epheuumwundenen Burgruinen, da, wo man ringsumher dicht neben dem Anblick des Grossen und Schönen auch überall einen Guten schenkt. So zu stehen auf "erhöbenstem" Standpunkte, so mit dem grünen "Römerglöse" allen "Köpöllen" und Kirchen und "Dömen" und "S-tiften" und "Kötödrölen", die er erleuchtete, allen Tannenbäumen ringsumher, die er zur Weihnachtszeit mit Lichtern und Lebkuchen schmückte, allen Kaplanen und Pfarrern, die er mit wundervollen Messgewändern bekleidete, ein Hoch nach dem andern auszubringen – wer konnte ihm das verdenken! blieb er nicht immer fein, nicht immer nobel, immer Herr seiner weissen Wäsche, Hüter seiner Manschetten, Meister im Knoten seiner weissen Binde, zierlich und manierlich? Einem Weihbischof die Hand zu küssen, hätte ihn von allen Schäden der Patologie geheilt! Glücklicherweise war er gesund und fühlte sich im Ahrbleichert und seinem Berufe wie der fisch im wasser! Oder er war selbst wie eine seiner Kerzen! Erst Product einer von tausend Enden und Ecken her gesammelten Betriebsamkeit – und dann so sanft sich selbst verzehrend im Lichte, in aufwärtsstrebender reiner, heiliger Flamme und fanatischster Hingegebenheit an alles, was sich nur für sein römisches Ideal unternehmen, betreiben, wühlen liess! Betriebsamkeit liess ihn, wie Löb Seligmann, der Bruder der Hasen-Jette, vom feld die Früchte "auf den Halm" kaufte, den Reps "auf die Blüte", den Taback, die Runkelrübe "auf Stengel und Knollen", so den Honig und Wachs kaufen "auf die Blume", auf die Blume, wenn über dem duftenden Kelche noch die grünen Weberinnen wetteifernd mit den Schmetterlingen summten und schwelgten! Und fast alle Stöcke der Bauern und Schullehrer waren so dem tendenziösesten aller Tendenz-Tendenzer verpfändet, noch ehe die Zellen sich füllten. "Die Blume" – darauf war er Kenner! Und er drückte niemanden. Er handelte wie ein Mann, der die heilige Ehre genoss, mit Stolen, Alben, Manipeln, Fahnen, Standarten, Demonstrationen, selbst Intriguen die Glorie des katolischen Lebens zu mehren, die Hochämter bis nach Lüttich und Antwerpen hin und die grossen Dome – o wär' es bis an die Peterskuppel von Rom gewesen! – mit Licht-, Gold- und Silberglanz zu füllen!
Herr Schnuphase überbrachte vom Herrn Kaplan Michahelles, dem Secretär des Kirchenfürsten, einen Brief, der für St.-Wolfgang bestimmt war.
Ein Auftrag Sr. Eminenz? fragte der Dechant erstaunt, als Bonaventura den Brief erbrach.
Frau von Gülpen zitterte bei diesem Worte jetzt auch noch zu alledem vor – Devotion ...
Zu dienen, Höchwürden! sprach Herr Maria.
Ohne weitern Aufentalt? sagte Bonaventura betroffen im Lesen halb für sich.
Ohne allen weitern Aufentölt, Höchwürden!
In die Residenz sollst du kommen? fragte der Dechant hocherstaunt.
Zu dienen, Höchwürden! bestätigte Schnuphase.
Des Dechanten Herz klopfte fast hörbar von einer Ahnung, die mit der vorhin unterbrochenen Warnung im innigsten Zusammenhange stand. Gerade das hatte er sagen wollen, gerade vor der Gefahr warnen, die jetzt für Bonaventura heraufzog!
Zu all den Foltern, die Frau von Gülpen zu überstehen hatte, kam nun noch die, sehen zu müssen, wie der Dechant förmlich erblasste und sich an seinem Tische halten musste ... Alle ihre Gedanken gingen nun wieder bloss auf die Hausapoteke, auf ihre niederschlagenden Pulver – und dabei sah der geliebte Mann offenbar doch nur mit der Absicht so scharf jetzt auf sie hinüber, um sie zu entfernen, sich allein zu wissen mit Bona und über den empfangenen Brief mit ihm eine Scene zu haben ... eine Scene!
Herr Maria, nichts ahnend als nur Gutes, äusserte:
Hochwürden werden gewögentlichst in meinem haus abs–teigen! Ich bitte! Ich bitte! Es ist der Befehl – wöllt' ich sögen der Wunsch Sr. Eminenz, dass Ew. Hochehrwürden bei mir wöhnen! Im sogenannten s–teinernen haus, dicht an der Kötödröle!
Der Dechant beherrschte sich nicht länger. Windhack bekam Befehl, Herrn Schnuphase, der es einräumte, sich noch "im ungefrühstückten Zustande" zu befinden, ein Déjeûner à la fourchette vorzusetzen ... Frau von Gülpen durfte dem entscheidenden blick, dem Wunsche, der sie in diesem Moment aus den Augen des Dechanten machtgebietend traf, sich nicht widersetzen ... Sie ging ... sie ging auf Bonaventura mit einem blick, der ihn um aller Heiligen willen, die im und nicht im Kalender stehen, bat, den Dechanten zu schonen! ... Sie? Sie selbst? Ach sie war ja gewohnt alles zu tragen! ... Als sie noch Herrn Schnuphase's Diener und "gehorsamsten Befehle" und "untertänigsten Bereitwilligkeiten", auch "die Absicht, den nähern Bescheid abwörten zu wollen", unterbrechen musste und die Tür öffnete, die zum Corridor führte, und nun wieder mit Herrn Schnupphase zu complimentiren hatte, wer zuerst ginge, da warf sie noch einen blick gegen Himmel ... Er war gemischt aus Kummer und schon wieder doch – aus der seligsten Freude: Diese Bürden – wie sind sie so schwer und dennoch – wie wär' ich unglücklich, wollte sich jemand unterstehen, sie mir abzunehmen!
Bonaventura und der Dechant waren allein.
Mein Sohn! rief der Greis jetzt ausbrechend und mit der ganzen zurückgehaltenen Kraft seiner Furcht und Aufregung, mein Sohn! Was ist das?
Er warf sich dem jungen Priester mit einer leidenschaft, die dieser an