gegen die Fütterungstenne ging, begegnete mir Gustav. Er lief mit einem Rufe auf mich zu und grüsste mich.
Der Knabe hatte sich in kurzer Zeit sehr geändert. Er stand sehr schön neben mir da, und gegen die rauhe Art der natur, die noch kein Laub, kein Gras, keinen Stengel, keine Blume getrieben hatte, sondern der Jahreszeit gemäss nur die braunen Schollen, die braunen Stämme und die nackten Zweige zeigte, war er noch schöner, wie ich oft beim Zeichnen bemerkt hatte, dass zum Beispiele Augen der Tiere in struppigen Köpfen noch glänzender erschienen, und dass feine Kinderangesichtchen, wenn sie von Pelzwerk umgeben sind, noch feiner aussehen. Ein sanftes Rot war auf seinen Wangen, braune Haarfülle um die Stirne, und die grossen schwarzen Augen waren wie bei einem Mädchen. Es war, obwohl er sehr heiter war, fast etwas Trauerndes in ihnen.
Wir gingen dem platz zu, auf welchem sein Ziehvater beschäftigt war. Ich erzählte ihm auf dem Wege von meinen Angehörigen; von meiner Mutter, von meinem Vater und von meiner lieblichen Schwester. Auch erzählte ich ihm von der Stadt, wie man dort lebe, was sie für Vergnügungen biete, was sie für Unannehmlichkeiten habe, und wie ich in ihr meine Zeit hinbringe. Er sagte mir, dass er jetzt schon in die Naturlehre eingerückt sei, dass ihm der Vater Versuche zeige, und dass ihn die Sache sehr freue.
Wir blieben eine Weile bei dem Ziehvater. Gustav zeigte mir allerlei, und machte mich bald auf diese, bald auf jene Veränderung aufmerksam, welche sich seit meiner früheren Anwesenheit ergeben habe.
Der Mittag vereinigte uns in dem haus.
Da ich so, da die speisen erschienen, meinem alten Gastfreunde gegenüber sass, fiel mir plötzlich auf, was der Mann für schöne Zähne habe. Sehr dicht, weiss, klein und mit einem feinen Schmelze überzogen sassen sie in dem mund, und kein einziger fehlte. Seine Wangen hatten durch den vielen Aufentalt in der freien Luft ein gutes und gesundes Rot, nur seine Haare schienen mir wie bei dem Gärtner noch weisser geworden zu sein.
Nach dem Essen begab ich mich ein wenig in mein Zimmer. Es war sehr freundlich hergerichtet worden, und in dem Ofen brannte ein erwärmendes Feuer.
Nachmittags gingen wir in das Schreinerhaus. Eustach begrüsste mich, aus seiner Stelle tretend, sehr heiter, und ich erwiderte seinen Gruss auf das herzlichste. Auch die andern Arbeiter gaben zu erkennen, dass sie mich noch kannten. Ich besah zuerst die Dinge nur flüchtig und im allgemeinen. Der schöne Tisch war sehr weit vorgerückt; aber er war noch lange nicht fertig. Es waren wieder ein paar neue Erwerbungen gemacht worden. Man zeigte sie mir und machte mich darauf aufmerksam, was aus ihnen werden könne. Auch Pläne zu selbstständigen arbeiten waren wieder gemacht worden, und man legte mir in kurzem die Grundansichten auseinander. Ich bat Eustach, dass er erlaube, dass ich ihn während meiner Anwesenheit ein paar Male besuche. Er gestand es sehr gerne zu.
Nach diesem Besuche machten wir trotz der sehr schlechten Wege einen weiten Spaziergang. Da ich davon sprach, dass ich schon die Vögel in dem Garten bemerkt habe, sagte mein Gastfreund: "Wenn Ihr länger bei uns wäret, so würdet Ihr jetzt eine ganze Lebensgeschichte dieser Tiere erfahren. Die Zurückgebliebenen fangen schon an, sich zu erheitern, die fortgezogen sind, treffen bereits allmählich ein und werden mit Geschrei empfangen. Sie drängen sich sehr an die Tafel und sputen sich, bis die in der Fremde erfahrnen Nahrungssorgen verwunden sind; denn dort werden sie schwerlich einen Brodvater finden, der ihnen gibt. Von da an werden sie immer inniger und singen täglich schöner. Dann wird ein Gekose in den Zweigen, und sie jagen sich. Hieran schliesst sich die Häuslichkeit. Sie sorgen für die Zukunft, und schleppen sich mit närrischen Lappen zu dem Nesterbau. Ich lasse ihnen dann allerlei Fäden zupfen, sie nehmen sie aber nicht immer, sondern ich sehe manchmal einen, wie er an einem kotigen Halme zerrt. Nun kommt die Zeit der Arbeit wie bei uns in den Männerjahren. Da werden die leichtsinnigen Vögel ernstaft, sie sind rastlos beschäftigt, ihre Nachkommen zu füttern, sie zu erziehen und zu unterrichten, dass sie zu etwas Tüchtigem tauglich werden, namentlich zu der grossen bevorstehenden Reise. Gegen den Herbst kommt wieder eine freiere Zeit. Da haben sie gleichsam einen Nachsommer, und spielen eine Weile, ehe sie fort gehen."
Als wir von dem Spaziergange zurückgekehrt waren und es Abend wurde, versammelten wir uns an dem Kamine des Speisezimmers, in welchem ein lustiges Feuerbrannte. Auch Eustach wurde herüber geholt, und der weisse Gärtner musste kommen und sagen, welche Fortschritte die Pflanzen in den Winterbeeten und in den Gewächshäusern gemacht hatten. Die Haushälterin Katarina setzte hie und da ein warmes Getränke auf ein Tischchen.
Am andern Tage morgens ging ich zu meinem Gastfreunde in das Fütterungszimmer, um zuzusehen. Er suchte sich alle Gattungen Nahrung aus den Fächern zurecht, öffnete dann die Fenster und tat das Futter auf die Brettchen. Er blieb an dem Fenster stehen, und ich bei ihm. Trotzdem kamen die Vögel in Bögen oder geraden Linien herbei geflogen. Ihn fürchteten sie nicht, weil sie ihn als den Nährvater kannten, und mich nicht, weil ich bei ihm stand. Sie drängten sich, pickten, zwitscherten, und balgten sich sogar mitunter.
"Ich gebe im späteren Frühlinge und