damals einen nur stillen Schwur gesprochen haben, vollkommen aber vernehmbar den Geistern Innocenz' III. und Gregor's VII.
Nun der Anlass dieser Irrung, der alte Husar da, sorglos, seinen gefärbten Schnurrbart drehend und unterhaltend sein "junges Volk" von der "Witwe Clicquot" – und das sogar in einer Weise, der Bonaventura, um seine eigene ehemalige Fähnrichschaft von ihm angegangen, gar nicht gram sein konnte ... Ihm waren diese ghibellinischen adeligen Landsknechte geläufig, die mit unendlichstem Leichtsinn Hab' und Gut im Würfelspiel in einer Nacht verknöcheln konnten und dennoch, wenn die Drommete gerufen hätte zur Schlacht, sich aufs Ross geschwungen haben würden und Leib und Leben nicht minder leicht aufs Spiel gesetzt.
Die fröhliche Gesellschaft wollte weiter gehen und sah auf den unter fast ähnlichen Lebensbedingungen, wie der fröhliche Rittmeister, stehenden Mönch, um Abschied zu nehmen.
Dieser stand abgewandt und las ...
Die Männer gingen ...
Bonaventura wartete, bis sich Pater Sebastus wenden würde ...
Endlich tat er es ...
Leichenblass ...
Bonaventura redete ihn um die Bekanntschaft mit dem Rittmeister an.
Der Mönch erwiderte nichts ...
Bonaventura sprach von einer Fortsetzung des Spaziergangs am Nachmittage ...
Kein Wort der Entgegnung ...
Nur mit seinen magern Händen zeigte er jetzt über den Platz hin ...
Bonaventura sah einen Gastof, an dessen Einfahrt ein Schwarm von Krüppeln und Bettlern sich drängte. Barfüssige Kinder, Greise, Blinde und Lahme, Frauen mit verbundenem Kopf, Hexen nicht unähnlich, eine Zunft von Menschen, die den Spruch, wir wären nach Gottes Ebenbild geschaffen, zur Satire machten, alles das drängte sich mit halbzerbrochenen Scherben am Eingang – ein Kellner hielt alle noch zurück –
In dem Blicke des Mönches auf jenes Gewühl erkannte Bonaventura, dass er sich den Armen anzuschliessen im Begriff war ...
Mein Donnerstagstisch! sagte er und brach ebenso rasch ab, wie er vor einigen Stunden zu Bonaventura gekommen war.
Bonaventura sah ihm lange – lange – und mit Rührung nach ...
Sein Herz sagte ihm: Warum sollen es nicht die Kranken und die Armen sehen, dass ein Genius in den fragen des Lebens vor ihnen nichts voraushaben will? Warum soll nicht ein einzelner unter sie treten und ihnen zeigen dürfen, dass Entbehrung jedem wehetut und dass Hunger, Durst und Frost nicht das Lebensloos der Armen allein sind, ja dass es eine Glorie höherer Genüsse gibt, die selbst ein Gebildeter allem vorzieht, wonach die Entbehrenden mit neidischem Herzen schielen! ... Und selbst der Einwand, der sich ihm aufdrängte, dass ein Mönch nicht arbeite und darum mit seinen Entbehrungen denen nicht gleichstehe, die in geringen Verhältnissen leben trotz ihres Fleisses, widerlegte sich seine noch unerschütterte Begeisterung für die Kirche durch eine eigene Auslegung der Schrift. Wenn wir nicht vom Brote allein leben, sondern auch vom geist Gottes, so darf zu diesem lebendigen Odem, der uns erfüllt und erhebt, auch ein festgehaltener ä u ss e r e r Ausdruck des Uebersinnlichen gehören. Wie man die Kirchen schmückt, statt dass auch in schmucklosen derselbe Gott erkannt und gepredigt werden könnte, wie man seine Liebe durch ein Symbol ausdrückt, eine Blume, einen Ring, statt dass Worte ganz dieselbe Bedeutung haben könnten, so sollte nicht auch die äusserlich ersichtliche und vor der Welt festgehaltene Demut, das Kleid und die Entbehrung des Klostergelübdes die immer bereite Vergegenwärtigung der Begriffe sein, die sie dem weltlichen Leben vorhalten und ihm gleichsam einbilden möchten? Edler, als der Spartaner sich Heloten hielt, um seinem Sohne die Niedrigkeit dienender Seelen zu zeigen, schien dem sinnend Nachblickenden der Christ sich Mönche und Nonnen halten zu dürfen, um in der Fülle der Ungebundenheit und des leidenschaftlichen Lebensgenusses auch die reinen Typen zu bewahren der Selbstbeschränkung und Nur-Auf-Gottbezogenheit.
Bonaventura speiste dann auf seinem Zimmer, bedient von einem ungeschickten Mädchen, durch dessen Unerfahrenheit hätte entschuldigt sein können, dass lieber, wie heute in der Frühe, eines der fräulein Schnuphase mit schweigsamer Ehrerbietung, einer Marta gleich, erschienen wäre und das Serviren unterstützt hätte. Doch die seltsame Begegnung im Kreuzgange hielt wohl die beschämten Heuchlerinnen fern. Dass Bonaventura nicht zu lange bei dieser Erfahrung verweilte, lag in der traurigen Gewöhnung seines Standes, derartige Eindrücke an Priestern wie an Laien fast täglich bedenken und in sich verwischen zu müssen.
Um einen katolischen Priester ist es einsam. Friede soll über sein Gemüt hinwehen, die Leidenschaften sollen schweigen, immer soll er innerlich beschäftigt sein. So wollte es Hildebrand, als er, um aus ihnen die Gnomen der römischen Zauberkunst zu schaffen, ihnen die Ehe verbot, die Verbindung mit der Welt und mit dem gemeinen Leben.
Von der Begegnung mit dem Mönche Sebastus war Bonaventura tief aufgeregt; doch wusste er den Gefühlen, die ihn bestürmten, keinen Namen zu geben. Er forschte ihnen auch nicht zu lange nach ...
Mahnen dann aber zuletzt die Geister zu gewaltig, stürmt es doch in der Brust, so haben die Lehrer der Kirche, unter ihnen tiefe Kenner des menschlichen Gemüts, dafür gesorgt, den Sinn zu heiligen, das Herz zu stillen, es zu bewahren – vor der Phantasie. Denn die Phantasie ist die gefährlichste Feindin des einsamen ...
Mannichfaltige Ratschläge gaben die Seelenmeister, ihren Lockungen zu widerstehen ...
Bonaventura floh die Phantasie nicht, aber er dachte sich nie Zukünftiges, sondern nur Vergangenes ... Im Vergangenen – da konnte