acht Jahren hieher und brachte bald die Polizei mit sich in Berührung. Kein Dienstbote blieb länger als einige Wochen bei ihr, mancher kaum einige Tage. Sie quälte und mishandelte sie so lange, bis niemand mehr zu ihr ziehen wollte. Bei dem Geiz ihrer Lebensweise hätte sie für sich allein auskommen können, ohne Bedienung, aber wahrscheinlich hatte sie das Bedürfniss der Gesellschaft. Sie half sich zuletzt, wie ich gehört habe, durch einen Rat Ihres in allem kundigen Procurators!
Nück's? fragte Benno sinnend und keineswegs erstaunt ... Die Klugheit desselben war ihm geläufig.
Sie deponirte ein Testament mit Nück's hülfe und bekam von ihm oder von seinem damaligen Gehülfen Hammaker –
Benno bemerkte ein momentan aufblitzendes, wenn auch nur ganz kurzes Leuchten in den Augen des Assessors –
Von Hammaker, glaube' ich, den Rat, einer geistlichen Schwesterschaft ein Legat auszusetzen und sich von dieser dann die Dienstboten besorgen zu lassen. Der Vermittler ist Schnuphase – Sie kennen ihn ja –! Dass unser gefälliger und so zartfühlender Herr Maria die Auszahlung des Legats durch eine am Halse der Alten angebrachte Schlinge hat befördern wollen, ist nicht anzunehmen ...
Ebenso wenig wie von einer der durch die Schwesterschaft zugeführten Mägde ... ergänzte Tiebold mit jener aufwallenden Empfindlichkeit, die hier zu land bei der geringsten Reizung religiöser Beziehungen üblich ist.
Meine Herren, sagte der Assessor lächelnd, ich werde Sie schonen und Ihr Ohr auch nicht mit der Ansicht beleidigen, dass die bekannte Schwesterschaft zu den Notelfern die Alte hat umbringen lassen ...
Und fast verdriesslich lehnte er eine zweite Tasse Kaffee ab und wollte sich entfernen. Ihm genügte, die Einladung gemacht zu haben zum Frühstück mit seinem lebensfrohen und jetzt, wie es schien, ganz sorglos gewordenen Vater.
Benno versicherte, dass Tiebold ohne Vorurteile und vollkommen neugierig genug wäre zu vernehmen, welche Rolle bei diesem tragischen Vorgang die Schwesterschaft zu den Notelfern spielte.
Meine Herren, sagte der Assessor, ich gehöre Ihrer Kirche nicht an, aber wenn Sie es hören wollen, so versichere ich Sie, dass Hamlet's Wort zu Horatio: "Es gibt Dinge unter dem mond, die unsere Schulweisheit sich nicht träumen lässt!" hier am platz ist. Diese Frau bekam vor drei Jahren keinen Dienstboten mehr; seitdem sie aber mit Hammaker, wollt' ich sagen mit Nück gesprochen, geht alles. Die Schwesterschaft beauftragt Schnuphase, die Mädchen vom land zu holen. Lebensfrohe passen natürlich für diese Stellung nicht und solche, die zuletzt in ein Kloster gehen, entdeckt schon ein so kundiger blick wie der des Herrn Wachslichterfabrikanten. Die Aufgabe, die Klöster, zu bevölkern, ist von Rom gestellt. Wir haben der Klöster noch immer mehr, als mit der Richtung und dem Geschmack des neunzehnten Jahrhunderts im Einklang steht. Was ist zu tun? Man muss ihnen einen Zuwachs künstlich erwerben. So werden die Wallfahrten in Aufnahme gebracht, so fangen die wundertätigen Heiligenbilder an Blut zu schwitzen und Tränen zu weinen, so werden Vereine gestiftet, Gesellen-, Meister-, Lehrlingsvereine, Vereine für Erkrankung und Beerdigung, Vereine für Bildung und Unterhaltung, Nähvereine für die Mädchen, alles unter kirchlichen Formen und mit geistlicher Assistenz und vor allem hat Rom den Beweis zu führen, dass wirklich für die Klöster eine nicht mehr zu hemmende sehnsucht im volk vorhanden wäre. So lockt man die Gemüter in die Bahn der Entsagung, fesselt sie durch entsprechende Vorbereitungen, macht sie mit den auch dem Klosterleben nicht fehlenden Annehmlichkeiten vertraut und die Folge ist, dass –
Doch nicht etwa, fiel ungeduldig Tiebold ein, die person da drüben von Jesuiten oder sonst einem Eurer Gespenster umgebracht ist?
Der Assessor erhob sich und nahm zwar nur die Miene an, als wenn ihn der zunehmende Lärm auf dem platz zwänge zu seinen Amtsgeschäften zurückzukehren, aber es vertrieb ihn eine unverkennbare Aufwallung und Entrüstung.
Rasch abbrechend und aufs neue an die Hoffnung erinnernd, beide Freunde um zwölf Uhr im Englischen Hof bei seinem Vater zu finden, verliess er ohne viel Förmlichkeit das Zimmer.
Und mit einem Ausdruck, als wollte er sagen: Freund, wenn Sie sich doch nicht in Dinge mischten, die Sie nicht verstehen! begann nun Benno:
Da haben Sie jetzt die Antwort auf Ihren Witz und Ihren gewohnten Scharfsinn!
Nein aber auch unglaublich, was diese Menschen herausspioniren! polterte Tiebold.
Seien Sie versichert, mein Bester, sagte Benno, dass der Assessor von Enckefuss die Jesuiten für keine Gespenster zu halten vollkommen berechtigt ist! Die Bewegung auf diesem Gebiete ist für den, der im Dunkeln sehen kann, die eines Ameisenhaufens! Ich habe, wie Sie wissen, an und für sich meine Freude daran. Nicht weil ich dieser Pfafferei und dem römischen Wesen den Sieg gönne, sondern weil in die dumpfe Stille unserer Zustände, in die Stagnation jedes politischen Lebens, in die niedergehaltene patriotische Kraft und nationale Gesinnung denn doch irgendetwas hereinbricht und der geistigen Sklaverei, der Bureaukratie, dem in allen Massnahmen vorausgesetzten "beschränkten Untertanenverstande" ein Ende macht! Ich gehe nicht so weit wie Nück, dem die Religion Bagatelle ist und der sich nur vergnüglichst die hände reibt, weil die Minister, die z.B. so erbittert seine Assisen und seinen Rechtscodex hassen und verfolgen, nun doch einmal von der sonst loyalsten Seite aus und innerhalb einer gar nicht zu bestreitenden Berechtigung jetzt in die ärgsten Verlegenheiten geraten – diesen Cynismus der Gesinnung besitz' ich nicht – wie Sie denn überhaupt in Kocher am