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"Tut, wie es Euch gefällt," antwortete er, "nur erinnert Euch, dass ich gestern gesagt habe, dass in diesem haus um zwölf Uhr zu Mittag gegessen wird."

"Ich erinnere mich," sagte ich, "und werde keine Unordnung machen."

Eine kleine Weile nach diesen Worten stand er auf, strich sich mit seiner Hand die Tierchen und sonstigen Körperchen, die von dem Baume auf ihn herabgefallen waren, aus den Haaren, empfahl sich, und ging in der Richtung gegen das Haus zu.

5. Der Abschied

Ich sass noch eine geraume Zeit unter dem Baume und legte mir zurecht, was ich gesehen und vernommen. Die Bienen summten in dem Baume, und die Vögel sangen in dem Garten. Das Haus, in welches der alte Mann gegangen war, blickte mit einzelnen Teilen, sei es von der weissen Wand, sei es von dem Ziegeldache, durch das Grün der Bäume herüber, und zu meiner Rechten ging jenseits der Gebüsche in der Gegend, in welcher ich das Schreinerhaus vermutete, ein dünner Rauch in die Luft empor. Das Singen der Vögel und das Summen der Bienen war mir beinahe eine Stille, da ich durch meine Gebirgswanderungen an solche andauernde Laute gewohnt war. Die Stille wurde unterbrochen durch einzelne Laute' welche von den Arbeitern im Garten herrührten, entweder dass man das Quicken einer Pumpe hörte, mit der man wasser pumpte und mittelst Rinnen in eine Tonne leitete, um es abends zum Begiessen zu verwenden, oder dass eine menschliche Rede ferner oder näher erscholl, die einen Befehl oder eine Auskunft entielt. Die verschiedenen Flecke des himmels, welche durch das Grün der Bäume hereinsahen, waren ganz blau, und zeigten, wie sehr mein Gastfreund mit seiner Voraussage des schönen Wetters recht gehabt hatte.

Ich riss mich endlich aus meinen Gedanken, und ging in dem Garten empor.

Ich ging zu dem grossen Kirschbaume. Ich suchte das Freie, weil ich in dem Garten wegen der beschränkten Aussicht doch nicht einen genauen Überblick in Hinsicht der Witterungsverhältnisse machen konnte. Hier oben stand der Himmel als eine grosse, ausgedehnte Glocke über mir, und in der ganzen Glocke war kein einziges Wölklein. Das Hochgebirge, welches wir gestern nicht hatten sehen können, stand heute in seiner ganzen klarheit an der Länge des südlichen himmels dahin. Vor ihm waren die Vorlande mit manchen weissen Punkten von Kirchen und Dörfern, näher zu mir zeigte sich mancher Turm von einer Ortschaft, die ich kannte, und unter meinen Füssen ruhte der Garten und das Haus, in welchem ich gestern so freundlich aufgenommen worden war. Die Getreide, welche nicht weit von mir hinter der Planke des Gartens standen, und die gestern ganz ruhig gewesen waren, befanden sich heute in einem zwar schwachen, aber fröhlichen Wogen. Ich musste denken, dass das Wetter nicht nur jetzt so schön sei, sondern dass es noch lange so schön bleiben werde.

Von dem grossen Kirschbaume ging ich wieder in den Garten zurück und betrachtete verschiedene Gegenstände.

Ich ging auch noch einmal in das Gewächshaus. Ich konnte nun manches genauer ansehen, als es mir früher möglich gewesen war, da ich mit meinem Begleiter das Haus gleichsam nur durchschritten hatte. Der weisse Gärtner gesellte sich zu mir, erläuterte mir manches, gab mir über Verschiedenes Auskunft und beantwortete bereitwillig alle meine fragen, wie weit seine Kenntnisse und seine Übersicht es zuliessen. Als ich das Gebäude verlassen wollte, sagte er mir, er wolle mir noch etwas zeigen, was der Herr mir zu zeigen vergessen habe. Er führte mich auf einen Platz, der mit Sand bedeckt war, der von allen Seiten der Sonne zugänglich und doch durch Bäume und Gebüsche, die ihn in einer gewissen Entfernung umgaben, vor heftigen Winden geschützt war. Mitten auf dem platz stand ein kleines gläsernes Haus, welches zum Teile in der Erde steckte. Dieser Umstand und dann der, dass es von Bäumen umringt war, machten, dass ich es früher nicht wahrgenommen hatte. Als wir näher kamen, sah ich, dass es ganz von Glas sei und nur so viel Gerippe habe, als sich zur Festigkeit der Tafeln notwendig zeige. Es war auch mit einem starken eisernen Gitter, wahrscheinlich des Hagels wegen, umspannt. Als wir die einigen Stufen von der Fläche des Gartens in das Innere hinabgestiegen waren, sah ich, dass sich Pflanzen in dem haus befanden, und zwar nur eine einzige Gattung, nämlich lauter Kaktus. Mehr als hundert Arten standen in Tausenden von kleinen Töpfen da. Die niederen und runden standen frei, die langen, welche Luftwurzeln treiben, hatten Wände von Baumrinden neben sich, die mit Erde eingerieben waren, damit die Pflanzen die Luftwurzeln in sie schlagen konnten. Alle Glastafeln über unseren Häuptern waren geöffnet, dass die freie Luft den ganzen Raum durchdringen konnte, und doch die wirkung der Sonnenstrahlen nicht beirrt war. Die Töpfe standen in Reihen auf hölzernen Gestellen, die Gestelle aber waren wieder unterbrochen, so dass man in allen Richtungen herum gehen und alles betrachten konnte. Der Gärtner führte mich herum und zeigte mir die Abteilungen und Unterabteilungen, in welchen die Gewächse beisammenstanden.

Ich sagte, dass ich mich freue, dass mein Gastfreund auf die Familie dieser Pflanzen eine solche Sorgfalt wende, da sie gewiss besonders und merkwürdig wären.

"Wenn man sie länger betrachtet und länger mit ihnen umgeht, werden sie immer merkwürdiger", antwortete mein Nachbar. "Die Stellung ihrer Bildungen ist so mannigfaltig, die