Kirche zu kämpfen hat. So manches Ziel unserer Mühen haben wir erreicht; aber die Streiter können sich nicht dicht genug scharen. Ich erkenne an, was Sie geleistet haben. Ich lese Ihre Aufsätze mit Befriedigung. Ich wünschte jedoch mehr – viel mehr! Ich finde in dem, was Pater Henricus von Ihrer Erziehung sagt, nicht den Geist wahrer Heiligung. Der Grund, aus dem Sie wirken, ist gefahrvoll für Sie, ist es auch für uns! Für Sie – ich will es Ihnen aufrichtig sagen – für Sie und für wie viele Ihres Gleichen! – ist die Kirche nur der Schlussstein Ihrer irrenden Abenteuerlust auf dem feld der Philosopheme! Sie ist nur der Ruhepunkt Ihres von allerlei Donquixoterieen ermüdeten Denkens! Sie streiten jetzt für die Kirche, weil Ihre angeborene Streitsucht hier endlich einen festen Gegenstand und eine sichere Anlehnung findet! Das scheint leider unser trauriges los mit euch Uebergetretenen allen! Aller Zorn, der in euch wurmte, alles Gefallen am besonderen und Seltsamen, alle Ungeduld, dass man auf euch bisher nicht achtete oder euch wiederum zu rasch vergass, diese unreinen Geister der Rache, der Vergeltung, der nie zu sättigenden Gier nach dem Reiz der Neuheit treiben Euch auf den Kampfplatz! Was es auch sein möge, das Sie dem Vater eines Unglücklichen, den Ihre Hand tödtete, so nahe verbinden konnte, ich glaube es gern, dass Sie ermattet an der Pforte des Klosters Himmelpfort niedergesunken sind. In dieser Stimmung verlangten Sie nach dem Trost der Religion und rühmten die Einfalt derselben. In alles aber, was man Ihnen bot, legten Sie, als Sie es empfingen, Ihren eigenen Sinn, nahmen es nicht in dem unsrigen. In diesem immer nur Ihr Ich verherrlichenden geist vollzogen Sie die Liebesopfer, die Ihnen Ihr Guardian und Provinzial übertrug. Sie duldeten, entbehrten und was Sie zu den harten Proben des Bruder Hubertus ermutigte, war nur der geistige Hochmut auf Menschenkraft. Weder Ihr Verstand noch Ihr Herz liebt das Christentum, nur Ihre Phantasie liebt es! Die Dienste, die Ihr Poeten und Künstler dem römischen Glauben geleistet habt, verkenn' ich nicht, doch waren und bleiben sie gefahrvoll! Sie entbehren nachhaltiger wirkung. Oder glauben Sie, dass alle die Fortschritte, die wir in diesen Tagen in Frankreich, Deutschland, Spanien gemacht haben, gemacht haben mitten unter den Stürmen der politischen Bewegungen, nur die Folgen der wiedergeborenen schönen Künste sind? Diese Fortschritte verdanken wir nur dem bei so vielem Flitter der Bildung gerade zum wahrhaften Herzensbedürfniss gewordenen Bekenntniss der geistigen Armut! Armut, Armut! Nüchternheit, Entbehrung, Gefangengabe unserer Ueberzeugungen an ein Gegebenes, Wiedererweckung der Würde des Beichtstuhls, der geregelte Kirchgang, die Wiederherstellung alles dessen, was über religiöse und politische Dinge in dem gesundesten Teile des volkes, im Bauernstande, diesem plötzlich nun ja auch von eurer Poesie verklärten, lebte, Ascese, Wallfahrten, wiederhergestellte Bruderund Schwesterschaften, das ist der Geist der Stetigkeit, der allein die Kraft zum Glauben wecken und darin die Ausdauer bestärken kann ...
Der Kirchenfürst schwieg eine Weile, dann fuhr er fort:
Jetzt, Pater, ein ernstes Wort! Ich liess Sie beobachten, Pater! Wissen Sie, dass ich Sie monatelang in Ihr Strafkloster zu Altenbüren verweisen könnte? Sie wurden gestern Mittag im haus eines jüdischen Trödlers gesehen, wo Sie mit Ihrem Ordensgewand eintraten und es auch Mittags im Ordensgewand verliessen. Abends jedoch um acht Uhr – Unglücklicher! – kehrten Sie wiederum unter dem dach des Juden ein –
Bonaventura, ahnend, entsetzte sich, mehr noch erschütterte ihn der unfehlbare Schrecken des Mönches ...
Mitleidenswerter, bejammernswürdiger Mann! fuhr der Kirchenfürst fort. In dem von jenem Juden geborgten Kleide, mit einem Hut, der Ihre Tonsur verbarg, sah man Sie, Sie, den Pater Sebastus, den Michael mit der zweischneidigen Feder, den Mönch, der ein Gefallen darin findet, einen Sack zu tragen mit den Eiern, die ihm die Bauern der Umgegend schenken, Sie, Sie, einen Sohn des heiligen Franciscus – auf der Galerie des Teaters!
Bonaventura stand auf, des dadurch entstehenden Geräusches nicht achtend ...
Dumpfe Stille nebenan ...
Und noch nicht genug! fuhr der Kirchenfürst fort. In dieser falschen Tracht gingen Sie die Nacht in einen Gastof der Stadt, in "das goldene Lamm"! Was taten Sie dort?
Bonaventura gedachte der Geigenspielerinnen, der ganzen Aufregung des gestrigen Abends ...
Kein laut der Erwiderung von dem Mönche ...
Was können Sie auf Ihrem frevelhaften Pfade dort gewollt haben? In einem der Zimmer waren Sie zwei Stunden bis um Mitternacht, wo Sie dann von dem Juden Ihr Kleid zurückgeholt haben! Pater! Pater! Ich beschwöre Sie, um der Wunden unsers Heilands willen! Fühlen Sie denn nicht, dass Sie den Erlöser, den Sie in diesem Kleide bekennen, zum zweiten male verkauft haben? Die Nachricht von Ihrem Judasverrat kam uns glücklicherweise von einem Beobachter, der unsere Kirche liebt und unsere heilige Sache bewahren wird vor Bekanntmachung solches Aergernisses! Weitere Nachforschung hinderte ich, um nur Ihr Unglück nicht zu mehren und nicht die Schande Ihres Fehltritts zu grell für uns alle aufzudecken! Pater! Was würde aus Ihnen werden, wenn mich keine Rücksicht auf Ihr Talent, keine Rücksicht auf die nützliche Bewährung desselben in unsern gegenwärtigen Kämpfen abhielte, Sie nach Altenbüren zu verweisen, wo Sie in Gesellschaft anderer meineidiger Priester für immer, für immer, Unglücklicher, Ihren Ruf im weiten Reiche unserer