1857_Stifter_158_47.txt

"Zum Teile erklärt sich die Tatsache doch wohl aus diesen Anstalten", sagte er. "Luft, Sonne und Regen sind durch die südliche Lage des Standortes und die Vorrichtungen so weit verbessert, als sie hier verbessert werden können. Noch mehr ist an der Erde getan worden. Da wir nicht wissen, welches denn der letzte Grund des Gedeihens lebendiger Wesen überhaupt ist, so schloss ich, dass den Rosen am meisten gut tun müsse, was von Rosen kommt. Wir liessen daher seit jeher alle Rosenabfälle sammeln, besonders die Blätter und selbst die Zweige der wilden Rosen, welche sich in der ganzen Gegend befinden. Diese Abfälle werden zu Hügeln in einem abgelegenen Teile unseres Gartens zusammengetan, den Einflüssen von Luft und Regen ausgesetzt, und so bereitet sich die Rosenerde. Wenn in einem Hügel sich keine Spur mehr von Pflanzentum zeigt und nichts als milde Erde vor die Augen tritt, so wird diese den Rosen gegeben. Die Pflanzen, welche neu gesetzt werden, erhalten in ihrem Graben gleich so viel Erde, dass sie auf mehrere Jahre versorgt sind. Ältere Rosen, welche von ihrem Standboden längere Zeit gezehrt haben, werden mit einer Neuerung beteilt. Entweder wird die Erde oberhalb ihrer Wurzeln weggetan und ihnen neue gegeben, oder sie werden ganz ausgehoben und ihr Standpunkt durchaus mit frischer Erde erfüllt. Es ist auffällig sichtbar, wie sich Blatt und Blume an dieser Gabe erfreuen. Aber trotz der Erde und der Luft und der Sonne und der Feuchtigkeit würdet Ihr die Rosen hier nicht so schön sehen, als Ihr sie seht, wenn nicht noch andre Sorgfalt angewendet würde; denn immer entstehen manche Übel aus Ursachen, die wir nicht ergründen können, oder die, wenn sie auch ergründet sind, wir nicht zu vereiteln vermögen. Endlich trifft ja die Gewächse wie alles Lebende der natürliche Tod. Kranke Pflanzen werden nun bei uns sogleich ausgehoben, in den Garten, gleichsam in das Rosenhospital, getan, und durch andere aus der Schule ersetzt. Abgestorbene Bäumchen kommen hier nicht leicht vor, weil sie schon in der Zeit des Absterbens weggetan werden. Tötet aber eine Ursache eines schnell, so wird es ohne Verzug entfernt. Eben so werden Teile, die erkranken oder zu grund gehen, von dem Gitter getrennt. Die beste Zeit ist der Frühling, wo die Zweige bloss liegen. Da werden Winkelleitern, die uns den Zugang zu allen Teilen gestatten, angelegt, und es wird das ganze Gitter untersucht. Man reinigt die Rinde, pflegt sie, verbindet ihre Wunden, knüpft die Zweige an, und schneidet das Untaugliche weg. Aber auch im Sommer entfernen wir gleich jedes fehlerhafte Blatt und jede unvollständige Blume. Es haben nach und nach alle im haus eine Neigung zu den Rosen bekommen, sehen gerne nach, und zeigen es sogleich an, wenn sich etwas Unrechtes bemerken lässt. Auch in der Umgegend hat man Wohlgefallen an diesen Blumen gefunden, man setzt sie in Gärten und pflegt sie, ich schenke den Leuten die Pflanzen aus meinen Vermehrungsbeeten und unterrichte sie in der Behandlung. Zwei Wegestunden von hier ist ein Bauer, der wie ich eine ganze Wand seines Hauses mit Rosen bepflanzt hat."

"Je mehr es mir wichtig erscheint, wie Ihr mit Euren Rosen umgeht," antwortete ich, "und für je wichtiger Ihr sie selbst betrachtet, desto mehr muss ich doch die Frage tun, warum Ihr denn gerade vorzugsweise an dieser Wand Eures Hauses die Rosen zieht, wo ihr Standort doch nicht so erspriesslich ist, und wo man solche Anstalten machen muss, um ihr völliges Gedeihen zu sichern. Es ist zwar sehr schön, wie sie sich hier ausbreiten und darstellen; aber sollte man sie denn im Garten nicht auch in Stellungen und Gruppen bringen können, die eben so schön oder schöner wären als diese hier, und noch den Vorteil hätten, dass ihre Pflege viel leichter wäre?"

"Ich habe die Rosen an die Wand des Hauses gesetzt," erwiderte er, "weil sich eine Jugenderinnerung an diese Blume knüpft und mir dir Art, sie so zu ziehen, lieb macht. Ich glaube, dass mir einzig darum die Rose so schön erscheint, und dass ich darum die grosse Mühe für diese Art ihrer Pflege verwende."

"Ihr habt nichts von Ungeziefer gesagt", entgegnete ich. "Nun weiss ich aber aus Erfahrung, dass kaum eine Pflanzengattung, etwa die Pappel ausgenommen, so gerne von Ungeziefer heimgesucht wird als die Rose, die in verschiedenen Arten und Geschlechtern von demselben bewohnt und entstellt wird. Hier sehe ich von dieser Plage gar nichts, als wäre sie nicht vorhanden oder als würde die Rose von ihr durch irgendein künstliches Mittel befreit. Ihr werdet doch nicht, so wie jedes kranke Blatt, auch jeden Blattwickler, jede Spinne, jede Blattlaus abnehmen lassen? Aber dieses bringt mich sogar noch auf einen weiteren Umstand, über den ich mir eine Frage an Euch zu tun vorgenommen habe, welche ich gewiss noch vor meiner Abreise bei einer schicklichen gelegenheit getan hätte, welche ich mir aber jetzt erlaube, da Ihr mit solcher Güte und Bereitwilligkeit mir die Einsicht in die Dinge dieses Landsitzes gestattet habt. Bei meiner Wanderung durch das flache Land hatte ich mehrfach gelegenheit zu bemerken, dass Obstbäume häufig kahle Äste haben, oder dass überhaupt das Laub zerstört oder verunstaltet war, was von Raupenfrass herrührte. Mir fiel die Sache nicht weiter auf, da ich sie von Jugend an zu sehen gewohnt war, und da sie sich nicht