nach dem Inhalt, der drinnen gewesen – und wie die Vorschriften eines Glaubens lauten, der die Grundlage unsers eigenen ist.
Seligmann lächelte sanft, die Freude Reginens zu sehen, dass sie einen "Vetter" ihrer herrschaft oben kennen lernte, wenn auch nur hier unten im Souterrain des Kellers ...
Der Rehbraten, sagte allerdings der Koch streng abweisend, sein erst dann zu dividir, wenn er zurückkspazir' de la Table! ...
Aber Seligmann war es nicht um den Rehbraten, sondern nur um die Ehre zu tun. Er wartete den gang der Ereignisse ab. Das freundliche Plauschen der alten Wienerin weckte ihm allmählich wieder die frohe Musik seiner Seele.
12.
Nun von Viertelstunde zu Viertelstunde ein neuer Gast ...
Zuerst der Bruder Moritz ...
Er war der Aeltere, trat aber gegen seinen repräsentativeren Bruder zurück. Fast vierzig Jahre alt, mochte er sich nicht mehr verheiraten. Er hatte eine pessimistische Auffassung des Lebens, während Bernhard, Geldsachen ausgenommen, mehr zum Optimismus neigte ...
Moritz brachte die ihm gestern Abend anonym zugeschickte Caricatur.
Glücklicherweise brachte er auch den Humor mit, dass er das Befremden und den entrüsteten Unwillen seines Bruders nicht vermehrte ...
Der stille und sanfte Alois Effingh hatte sie beide darstellen lassen, wie sie mit einem Heiligenschein von Dukaten um den Kopf standen, der eine in der Hand mit einem Modell einer neuen Kirche, der andere mit einer Kerze und mit dem Rauchfass. Darunter stand die Unterschrift: "Alles fürs Geschäft!"
Für die Kirche, sagte Moritz, tröste uns die neue Eisenbahn in Belgien, deren Actien wir in Deutschland emittiren! Und für die Dukaten um den Kopf tröste uns unsere amsterdamer Berechnung vom letzten Ultimo! Louis Philipp lässt die Curse fallen, weil die Kammern zusammentreten. Um die Debatten über die Tronrede nicht zu grob werden zu lassen, kitzelt er ein bischen den französischen Nationalstolz durch den Schein, dass es Krieg gibt.
Bernhard versicherte sich, dass Moritz wenigstens
die Caricatur vor seiner Frau geheim hielt ...
Gott, wie zärtlich! Warum soll sie unsere Lage
nicht kennen lernen? erwiderte Moritz.
Dabei musste er gewähren lassen, dass ihm Bern
hard sein an Louis Philipp's "ehrliche Leute" und deren Politik erinnerndes rotes Bändchen etwas weiter aus dem Knopfloch zog ...
In der Stadt drüben, fuhr Moritz fort (er tat dabei
sogar dem Bruder den Gefallen, sich im Spiegel zu besehen), müssen wir uns isoliren und unsere Kraft nur in Paris, London und Amsterdam suchen! Dann der mittlere Bürgerstand und der kleine Mann gewonnen und wir lachen diese altfränkischen Buchhalter aus mit ihren grossen dicken liniirten Strazzen, die von Jahr zu Jahr hinten mehr leere Seiten zeigen werden.
Beide waren einig darüber, dass der Spott nur von
der tonangebenden mercantilen Jugend der wohledeln Stadt, von Piter und dessen Freunden kommen konnte.
Sie verliessen das Haus und gingen den schattigen
Partieen des schönen Gartens zu und sprachen von den Anträgen Wenzel's von Terschka ...
Es war von einer grossen Lotterie die Rede, in der die Standesherrschaft Dorste-Camphausen allenfalls verspielt werden konnte ... Terschka hatte selbst aus seiner Heimat diese dort übliche Form für Geldspeculationen grosser, selbst fürstlicher Häuser anempfohlen ...
Neue Anmeldungen hinderten die Fortsetzung dieses Gesprächs ...
Bernhard ging, eine kürzlich in Belgien bei Negociirung eines grossen Eisenbahnanlehens der Städte Lüttich und Namur gemachte Bekanntschaft aus Spaa, den Baron von Binnental zu empfangen ...
Die Physiognomie des baron misfiel Moritz. Gerade darin zeigte er seinen Pessimismus, dass er beständig des Bruders Sucht nach vornehmen Bekanntschaften bekämpfte, die allerdings nicht selten mit Geldverdriesslichkeiten endeten ...
Ich weiss nicht, mit was für Leuten du dich ziehst! flüsterte er dem Bruder zu.
Aergerlich wies dieser auf den aus der heissen Küche jetzt zurückgekommenen und in den entferntesten Hecken des Gartens fast auf den Zehen spazieren gehenden Seligmann und sagte:
Schnorrer willst du? Da hast du einen!
Sich wendend empfing er dann wieder eine neue Meldung ...
Herr von Binnental war inzwischen zu Madame Fuld getreten ...
Ein junger Dandy war es, der bei seinen vielen Reisen im Ausland seine deutsche Muttersprache verlernt zu haben schien und bei den einfachsten Begriffen stockte, um sie zuletzt englisch oder französisch vorzubringen.
Moritz flüsterte seiner Schwägerin (die in der Mitte des Gartens in der schattigen Rotunde eines mit vier Eingängen durchbrochenen Rebenspaliers, auch hier auf gusseisernen, mit Polstern belegten Stühlen, anmutsvoll die Honneurs machte und durch die Strahlen eines von Blumen umzogenen Springquells aus der Ferne gesehen, in ihrem wassergrünen seidenen Kleide, fast einem Grandville'schen Naturgeist, einer personificirten Libelle ähnlich sah) nach einigen Beobachtungen des Herrn von Binnental brummend die Bemerkung zu:
Ich weiss nicht, dieser Baron hat immer das Deutsche an den Stellen vergessen, wo man eben erwartet von ihm einen Gedanken zu hören!
Frau Bernhard Fuld sprach jedoch holdseligst mit dem Baron, ohne sich im mindesten von der grämlichen Kritik des Schwagers stören zu lassen.
Wieder klingelte die grosse Pforte des Eingangs.
Wieder eine Anmeldung "aus der Pairskammer", wie Moritz sagte, der im geist mehr in Paris, als in Drusenheim zu leben schien.
Diese neuen Ankömmlinge wurden vor Bewunderung der Villa gleich vorn gefesselt.
Terschka und Binnental unterhielten die Wirtin und Moritz horchte und studirte vor sich hin und auf dem Gartenboden, wie es schien, nur Botanik.
Herr von Binnental hatte allerdings