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mit Schwierigkeiten verbunden schien und, da er sie doch zu überwinden versuchte, das Licht auch richtig ausgehen liessals von oben her eine tür aufging und der Schimmer eines Lichtes dem im Dunkeln Emportastenden zu hülfe kam.

Und kaum hatte Piter, staunend über dieses ungewohnte nächtliche Lebendigsein über ihm, aufgeblickt, so musste er sich um so betroffener fühlen, als ihm über das kleine bronzirte Gitter hinweg ein holdes Frauenantlitz entgegenleuchtete; in Wirklichkeit leuchtete mit einem Lichte und figürlich durch holdesten Liebreiz und eine seltene Anmut; dabei dasselbe zarte Mädchenangesicht, in dessen Schilderung er soeben zu Gebhard Schmitz beinahe hätte poetisch werden können, wenn ihn nicht der Schlummer übermannte ...

Ja aber, um Gottes willen! Sie noch auf? sprach er mit nicht leichter Zunge ...

Das junge Kind zitterte und trat mit dem Leuchter in der Hand zurück ... denn nun stand Piter schon schwer und krampfhaft und mit einem entsetzlichen Dunst von Taback und Wein dicht vor ihr ... Er weidete sich an einem Anblick, der ihm ein "Bild aus Himmelshöhen" schien. Diese zwar nur kleine, aber zierlich behende Gestalt, dies goldblonde Haar, das einen Trauerkrepp in seine dichten Flechten eingewunden hatte, diese aus einem gleichfalls trauernden schwarzen Kleide hervorblendende weisse Haut und der Schnitt des Gesichtes von einer wunderbar lieblichen Rundung und Regelmässigkeit übten wieder die ganze wirkung auf ihn aus, die er schon seit gestern früh um zehn Uhr empfpunden hatte, als er dieses neu hinzugezogene Mädchen seiner Schwester Hendrika Delring zum ersten mal gesehen hatte.

Aber zum Donnerwetter ... wie kommen Sie denn dazu, soso lange aufzubleiben oder vielmehr –?

So hab' ich Frau Commerzienrätinvielleichtnicht richtig verstandensie befahlmir, da ich hier oben dochbei Madame Delring binimmer auch auf Ihre Wünsche zu hörenund wenn Sie reistenhätten Sie manchmal noch etwas nötigund dawartete ich so lange

Die stimme des armen überwachten, verweinten und erschreckten Mädchens zitterte ...

Na, das ist ja aber wahrhaftig noch besser ...

Piter lachte wie über eine grenzenlose Beschränkteit und doch tat ihm die Naivetät wohl, die so auf seine allerhöchste Befriedigung bis gegen vier Uhr Morgens aufbleiben konnte.

Hahaha, lachte er und taumelte, um sein ausgegangenes Licht auf eine Fenstersims zu setzen. Das ist ja einzig! Sie bleiben 'ne ganze Nacht um unsereinenund nun reis' ichjetzt, wo ich solcheNachbarschafthabeMeine Schwesterna, wird einen schönen Lärm machen, wenn sie hört, dass Sie Muttern so unsinnigwollt' ich sagen allerliebstverstanden haben! Herr Gottkleiner Engel! Die zeiten sind vorüber, wo manNachts aufbliebwenn unsereins bloss nur noch Elberfeld reisteJetzt heisst's: Reise glücklich! und das Uebrigemacht Wecker an der Uhrundund Hausknechts Stalllaterne

Diese blitzte auch unten im dunkeln hof hochauf an die Hauswand gegenüber ...

Piter wollte von dem überaschenden Misverständniss noch Vorteile ziehen, aber das schöne Mädchen hatte schon die Tür ihres Zimmers zum Rückzug in der Hand

Piter wollte nach und trat einstweilen mit den Füssen zwischen die Oeffnung, die die Fliehende schliessen wollte.

Warum sind Sie denn schwarzanangezogenDonnerwetter und wie heissen Sie denn –?

Gertrud Lei

Gertrud! Also Treudchen? Sieh! Du bist schön, Treudchen, straf mich Gott, wie ein Engelaberaber warum denn der schwarze Flor da indeinen allerliebsten

Wenn Treudchen Lei jetzt in ein fast krampfhaftes Weinen ausbrach, so war es nicht so sehr die Erinnerung an die Leiden, die sie seit einigen Wochen und vollends den letzten Tagen durchgemacht hatte, als auch das Gefühl der tieffsten Beschämung über den Irrtum, der sie so bis früh Morgens hier oben aufsitzen und wachen lassen, auch vielleicht der Schmerz, dafür so belohnt zu werden, wie jetzt von Pitern geschah ... und auch ihr Vater fiel ihr ein, wie der so des Morgens aus den Wirtshäusern kommen konnte.

Ihr Weinen war so convulsivisch, dass Piter darüber an Besinnung verlor und gewannje nachdem. Den Versuch sich ihr noch zu nähern gab er auf und zog sich scheu und seit langer Zeit zum ersten mal in einer Art Verlegenheit auf seine Zimmer zurück.

Als er dann wiederkam mit Plaid und tasche, war Treudchen verschwunden. Die zu den Zimmern seiner Schwester führende Tür war verriegelt.

Er klopfte und klopfte. Er war in einer Begeisterung, in einem Sturm, in einem Drange der Liebesbeteuerung, in einem Vergessen ganz seiner selbst

Treudchen Lei antwortete aber nicht mehr.

Piter musste den schon mahnenden Freunden folgen.

Unten schob einer den andern in die harrenden beiden Wägen. Im Abfahren waren alle sieben noch leidlich wach. Piter war sogar ganz, als hätte er die "seiner natur durchaus notwendigen" zehn Stunden vollständig geschlafen, er lachte und trällerte, und sagen wir nur, wie unsinnig. Seine eben erlebte geschichte hätte jedoch niemand hören können, wollte er sie auch erzählen, so rasselte man über die öden und schon vom kommenden Tageslicht angedämmerten Strassen, über die grosse brücke, durch die Festungswerke; auch kam die pariser Mallepost, nicht unhörbar, hinter ihnen her ...

Im Bahnhof angekommen, schliefen alle ausser Pitern und Tiebold.

Nun aber raffte man sich noch einmal auf und nahm Abschied.