bleierner Soldaten ... das Blitzen dann der Epaulettes des französischen Offiziers Max von Asselyn, der ihn adoptirt hatte ... nicht, dass diese Epaulettes noch auf des Adoptivvaters Schultern sassen, sondern er spielte mit ihnen, mit den abgelegten, ausgedienten ... dann klangen ihm im Gedächtniss die dumpfen Glocken, die das Begräbniss Maxens von Asselyn bedeuteten; den Sarg hatte er nicht gesehen, nur den vom Kirchhof zurückkehrenden Geistlichen, eine hohe mächtige Figur in weissem Ornat mit goldstarrendem Besatz, den Pfarrer Perl zu Borkenhagen ... dann tummelte er sich mit Hedemann auf dem Gehöft der älteren desselben, ritt nach Witoborn, Westerkamp und sah im geist immer die Leute aus der alten Ludgeri-Kapelle bei Stift Heiligenkreuz kommen mit Gesangbüchern, von denen sich, wie das so ist in unserm wunderlichen Vorratshause, dem Gedächtnisse, gerade vorzugsweise der blitzende goldene Schnitt eingeprägt hatte ... auch die vierspännige Kutsche des Grafen Joseph von Dorste-Camphausen, des letzten seines Stammes, Vaters der Gräfin Paula, sah er oft ... dann wurde er in Pensionen gegeben, hierher an den schönen Strom, erst in die Residenz des Kirchenfürsten, dann unter Bonaventura's, des schon etwas Aelteren Aufsicht nach der nahe gelegenen Universität, wo er die Vorbereitungsschulen und dann die Hochschule selbst besuchte – alles das hatte der Dechant möglich gemacht und Frau von Gülpen spielte bei diesen Phantasmagorieen der Erinnerung die freundlichste und mütterlichste Rolle ... er wie Bonaventura wurden versorgt von ihr mit allem, was nur zu des Leibes Pflege und Notdurft gehörte, Ausstattung an Wäsche und wohlwollenden Ratschlägen aus ihrem bekannten reichen Schatz medicinischer und diätetischer Erfahrungen ... Zwischen alles das aber hindurch hatte er nie von einer Schwester der Freundin seines Oheims gehört, nie nur den Namen früher nennen hören als zum ersten male durch Lucinden ... Und jetzt sollte dieser sich so grauenvoll in Erinnerung bringen? Sollte in eine Verbindung treten mit dem stillen Frieden der Dechanei? Sollte in jene leidenschaftslose, nur der Ruhe und dem Behagen gewidmete Welt die düstersten Schatten werfen?
Die Schonung und die Scheu vor Menschen, denen Benno so dankbar verpflichtet war, hinderte ihn selbst gegen Tiebold sein Erstaunen und seine tieferschütterte Ueberraschung auszusprechen.
Unruhig und bewegt stand er auf und schritt in seinem Zimmer, deren Türen er öffnete, auf und nieder ...
Tiebold nahm, während sie dann von den Leuten frei wurden, die Tür schlossen und frühstückten, seine Bemerkung, dass der Assessor von Enckefuss drüben im haus der Ermordeten wäre, dann Piter's Reise und die Gefahr des Hedemann'schen Ankaufes wieder auf. Letztere stellte jedoch Benno entschieden in Abrede.
Nur staun' ich, sagte er, wie das seit gestern so rasch gegangen! Schon in Kocher am Fall teilte ich Hedemann und dem Obersten mit, dass ich, wenn etwa Nück der Gesammtgläubiger des Herrn von Enckefuss würde, dafür sorge tragen wollte, dass Hedemann die Mühle um den Preis bekäme, den er an den auf sie angewiesenen Hypotekengläubiger zahlen wollte. Alle diese Gläubiger lassen mit Freuden ihre Hypoteken mit einem Verluste ab, wenn sie nur überhaupt die Subhastation vermeiden können, bei der sie verlieren; denn auf diese Besitzungen wurde mehr Geld aufgenommen, als sie jetzt Wert haben. Kauft Nück durch seinen Schwager die Hypoteken auf, so wird er der alleinige Gläubiger des Verschuldeten und ich hoffe – indessen wünscht' ich doch zu wissen, ob der Assessor lange drüben verweilt und ob er vielleicht –
Herüber kommt? unterbrach Tiebold, sehr befriedigt von der dann notwendigerweise eintretenden vollständigen Aussöhnung. Und dieser Aussöhnung schon gewiss sagte er: Es ist einzig, welchen Nachdruck der Oberst und Hedemann auf diese Erwerbung bei Witoborn legen!
Beide haben, erklärte Benno und fixirte die Fenster, wo die Ermordung stattgefunden – die Küche selbst lag nach hinten auf eine düstere und einsame Brandmauer hinaus – beide haben den Stolz, da, wo sie zu haus sind, mit dem gebührenden Nachdruck ihrer ganzen alten Lebensstellung wieder auftreten zu wollen!
Hm! grübelte Tiebold und setzte kleinlaut hinzu: Wie viel anders könnte das alles sein – wenn – Glauben Sie wohl, Asselyn, unterbrach er sich, dass ich einmal, ich will nicht sagen jetzt, aber in einem Jahre oder zwei, einen – Korb bekomme, falls ich als Bürgerlicher –
Benno verstand vollkommen, dass Tiebold von einer Werbung um Armgart und den Vorteilen einer Verbindung des Vaters mit seinem Vermögen sprechen wollte.
Bürgerlicher? D e Jonge! sagte er scheinbar ironisch, während ihm alle Nerven zuckten und Tiebold's auch nur angedeutete Werbung einen Stich durchs Herz gab.
De – de –? Ach so, Sie meinen – sagte Tiebold verlegen ...
De Jonge –! Wer wird Ihnen einen alten niederländischen Adel abstreiten können!
Einen Adel, der viel Mesalliancen durchgemacht hat! Wir handeln jetzt mit Brenn- und Nutzholz, aber kein Baum hat uns je so morsch auf Lager gelegen wie unser Stammbaum!
Das D e sagt immer etwas –
hören Sie 'mal, meine sel'ge Mutter war sogar eine geborne Tor – Tor Möhlen!
Zur Mühlen! Sie sehen, wie alles zusammenkommt, um das wasser auf Ihre Mühle zu treiben!
Aber Joseph Tor Möhlen – Twist und Baumwolle –
Haben Sie denn nicht gehört, dass der Oberst von Hülleshoven nicht übel Lust hat, mit Hedemann die Mühle ganz einfach in eine Papierfabrik zu verwandeln?
Nach dem Dechanten, als die Rede davon war, ein blosser