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schon fast ein Jahr alt, als Sie Ihr Vater aus Spanien mitbrachte!

Aus Sevilla! Aus Sevilla! Wo die letzten Häuser stehen ... sang Benno mit elegischem Humor.

Dann fuhr er fort:

Ich wundere mich nur, wie ein Zigeunerkind sich so acclimatisiren konnte! Sprach ich heute nicht von Buchweizen, Haarrauch und dem Landesvater, wie wenn ich wirklich ein Asselyn wäre, kein Pseudo-Asselyn, kein unberufener Eindringling in die Wallhekken und Moore und Kampe eurer Ahnen!

Sie sind der rechtmässige Sohn des weiland Erbund Gerichtsherrn zu Borkenhagen!

Und sein Erbe! Hedemann, dass ich doch nur den kleinen Tümpel geerbt hätte, der um unsere Hundehütte ging, Burg genannt, jene majestätische See, wo Sie mir die kleinen bewimpelten Schiffchen schnitzten, die ich durch die grünen Wasserlinsen fahren liess!

Ich ahnte damals meine Reise nach Amerika!

Und den Finkenfang, Hedemann, im Schlehdornbusch, wo Sie die prächtigen Schlagnetze legten! Ach, ich habe als Student später nie mehr aus einem Weichselrohr rauchen können, ohne nicht daran zu reiben und zu reiben und aus dem köstlichen Geruch des Rohrs mir unsern Finkenfang wieder zu vergegenwärtigen!

Graf Münnich hat ihn niederhauen lassen ...

Und hätten uns die Gläubiger nur den einen grossen Ebereschenbaum gelassen, auf der Wolfshöhe! Wenn wir sonst dahin wallfahrteten, war's mir immer nur um die roten Beeren zu tun und die Bank darunter war mir nur eine blosse hülfe, um die schönsten Büschel herunterzukriegen und an die Mütze zu stecken! Später als Student, kam ich einmal wieder in die Gegend und wollte Freunde und sogenannte Verwandte begrüssen. Da merkt' ich fast, dass die Wolfshöhe mir nur eigentlich deshalb gefallen haben musste, weil der künftige Herr von Asselyn-Borkenhagen sein ganzes kleines Königreich dort am schönsten hätte übersehen können. Die herrliche Aussiht! In weiter Ferne die Wälder! Aus ihnen herausblickend Schloss Neuhof, golden wie die Landeskrone, Kloster Himmelpfort, Witoborn mit seinem ewigen Armensündergeläut ... Werden Sie das denn aushalten, Hedemann?

Meine Mühle überrauscht es ...

Und rechts hinüber Westerhof mit Paula und Armgart, die damals Kinder waren und mich Vetter nannten, den armen, abgeblitzten Herrn von Borkenhagen ... Es war gerade Kirchweih im Ort ... Eine Spielbande zog von den Bergen herunter; ein buckeliger Geiger voran ...

Stammer! Der lebt noch!

Bänder und Fahnen flatterten ... alles war lustig ... im Wittekind'schen hatte' es ein grosses Erntebier gegeben ... es war damals kaum ein paar Wochen über die grauenvolle geschichte mit dem erschlagenen Teilungscommissar hinaus ...

Der Alte vom Berge, der Kronsyndikus, lässt noch jetzt draufgehen, hör' ich ... früher war er geizig genug ...

Gerade des Weges ritt der Landrat! Ich fragt' ihn nach dem Vorfall. Der wies mich schön zurecht! Wie ich den Herrn auf dem hellen Schloss da oben zu nennen wagen könnte ...

Das wollt' ich meinen, der "schöne Enckefuss"! ...

Nun aber ging ich in den vielgrünen Wald, an meinen Vogelherddamals, Hedemann, standen noch all die lieben hellen Buchenam Ende der Wildschonung lag der kleine Hof Ihrer älteren ... Sie erzählten mir ja noch nichts von denen ... Sie leben doch noch? ... Hedemann antwortete nicht. Benno sprach vor sich hin: Er schläft wohl schon! Nach einer Weile des Schweigens hörte Benno seinen Nachbar laut aufseufzen ... Was seufzen Sie denn, Hedemann? fragte Benno, den inzwischen selbst der Schlaf überkam. Als Hedemann nicht antwortete, sagte er gähnend: Sie warendamals in EnglandAmerika! verbesserte Hedemann. Amerika! antwortete Benno und legte sich, um nun wirklich fest einzuschlafen. Doch sprach er noch vor sich hin, aber in einzelnen, unterbrochenen Worten: Sie sind im standund heiraten ... als Müller Hedemann ... die weisse Gipsitalienerin ... natürliche Ideenassociation ... Müllerin Biancchi ... Hedemann ... nicht wahr? ... Ja, gute Nacht! erwiderte Hedemann, der ihn nicht mehr verstanden ... Benno's Empfindungen mussten noch eine lange Zeit gegen den Schlummer kämpfen. Seine Phantasie verweilte auf den lachenden Bildern seiner Jugend, auf dem grünen Wolfshügel, unter dem Ebereschenbaum und bei dem Rundblick in der Ebene von Witoborn. Sie hielt dann Stand bei Paula und bei Armgart. Armgart von Hülleshoven hatte er damals vor sieben Jahren zum ersten mal gesehen. Sie war die Tochter des kürzlich aus England als pensionirter englischer Oberst zurückgekehrten Herrn Ulrich von Hülleshoven. Ihre Mutter war jene Monika von Ubbelohde, die die erste gewesen, die einst dem Kammerherrn Jérôme von Wittekind-Neuhof einen Korb gegeben. Die hatte keines Hundes, des Calfacters Türck, bedurft, der ihr erst ein seidenes Kleid verderben musste, wie Portiuncula von Tüngel-Appelhülsen, um von den Wünschen der Familie sich zu befreien. Aber da man es ihr, einer armen und völlig güterlosen Adeligen, mit den Anträgen und Vorschlägen und Zwangsmassregeln zu bunt und zu gefährlich gemacht hatte, nahm sie gleichsam "aus Desperation", wie damals die Leute sagten, die die Rache des Kronsyndikus und seinen Einfluss auf zehn Meilen in der Runde und, wenn er wollte, noch etwas weiter hinaus, kannten, den jungen Offizier Ulrich von Hülleshoven, der gerade in der