getan hatten.
"Lebe wohl, Natalie", sagte er dann zu dem Mädchen.
Dasselbe erwiderte nur leise die Worte: "Dank für alle Güte."
Matilde sagte zu dem Knaben: "Sei folgsam, und nimm dir deinen Ziehvater zum Vorbilde."
Der Knabe küsste ihr die Hand.
Dann zu mir gewendet sprach sie: "Habet Dank für die freundlichen Stunden, die Ihr uns in diesem haus gewidmet habt. Der Besitzer wird Euch für Euren Besuch wohl schon danken. Bleibt meinem Knaben gut, wie Ihr es bisher gewesen seid, und lasst Euch seine anhänglichkeit nicht leid tun. Wenn es Eure schöne Wissenschaft zulässt, so seid unter denen, die von diesem haus aus den Sternenhof besuchen werden. Eure Ankunft wird dort sehr willkommen sein."
"Den Dank muss wohl ich zurückgehen für alle die Güte, welche mir von Euch und von dem Besitzer dieses Hauses zu teil geworden ist", erwiderte ich. "Wenn Gustav einige Zuneigung zu mir hat, so ist wohl die Güte seines Herzens die Ursache, und wenn Ihr mich von dem Sternenhofe nicht zurück weiset, so werde ich gewiss unter den Besuchenden sein."
Ich empfand, dass ich mich auch von Natalien verabschieden sollte; ich vermochte aber nicht, etwas zu sagen, und verbeugte mich nur stumm. Sie erwiderte diese Verbeugung ebenfalls stumm.
Hierauf verliess man das Haus und ging auf den Sandplatz hinaus. Die braunen Pferde standen mit dem Wagen schon vor dem Gitter. Die Hausdienerschaft war herbei gekommen, Eustach mit seinen Arbeitern stand da, der Gärtner mit seinen Leuten und seiner Frau und der Meier mit dem Grossknechte aus dem Meierhofe waren ebenfalls gekommen.
"Ich danke euch recht schön, lieben Leute," sagte Matilde, "ich danke euch für eure Freundschaft und Güte, seid für euren Herrn treu und gut. Du, Katarina, sehe auf ihn und Gustav, dass keinem ein Ungemach zustösst."
"Ich weiss, ich weiss," fuhr sie fort, als sie sah, dass Katarina reden wollte, "du tust alles, was in deinen Kräften ist, und noch mehr, als in deinen Kräften ist; aber es liegt schon so in dem Menschen, dass er um Erfüllung seiner Herzenswünsche bittet, wenn er auch weiss, dass sie ohnehin erfüllt werden, ja dass sie schon erfüllt worden sind."
"kommt recht gut nach haus", sagte Katarina, indem sie Matilden die Hand küsste und sich mit dem Zipfel ihrer Schürze die Augen trocknete.
Alle drängten sich herzu und nahmen Abschied. Matilde hatte für ein jedes liebe Worte. Auch von Natalien beurlaubte man sich, die gleichfalls freundlich dankte.
"Eustach, vergesst den Sternenhof nicht ganz," sagte Matilde zu diesem gewendet, "besucht uns mit den anderen. Ich will nicht sagen, dass Euch auch die Dinge dort notwendig haben könnten, Ihr sollt unsertwegen kommen."
"Ich werde kommen, hochverehrte Frau", erwiderte
Eustach.
Nun sprach sie noch einige Worte zu dem Gärtner
und seiner Frau und zu dem Meier, worauf die Leute ein wenig zurück traten.
"Sei gut, mein Kind", sagte sie zu Gustav, indem
sie ihm ein Kreuz mit Daumen und Zeigefinger auf die Stirne machte und ihn auf dieselbe küsste. Der Knabe hielt ihre Hand fest umschlungen und küsste sie. Ich sah in seinen grossen schwarzen Augen, die in Tränen schwammen, dass er sich gerne an ihren Hals würfe; aber die Scham, die einen Bestandteil seines Wesens machte, mochte ihn zurück halten.
"bleibe lieb, Natalie", sagte mein Gastfreund.
Das Mädchen hätte bald die dargereichte Hand ge
küsst, wenn er es zugelassen hätte.
"Teurer Gustav, habe noch einmal Dank", sagte
Matilde zu meinem Gastfreunde. Sie hatte noch mehr sagen wollen; aber es brachen Tränen aus ihren Augen. Sie nahm ein weisses feines Tuch und drückte es fest gegen diese Augen, aus denen sie heftig weinte.
Mein Gastfreund stand da und hielt die Augen
ruhig; aber es fielen Tränen aus denselben herab.
"Reise recht glücklich, Matilde," sagte er endlich,
"und wenn bei deinem Aufentalte bei uns etwas gefehlt hat, so rechne es nicht unserer Schuld an."
Sie tat das Tuch von den Augen, die noch fortweinten, deutete auf Gustav und sagte: "Meine grösste Schuld steht da, eine Schuld, welche ich wohl nie werde tilgen können."
"Sie ist nicht auf Tilgung entstanden", erwiderte mein Gastfreund. "Rede nicht davon, Matilde, wenn etwas Gutes geschieht, so geschieht es recht gerne."
Sie hielten sich noch einen Augenblick bei den Händen, während ein leichtes Morgenlüftchen einige Blätter der abgeblühten Rosen zu ihren Füssen wehte.
Dann führte er sie zu dem Wagen, sie stieg ein, und Natalie folgte ihr.
Es war nach den mehreren Regentagen ein sehr klarer, nicht zu warmer Tag gefolgt. Der Wagen war offen und zurück gelegt. Matilde liess den Schleier von dem nämlichen hut, den sie bei ihrer Herfahrt gehabt hatte, über ihr Angesicht herabfallen; Natalie aber legte den ihrigen zurück, und gab ihre Augen den Morgenlüften. Nachdem auch noch Arabella in den Wagen gestiegen war, zogen die Pferde an, die Räder furchten den Sand, und der Wagen ging auf dem Wege hinab der Hauptstrasse zu.
Wir begaben uns wieder in das Haus zurück.
Jeder ging in sein Zimmer und