Waffenrock mit blinkendem Harnisch, und als fehlte nur sie noch, nur sie, sie, um der Freundin die Myrtenkrone aufzusetzen ... So zitterte sie vor Eile ... Sie wusste doch jetzt, was sie den Leuten im Palmbaum sagen, wie sie die gewünschte hülfe in unverfänglicher Weise anschaulich machen konnte ... Wagen! Pferde! Das wurde ihr Wunsch.
Atemlos flog sie Drusenheim zu, nicht achtend, dass sie oft bis zum Knöchel versank. An jedes Kreuz am Wege, an jedes Bild des Brückengottes, der auf einem Bachstege stand, richtete sie im schnellsten vorüber eine Bitte um Beistand.
Endlich hatte sie die ersten Hütten erreicht, endlich ist sie in Drusenheim selbst.
Horch! Vom Palmbaum herüber ... tönen da nicht plötzlich melodische Klänge?
Ist nicht Gesellschaft dort oben?
Kaum hat Armgart im schönen Fernhall das Lied vernommen, das von den obern erleuchteten Fenstern des Palmbaums und vom kleinen Balcon desselben herunter wie wallend und wogend in die stille Nacht erscholl:
"Vier Elemente, innig gesellt –"
erblickte sie einen Wagen vor der Tür.
Sind das doch nicht die Freunde von Nanny's Bruder Gebhard Schmitz? Sind das doch nicht die dennoch Gekommenen, wenn auch verspätet? Ist Tiebold de Jonge unter ihnen, über den ich soviel lachen muss, weil er so verliebt ist, wie ein Windspiel? Gehört dieser Wagen hier wohl gar den Sängern oben? Dann – Wie sollt' ich nicht hoffen, sofort ihn mein zu nennen, einzusteigen und hinauszufliegen in die weite, weite, weite Welt!
Wem gehört der Wagen? fragte sie rundweg einen Knecht, der eben die Pferde aus dem Stalle führte und einschirrte, während der Kutscher sich noch drinnen gütlich tat.
Lustig sagte der Befragte:
Der Wagen? Der gehört da oben fünf Herren! Die haben heute Nacht 'ne Wallfahrt beschlossen in fünf Stationen! Auf jeder trinken sie eine andere Sorte Punsch! Fünf Meilen haben sie schon gemacht und in jedem Wirtshaus untersucht, ob die Weinkarte in Ordnung ist!
Vor Trunkenen überfällt jedes weibliche Herz bebte Armgart zurück ... Oben aber erscholl der Gesang so schön, so melodisch und eben löste sich Schiller's Punschlied in lachen und jubel auf. Einer der Sänger – es war Joseph Moppes, der süsseste aller "vaterstädtischen" Tenore – trat auf den Balcon, das Glas in der Hand und einen andern, wirklich den Tiebold de Jonge, mit dem linken Arm umschlingend, singt er aus einem andern lied, wieder von Schiller, dem Allwaltenden in Freud und Leid der Menschen:
"Bis die Liebliche sich zeigte,
Bis das teure Bild –"
Da schon hatte Armgart, nicht wissend, dass sie selbst die Gemeinte, hinaufgerufen:
Herr de Jonge!
Hier hängt er! ruft Moppes ...
Gehört der Wagen Ihnen, Herr de Jonge?
Wie? Was? spricht Tiebold, jetzt erst die Zarteit der herauftönenden stimme erkennend ...
Wie so? fragt Moppes, zugleich über den Balcon sich beugend.
Wem? Wie so? wiederholt Tiebold ...
Woso? parodirt Schmitz, der Dialektkünstler ...
Nun stürmt der Rest des Sextetts in des Staunens vollste Blüte ... Clemens Timpe sogar noch mit einem
"Presst der Citrone saftigen Kern!" ...
Und alle schwingen dabei die Hüte wie zur Abfahrt und Mäntel werfen zwei, der kühne Weigenand Maus und der stille Caricaturenstifter Aloys Effingh, geradezu vom Balcon hinunter auf den Wagen obenauf und nun ist es allen in Sicht, dass ja eine Dame mit ihnen parlamentirt ... Wie erstaunten sie, als sie auf Joseph Moppes' energischstes Ruhe Pause zählten und ein junges Mädchen mit Tiebold Verwunderung und Orientiren und Namen und Fracht und Verklarung des Schiffes austauschte, nach schnellstem erkennen Gebhard Schmitzens die heute Vielbesungene selbst ... Tiebold war bereits unten ... Die von einer der melodischsten Sopranstimmen vorgetragenen Worte hörten sie: Herr de Jonge! Ich habe aufs dringendste diesen Wagen nötig! Sie werden mir die gefälligkeit erweisen, nicht wahr, ihn mir auf einige Tage zu leihen! Mein Gott, fräulein! Sind Sie's – denn wirklich – Ruhig! hiess es oben ... Einzig! Auf Taille! flüsterte Gebhard Schmitz. Verwundern Sie sich nicht zu lange, Herr de Jonge! fuhr Armgart fort. Ich bitte! Befehlen Sie dem Kutscher! Ich steige ein! Ich habe die grösste Eile!
Das war alles, wozu sich Tiebold zeit- und ortsgemäss sammeln konnte.
Fahren Sie mich ans Ufer zurück, da, wo die Weiden stehen!
Da, wo die Weiden stehen!
In diesen von allen jetzt mehr gesuchten als gefundenen Weiden blieben sechs verdutzte Blicke hängen ...
Armgart sass schon im Wagen und Tiebold hatte auch schon seinen Hut auf dem Kopf. Clemens Timpe hatte versucht ihn just so zu werfen, dass er ihm auf seine blonden hochaufgerichteten Haare fiel (Tiebold's äusserste Unruhe liess sich am fortwährenden Streicheln seiner Frisur erkennen); der Hut fiel indessen zwischen die Hufe der Pferde und vor die Räder und bekam, da die Pferde schon anzogen, eine starke Prüfung seiner "Garantie".
Das ist das los des Schönen auf der Erde! rief Schmitz ...
Tiebold aber, impertinent, wie auch nur er sein konnte, (Nur Selbstkritik, nicht etwa Verleumdung von uns), schwang sich hinten auf den bequemen Bedientensitz, verlor fast im Abfahren seinen nun wieder