gelbe Seidenhandschuhe zu Ehren gekommen?
Moritz besonders stand voll Bewunderung.
Wie ein Garçon auf Rheumatismus zu sprechen ist, wusste er.
Und nun bugsirte der kleine schwarze Vetter eines der Mädchen nach dem andern über die in Rinnbäche verwandelten Wege, hatte Nankingbeinkleider wie Schwimmhosen an und machte sich nützlich in einer Weise, die ihm jetzt fast die öffentliche Anerkennung eines gewissen, wenn auch entfernten verwandtschaftlichen Grades eintrug.
Niemand aber war bei alledem, sollte man es glauben, charmanter als Bettina, die junge Wirtin ... In den ersten Honigmonden der Ehe hat man so viel Glück, so viel Wonne im Herzen, dass man tausenderlei Plage damit aufwiegen kann.
Als Moritz leise zu Bernhard flüsterte: Aber mit dem Armband ist es doch fatal! Willst du denn nicht die anwesende Gensdarmerie –? brach dieser zornig aus:
Nein, wie weh tut mir's vor dem Ober-Chochem! Ein Haus zu machen muss gelernt werden! Für Bettina ist das Ganze nur eine von mir arrangirt gewesene Uebung!
Der "Ober-Chochem"2 trat, sich ergebend, zurück ...
Und sollte nun die Sonntagspartie Tiebold's und der Freunde Piter's zu stand gekommen sein und sie wären in diesem Augenblick an der Villa vorübergeritten oder gefahren oder jetzt nach Umständen geschwommen, so würden die Brüder die Genugtuung gehabt haben, ihnen ein Schauspiel zu bieten, das nur die Verleumdung hätte unterschreiben können: "Alles fürs Geschäft!" Denn Bernhard führte ehrerbietigst die beiden in Regen und Sonnenschein immer gleich feierlichen Englischen fräulein dem Pfarrer entgegen, der sich nicht nur für Wenzel von Terschka, sondern für sein eigenes teilnehmendes Herz bemühte, aus dem lachenden jungen Schwarm vor allem Armgart von Hülleshoven herauszuerkennen.
So begann der Kaffee auf dem Zimmer statt auf der Terrasse.
Fussnoten
1 Ja wohl. 2 Ober-Philosoph
13.
Konnte nun aber wohl auch Armgart zu den Ungeduldigen gehört haben, die dem heraufziehenden Unwetter bald den schönsten Uebergang wieder zum blauen Himmel und Sonnenschein verhiessen und sich von der Einladung in die drusenheimer Villa um alles in der Welt nicht abbringen lassen wollten?
Wird denn auch sie mit ihrem halb über den Hut gezogenen Oberkleide durch die Feldwege, die in Giessbäche sich verwandelt hatten, so "hingetrottelt" sein, sieben unter einen alten Regenschirm gedrückt?
Wird denn auch sie von den zu hülfe Eilenden so beschützt werden, dass sie nur noch nötig hat, das Anerbieten der jungen Frau Wirtin anzunehmen, dass sämmtliche junge Mädchen mit ihren vier Erzieherinnen erst in ihrem Zimmer Toilette machen möchten?
Sieht sie die beiden Englischen fräulein (nicht die Misses Coffingham, sondern die ihrigen) voll Bewunderung lieber sich bis auf den Tod erkälten, als dass sie ein einziges ihrer nassen Ordenskleider wechseln?
Lernt sie von Frau Bettina, wie eine junge Frau, die eigentlich das Herz voll Aerger haben sollte, davon nicht das Mindeste verrät, sondern sich in diesen Lärm eines massenhaften Besuchs wie in etwas ganz Gewöhnliches findet, dazu die freundlichste Miene behält und statt eines Gartenfestes jetzt oben den Salon und den Flügel und als der Regen nachlässt, die Fenster wieder öffnen und dann die Jugend sich zu Kaffee und allerlei köstlichem Backwerk ergehen lässt, wie es ihr eben beliebt?
Hört Armgart dem Herrn von Terschka zu, der vor allen sie auszuzeichnen sich vornahm, ihr erzählen wollte von ihrer Mutter, die in der Tat vielleicht schon diesen Abend, jedenfalls morgen am Hüneneck eintreffen konnte?
Lachte sie wie die andern Mädchen über einige der Herren, die sich ins Rauchzimmer zurückgezogen hatten und die unerbittlichste aller Kritiken, die des Mutwillens, herausforderten ... womit stösst man nicht alles bei jungen Mädchen an!
Spielte sie Charaden, Moquirstuhl und Schenken und Unterschrift, wobei endlich der die "Herren" meidende Herr von Binnental aufhörte vom Wetter zu reden, die in Nebel gehüllten Dampfschiffe zu verfolgen und sogar für einige seiner Devisen, z.B. "Bange machen gilt nicht!" ein dankbares Publikum findet?
Gibt sie der Frau von Gutmann Auskunft über ihren Stammbaum und veranlasst diese Dame, auch von dem ihrigen zu reden?
Schliesst sie sich zuhörend den vier protestantischen Jungfrauen an, die, während die Musiklehrerin Tänze spielt, einen fanatischen Confessionsmeinungsstreit mit den beiden dem Pfarrer attachirten Englischen fräulein und Angelika beginnen?
Bewundert sie den Heroismus der wirklichen Engländerinnen, die den beiden Nonnen, die nun einmal das sind, was sie sind, das Papsttum als eine Schöpfung des Antichrists schildern und ihnen das Recht abstreiten, sich nach dem freien Albion zu nennen, wodurch sie dann allerdings gelegenheit gehabt hätte, ihre Ansichten über die Ausbreitung des Katolicismus in England zu berichtigen?
Und hört sie, wie die sanfte Angelika, als die beiden fräulein Carstens nach langer Conversation des Erstaunens über Lucinden erklären, sie müssten an sich eine weibliche Erziehungsanstalt, wie die drüben, die nur Frauen leiteten, eine musterhafte nennen, denn nur sie lehre es, "die Männer zu verachten", worauf es in einer heiratsschwierigen Zeit vorzugsweise ankäme, im Gegenteil diese Auffassung in Abrede stellt und erklärt, sie ihrerseits müsse gestehen, sie lehre ihre Matematik, ihre geschichte, ihre Naturwissenschaften nur, um desto mehr die Männer hochachten und lieben zu lernen, da eben die Männer es gewesen wären, die die Matematik, die Naturwissenschaften und die geschichte erfunden hätten?
Lauscht sie den jener unheimlichen Lucinde gewidmeten Erzählungen Schulzendorf's, der nach zwei genommenen Tassen Kaffee und einem kleinen Curaçâo sich bald empfehlen zu müssen erklärte und auch von Grützmachern