerk überwucherten Rundbogen, recht wie ein Zufluchtsort mitternächtiger Geister ...
Wie schlummernd ragten ringsum die Tannen ...
Nur die Fledermäuse huschten auf und die kleinen Schlangen eilten über den Weg hinwegzukommen, fliehend vor den jetzt langsam bergauf ziehenden Rossen ...
Aus dem wald tönten so seltsame Laute, wie vom Fuchs auf dem Raube und von der nur des Nachts die Augen öffnenden Eule ...
Ein grosser dunkler Vogel flog quer über den Weg, so mächtig, so weitausgeflügelt, als wţr' es ein Adler gewesen.
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Da kam ein neues Piket von Gensdarmen ...
Es umringte ein offenes Wägelchen, das rasch an ihnen, niederwärts, vorüberglitt ...
Erst als sich Benno über diese neue Begegnung mit den Wächtern der öffentlichen Sicherheit gesammelt hatte, fiel ihm die Gestalt auf, die auf dem Wägelchen gesessen ... Zusammengedrückt, im blossen kopf, eine Pferdedecke über die Schulter geworfen, hatte jemand dagesessen und geblickt mit stieren Augen, wie die Augen der Hyäne leuchten mögen beim nächtlichen Raube, wenn sie vom Wege, die Löwen schon am platz fürchtend, angstvoll zur Seite schleicht ...
Vor und neben dem Gefangenen sassen zwei Männer in bürgerlicher Tracht, fest und aufrecht ...
Anfangs glaubte Benno, seine Phantasie spiegelte ihm die Entdeckung des Mörders der Frau von Buschbeck in Jodocus Hammaker vor ...
Indem trabte ein Reiter an ihnen vorüber, in grauem Militärmantel mit rotem Kragen ...
Der Mantel schlug im schnellen vorüber auf ... Der Reiter war ein Bürgerlicher ...
Assessor von Enckefuss! rief Benno ihm nach ...
Der Reiter hörte nicht.
Tiebold war schon lange in eigentümliche Gedanken verloren und schien für jeden äussern Eindruck abgestorben ...
In grösster Aufregung fuhr Benno fort:
Nun, mein Freund, da sehen Sie wie "diese Menschen", wie Sie sie neulich zu nennen beliebten, die Augen offen halten