neue Villa und zog sein Portefeuille und hat gegeben dem fremden Priester gleich die Visitenkarte: Monsieur Monsieur Moritz Fuld ...
Der ganze Chorus fiel hier mit den donnernd betonten Worten ein:
A Paris! à Paris! M a n w e i ss s c h o n !
Diese für unsere Leser gänzlich unverständliche und doch allgemein bejubelte Pointe der Erzählung krönte sie für die jungen Männer wie das letzte Schlagwort eines Epigramms ... Die Worte: "Man weiss schon!" knüpften sich nämlich an die allbekannte Anekdote, der zufolge der ganz arm aus Kocher am Fall einst gekommene und durch Kriegslieferungen emporgestiegene alte Vater der Gebrüder Fuld jemanden, der ihn bei seinen öftern Reisen nach Paris um seine dortige genauere Adresse gefragt, mit schmunzelndem Stolz geantwortet haben sollte: "Schreiben Sie nur ganz getrost und einfach bloss meinen Namen à Musje Musje Fuld à Paris! M a n w e i ss s c h o n !"
Die wirkung dieser Erzählung auf Tiebold de Jonge war eine in der Hauptsache, doch im andern Sinne als bei den Freunden, auch aufregende.
Nicht dass er Gebhard Schmitz gesagt hätte: Aber Sie lügen ja ganz entsetzlich, Schmitz! Moritz und Bernhard Fuld sind ja zwei höchst gebildete und sehr taktvolle Männer, über die wir uns deshalb ärgern, weil sie geradezu einen Auffschwung nehmen, der uns alle verdunkelt – auch er stand unter den Vorurteilen seiner Geburt und seines Standes – aber sowohl die Tatsache, dass wahrscheinlich den Abend Bonaventura von Asselyn angekommen war, wie die Erwähnung Drusenheims, das dem Aufentalte Armgart's auf einen Büchsenschuss gegenüberlag, liessen ihm kaum zur Besinnung kommen. Er sprang auf, lief im Zimmer hin und her und überhörte dabei gänzlich, dass Weigenand Maus unter allgemeinster Zustimmung beantragte, eine Caricatur anfertigen zu lassen, um "auf diesem nicht mehr ungewöhnlichen Wege" das zeitgemäss-modernste Tema: Juden bauen den Christen ihre Gotteshäuser! zu verspotten. Ein stillerer und sanfterer unter den Freunden, Alois Effingh (Effingh & Cie., Bankgeschäft), übernahm die Ausführung durch einen vertrauten Freund, der das Talent besass mit der Feder gleich auf Stein zu zeichnen.
Hiess der Geistliche nicht Herr von Asselyn? fragte Tiebold de Jonge.
Ich glaube, ja ... antwortete Gebhard Schmitz, ganz verloren in die Caricatur und noch weitere Details gebend.
Ein Vetter Benno's von Asselyn ... sagte Tiebold und erwähnte einen Namen, den alle kannten, der aber nicht zu diesem Kreise gehörte ...
nächsten Sonntag nach Drusenheim! rief Clemens Timpe ...
Bewunderung der Villa ...
Der Kirche ...
Der Tauftügelchen ...
Wir laden Eva und Apollonia ein ...
Nein! unterbrach Joseph Moppes. achtung vor Tiebold de Jonge! Auf Lindenwert
"Da blüht eine Blume so hold, so hold"...
Auf Lindenwert? rief der Chorus. Ja, de Jonge! unterbrach den Singenden Gebhard Schmitz. Ich war im Stifte bei meiner Schwester! Wahrhaftig! ... Ich bin sonst in Geschmackssachen – auf Ehre – aber die Tochter Ihres Lebensretters – Die Lebensretterstochter ... rief der Chorus. im ghibellinischen Leutenantston ... Moppes sang:
"Und schöner als in dieser Rose"...
A la bonne heure! eigentlich noch ein Backfisch, aber künftige "Jöttin"! fuhr Schmitz fort und –
"Hebe stieg in sanfter Feier" ...
sang Moppes. Schwarz und braun sind ihre Augen ...
"Maikäferlein, was fliegst du auf?"
Zähne, – reizend! Zwei Zähne –, man sieht sie immer – Man sieht sie immer? rief der Chorus ...
"Um das Rhinoceros zu sehen" –
declamirte jetzt sogar Weigenand Maus. Tiebold erwachte aber aus seinem Brüten wie ein Löwe und schüttelte seine goldene Mähne. Genug! Rief er mit donnernder stimme ... Aber
Singvögelein singet,
Stolz sich in den Himmel hinein!
antwortete Moppes.
Der Streit wurde durch Gebhard Schmitz beigelegt. Letzterer blieb bei seiner Bewunerung Armgart's, nannte sie das Entzücken des ganzen Pensionats und liess jetzt wirklich etwas Höheres gelten als seine Dialektkunst und seinen pariser "Gibus" zum Einklappen, den er suchte.
Es blieb bei der Caricatur und bei der sonntäglichen Partie ...
Gruppen bildeten sich ... der eine lag von der Caricatur sprechend da, der andere von der Liebe überhaupt dort ... man flüsterte ... man hatte jetzt Geheimnisse ... ja es senkte sich über die wüste Atmosphäre mancher reinere Sonnenstrahl ... Selbst Piter liess endlich von der Arakflasche und erzählte mit gedämpfter stimme von einigen wunderbaren neuen weiblichen Bekannschaften, besonders einer ... er sprach ganz leise nur ins Ohr zu Gebhard Schmitz ... Joseph Moppes, der hören wollte und nichts verstand, parodirte:
Mir auch war eine Leben aufgegangen!
Folgen können wir diesen Gesprächen nicht. Sie entielten zu viel von dem, was, wenn die Männer zwischen zwei und drei Uhr Morgens von Frauen
Endlich aber wurde alles still ... die am lautesten
gesprochen haben, schnarchten schon ... auch Piter im schottischen Reisecostüm schlummerte und lächelte und sein etwas stumpfes Näschen schien im Traume eine ganze Jakobsleiter voll Seligkeiten zu balanciren ... nur Tiebold de Jonge lag auf einem Sopha ausgestreckt, das Haupt aufgestützt, sah nach der Uhr und war in wenig Minuten der einzige, der wach geblieben.
Er