; zwei wunderlich ein wenig hervorstehende Zähne, die man nur dann nicht sah, wenn der Mund ganz fest geschlossen war, die aber sonst immer ein klein wenig mit ihrem blendenden Email hervorblitzten; drittens die weder römische noch griechische, sondern weit eher stumpfe, aber höchst schelmisch geschwungene Nase. Ihre Augenbrauen waren so dunkel wie das Haar, auch die Augensterne dunkelbraun mit schwarzen Punkten ... Und nun tönten immerfort die dummen Worte, wie: "hören Sie doch, Benno!" oder "Was meinen Sie, Asselyn?" oder "Sie Vaterlandsverteidiger, was glauben Sie, gibt es Krieg?" oder "Warum wollen Sie denn nicht General werden?" oder "Was? In unserer Armee gibt es keinen einzigen katolischen Obersten?" oder "Wie sieht mein Vater aus?" oder "Ich sticke ihm einen Cigarrenbecher, aber sagen Sie ihm nichts, Benno!" geradezu wie Musik in sein Ohr, bis er jetzt wirklich eingeschlafen wäre, wenn er nicht den wunderlichen Hedemann nun allerdings noch ganz laut hätte reden hören.
Hedemann hielt sein Nachtgebet. Doch wusste er dabei schwerlich, dass es Benno hören konnte.
Hedemann sprach:
O du mein Herr und Heiland! Erleuchte meinen Sinn und lass mich wandeln, wie dir wohlgefällig ist! Tu abe von mir die Werke der Finsterniss und lass mich kämpfen den guten Kampf des Glaubens!
Benno sagte sich:
Den haben die Engländer schön in der Mache gehabt!
Nun entschlief auch er ...
Die Sonne schien schon hell auf sein Lager, als er erwachte.
Er sprang auf und fand das Lager seines Mitschläfers in der kammer bereits leer.
Seine Kleider hingen schon gereinigt vor ihm über einem Stuhl ...
Rasch schlüpfte er in sie hinein und staunte beim Waschen und Haarbürsten über die Unruhe im Orte ...
Er kannte doch die tägliche Lebensordnung in St.-Wolfgang und erkundigte sich durch ein Hinabrufen im haus nach der Ursache der Bewegung.
Von Hedemann, der schon fertig angezogen eintrat, von Renaten, die hinter diesem her ihn schon lange mit dem Frühstück zu erwarten erklärte, erfuhr er, dass wirklich in der Nacht der Friedhof entweiht worden war.
Grützmacher hatte Recht gehabt! Man hatte das Grab aufgegraben, den Sarg heraufgezogen, ihn erbrochen, die Leiche geradezu hinausgeworfen und gierig das Stroh durchwühlt, auf dem sie gebettet gewesen.
Von einer ganzen Bande sprach man und von gefundenen Schätzen und Grützmacher war dem Knechte nachgeritten, der Lucinden gestern geführt hatte, und andere waren den Italienern nach, die die Nacht in einem Orte eine halbe Stunde weiter campirt hatten, und der Ortsgensdarm Müller war von Stokkhofen drüben bereits requirirt worden und alles, hiess es, forsche und jage und suche und renne ...
St.-Wolfgang war in wildester Bewegung und wie im Aufruhr.
Fussnoten
1 Märkisches Mitleidswort für "armes Ding".
5.
Wo ist mein Vetter? rief Benno von Asselyn, eilends die Stiege hinunterspringend, und vergegenwärtigte sich den Schmerz, den Bonaventura über ein solches Ereigniss auf dem Friedhofe seiner Kirche empfinden musste.
Er erfuhr sogleich, dass Bonaventura auf dem Friedhofe die Ordnung schon wieder äusserlich hergestellt hatte und mit dem Schulzen des Ortes eine genaue Darstellung der Vorgänge, wie sie auf dem Friedhofe gefunden worden waren, eben schriftlich aufsetzte.
Gern hätte ihm Benno beigestanden, aber Hedemann, ein alter Soldat, erinnerte ihn, dass er heute Nachmittag Schlag fünf Uhr in Kocher am Fall zum Appell auf dem Marktplatze stehen müsste.
Der bestellte Wagen fuhr auch schon aus dem Stern vor.
Von Lucinden hiess es, sie würde sogleich zur Hand sein; sie hätte gesagt, man sollte nur erst die Herren abholen.
Benno entsann sich seiner militärischen Pflichten. Hatte er doch heute schon die weisse Weste ausgelassen. Aber Bonaventura musste er wenigstens einen Augenblick sprechen!
Er eilte auf den Friedhof und fand den Vetter in der Sakristei der Kirche beschäftigt mit den Anordnungen einer noch im Laufe des Vormittags von ihm bezweckten neuen Einsegnung der entweihten Begräbnissstätte.
Bonaventura war nicht nur von dem Fall an sich aufs heftigste erschüttert und von der Hoffnung, der Täter würde nicht zu seiner Gemeinde gehören, in der grössten Aufregung, sondern er war es noch mehr von einigen Gegenständen, die man, als dem freventlich erbrochenen Sarge in der Tat entfallen, ringsumher zerstreut gefunden hatte ....
Mit dem allen fand ihn Benno so beschäftigt, dass er von seinem Freunde gebeten wurde, sich in der Fortsetzung seiner Reise nicht stören zu lassen. Bonaventura setzte mit der ganzen Erregung einer natur, die in nervöser Anspannung zu leben nicht gewohnt ist, hinzu, dass er nach der vollzogenen Sühne der heiligen Stätte und einer Predigt, die er zur Erschütterung der Herzen, vielleicht zur Entdeckung des Täters halten müsse, wahrscheinlich den Abend noch selbst in der Dechanei eintreffen würde. Einmal, sagte er, handelte es sich um eine Anzeige beim amt in Kocher, dann aber vorzugsweise – um einige Andenken an seinen unvergesslichen Vater, die sich denn also wirklich in dem Sarge vorgefunden hätten ... Andenken, über welche er mit dem Onkel, dem Dechanten, zu sprechen die Zeit nicht erwarten könne.
Freund, dich macht der Vorfall krank! Beruhig dich! rief Benno.
Erzähle nichts dem Onkel! erwiderte der Pfarrer. Du kennst seine Abneigung gegen alles, was aufregt ...
Benno mochte nicht länger forschen, worin die gefundenen Andenken an den Vater bestanden. Er wusste, dass diese