sogar eine Kirche gebaut. Es konnte zunächst keinen anziehendern Stoff geben, der hier besprochen wurde, als da Haus Fuld und Söhne, und im Verlauf dieser Mitteilungen, die indessen eine Kette nur von Spott und Misgunst waren, wurde auch Tiebold lebendiger und erregter.
Gebhard Schmitz und Joseph Moppes hatten zwei Kunstfertigkeiten, die miteinander wetteiferten. Dieser intonirte die anziehendsten Lieder, jener war ein Dialektkünstler. Ob sächsisch oder berlinisch oder frankfurtisch oder im Volkston der eigenen Vaterstadt, war ihm gleich. Er ahmte jede Mundart nach, so weit die deutsche Zunge reicht. Vorzugsweise aber war ihm das Jüdeln geläufig. Er erzählte von Juden nie anders als im rauhsten Kehlkopftone. Und wenn er von Spinoza hätte sprechen können, Gebhard Schmitz würde dessen Philosophie vorgetragen haben wie die eines Hausirers, der von seinen Masematten spricht.
Von einem der Fulds, zwei in den pariser Börsencoulissen und Salons gebildeten, höchst eleganten und weltgeschliffenen jungen Männern, die auf einer Jagd in Homburg oder Baden-Baden sich neben jedem deutschen Standesherrn sehen lassen konnten, erzählte er:
Bin ich doch gekommen heute Abend auf den Domplatz und habe gesehen ... Gottswunder ... Was hab' ich gesehen! Ist gekommen Herr Fuld und Söhne junior der Moritz! Ist er gekommen mit dem neuen roten Bändchen im Knopfloch! Hat er doch gekriegt den Orden von der ehrlichen Legion in Paris!
Die Unterbrechungen der Zustimmung verstanden sich an den schlagenden Stellen von selbst ...
Sieht der Ritter Moritz sich um und wird fragen: Wo ist hier die Fabrik von die Wachslichter und Lebkuchen und heiligen Oblaten? Herr Schmitz! Können Sie mir nicht sagen: Wo ist wohnhaft Herr Jean Baptiste Maria "Schnuphöse" aus Hildesheim mit die elegönte s-pitze Vatermörders?
Diese Variation gestattete eine neue Zustimmung. Sie war eine andere Tonart der Gebhard Schmitz'schen Redekunst, die ein Unisono von ähnlich betonten Worten hervorrief ...
Gebhard Schmitz fuhr fort:
Gut! Hab' ich ihm gezeigt den Laden von Herrn "Möriö" und hab' mir gemacht doch auch ein Geschäft bei die Fräuleins, um zu hören, was der Ritter von Louis Philipp's ehrliche Leute hat für neue Masematte! ... Gut! Wie wir eintreten, frag' ich die Fräuleins ...
Unisono des Chorus:
Evö! Apöllönia!
Ob sie nicht hätten ein schönes ges-ticktes Tauftüchelchen mit bröbönter S-pitzen, das ich wollte schenken nach Bilk uf die Hütte von meinem Tate, wo zwei bilkener Jüden sind gekommen auf den Einfall sich zu taufen! Sagt der Herr Ritter von die französische Ehrlichkeit zu mir: Main, Herr Schmitz! Sie wollen kaufen so feinen "Böttist", um zu waschen zwei bilkener Juden rein von's Judentum? Da will ich Sie recommandiren die geistliche Stickerei da oben in dem fünften Carton rechts sehe' ich Litera B, wo angeschrieben steht mit lateinische Buchstaben: "Tauftügelchen" – Tügelchen mit 'nem G, Herr Schmitz!
Neue Unterbrechung über die Ortographie Eva's und Apollonia's Schnuphase ...
Aber der Ritter der ehrlichen Legion ... wird er doch sagen: Hat mein Bruder nicht gestern gekauft hier ein Altarbecken und drei neue Messgewandkleider ... meine Damen? ... Ja, Herr Fuld! ... Nun, so werden die fräulein haben die Güte mir noch zu geben zwei Dutzend von die stärksten Wachslichter fürs heilige Hochamt! ... Sag' ich: Herr Fuld: Wie heisst Hochamt? ... Alles, Herr Schmitz, für die neue Kirche zum Geschenk, wo mein Bruder hat bauen lassen oben bei Lindenwert und Drusenheim im Enneper Tale! Und zu die Fräuleins sagt er: Wissen Sie, fräulein, die Kerzen, wo Herr Levi, der Gemeindevorstand, hat gekauft neulich fürs Tabernakel in unsre Synagoge ... Die aufgeklärte? frag' ich. Die neue, Herr Fuld, wo soviel Licht in die schönen Fenster fällt? ... Nein, Herr Schmitz, sagt er, in die dunkle! Gerade so wie wir gebaut haben unsre Kirche in Drusenheim auch ins Byzantinische!
Durch den jubel der Freunde hindurch fuhr mit gesteigerter stimme Gebhard Schmitz fort:
Herr Schmitz! Sie wird eingeweiht am neunten October, dem Tag vom heiligen Dionysius, wissen Sie dem, den die Römer haben abgehauen den Kopf und der noch ist gegangen ich weiss nicht wie viel Meilen zu Fuss und mit dem Kopf unterm Arm! ... Ist es denn wahr, Herr Ritter, fragte ich, dass Ihr Herr Bruder in Paris von seinem Freund Louis Philipp und aus dem seiner Kapelle von St.-Denis um 10000 Francs hat angekauft einen heiligen Zehen von St.-Denis und will ihn lassen einmauern in dem Altar, wo Sie haben gebaut in Drusenheim die neue Kirche im Basiliskenstil?
Basiliskenstil ... wiederholte der Chorus.
In dem Augenblick ist aber gekommen eine Chaise vorm Wachslichterlöden und fräulein Apollönia hat gerufen: Ach, Herr Fuld! Ach Herr Schmitz! – bitte um Entschuldigung, wir bekommen soeben –! und ein schöner schlanker Herr Köplön ist eingetreten in den Löden, frisch von der Reise angekommen und soll wohnen bei Herrn Schnuphöse ... Und was wird mein Ritter tun von der ehrlichen Legion? Gleich als wollt' er haben Ablass auf hundert Jahre für die byzantinische Kirche hat er Hochwürden eingeladen, auch zu sehen, was gebaut hat sein Bruder Bernhard Fuld zu Drusenheim neben die